Um die 900 aktive Mitglieder hat der Wilstedter Landfrauen-Verein. Damit ist er einer der größten in Niedersachsen. Mit etwa 75 aktiven Bäuerinnen nehmen die Landwirtinnen heute nur noch einen kleinen Teil von etwa zehn Prozent unter den Vereinsmitgliedern ein, während früher fast alle Landfrauen auf den Dörfern Bäuerinnen waren. Die Zevener Zeitung sprach mit der Wilstedter Landfrauen-Vorsitzenden Anke Husmann-Klaffke und der Schatzmeisterin Anette Brüggemann über den Wandel im Verein.
„Die Bäuerinnen sind nach wie vor im Landfrauen-Verein engagiert“, erklärt Anette Brüggemann. „Das Zauberwort heißt ‚demografischer Wandel‘“, erläutert Anke Husmann-Klaffke. „Es gibt in Wilstedt zum Beispiel Gebiete, in denen keine Bäuerin mehr zu finden ist“, sagt Anette Brüggemann. „Es sind einfach nicht mehr so viele“, ergänzt Anke Husmann-Klaffke. „Von etwa 900 Mitgliedern sind etwa zehn Prozent, ungefähr 75 Frauen, Bäuerinnen“, weiß Kassenwartin Anette Brüggemann aus Hepstedt. Anke Husmann-Klaffke dazu: „Wir haben uns nach vorne entwickelt und die Mitgliedszahlen gesteigert. Schon dadurch ist der Anteil der Landwirtinnen geringer geworden.“
Dass bei Veranstaltungen der Landfrauen immer weniger Bäuerinnen dabei sind, liegt nach Ansicht der beiden Vertreterinnen auch daran, dass ältere Bäuerinnen mit manchen Themen der Landfrauen „schon durch“ sind wie etwa die Bereiche „Kinder“ oder „Basteln“. Diese älteren Frauen gehen abends auch nicht mehr so gern aus dem Haus.
Darauf haben die Landfrauen ihr Angebot eingestellt und bieten ein Frühstück für alle an, aber auch spezielle Nachmittage für Ältere. „Das kommt sehr gut an“, sagt Anke Husmann-Klaffke. Früher, als die Wilstedter Landfrauen noch keinen eigenen Verein hatten und zu Zeven gehörten, fanden dort die Veranstaltungen überwiegend nachmittags statt.
Als dann der Wilstedter Landfrauen-Verein gegründet wurde, wurden die meisten Veranstaltungen abends angeboten. „Die jüngeren Frauen haben oft Kinder oder sind berufstätig und können deshalb abends besser. Diese Umstellung hat unserem Verein gut getan“, sagt Anette Brüggemann.
Anke Husmann-Klaffke liest aus der Satzung vor. Der Verein hat sich die „Förderung der Interessen der Frauen im ländlichen Raum“ zum Ziel gesetzt. „Ute Oberts Einsatz für die Rettungswache ist so ein Beispiel dafür. Und zum Beispiel, dass wir Bildungsangebote bieten. Vom Ursprung her haben wir landwirtschaftliche Wurzeln.“
Weil sich die Mitgliederstruktur geändert hat, haben die Landfrauen auch ihr Bildungsangebot entsprechend angepasst. Anke Klaffke: „Der Landesverband hat die Aufgabe ‚Interessenförderung der Bäuerinnen‘ übernommen. Der Landesverband ist ja auch in der Politik vertreten und kann dort natürlich viel mehr bewegen.“
Gibt es heute noch spezielle Angebote für Bäuerinnen? Anette Brüggemann sagt dazu: „Wir hatten mal ein paar. Das war aber zahlenmäßig nicht mehr zu vertreten. Ab und zu organisiert die ehemalige Vorsitzende und Bäuerin Ute Obert mal Veranstaltungen für Bäuerinnen. Jetzt im Herbst besichtigen wir die Firma MT-Energie. Das wird sicher viele interessieren.“
Fortbildungsangebote speziell für Bäuerinnen werden heute auf Kreisebene organisiert. „Hier haben wir jetzt einen Arbeitskreis für Bäuerinnen gegründet. Dann gibt es genug Teilnehmer für landwirtschaftliche Themen. Diese Bündelung der landwirtschaftlichen Themen würden wir in unserem Verein nicht mehr hinkriegen, weil wir einfach nicht mehr genug Bäuerinnen haben“, erklärt Anke Husmann-Klaffke. „Wir müssen unserer Mitgliederstruktur ja auch gerecht werden. Deshalb haben wir ja auch so viele Mitglieder.“ Gern wird der Landfrauen-Verein übrigens auch von Zugezogenen gewählt, um Kontakte zu bekommen.
Nachdem die vorige Vorsitzende Ute Obert noch eine Bäuerin war, ist mit Anke Husmann-Klaffke auch hier eine neue Zeit angebrochen. „Aber ich habe ja landwirtschaftlichen Hintergrund“, sagt die Bauerntochter. Nun ist Anette Brüggemann die einzige aktive Bäuerin im Vorstand – was wiederum den obigen zehn Prozent entspricht. „Ich bin der Durchschnitt.“
Anette Brüggemann: Die 49-jährige Bauerntochter hat nach dem Abitur Steuerfachgehilfin gelernt und anschließend eine hauswirtschaftliche Ausbildung gemacht. Sie bewirtschaftet mit ihrem Ehemann zusammen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau und Schweinemast, ist jedoch seit 1995 selbstständige Landwirtin, weil sie eigenen Teile für ihre eigene Selbstständigkeit dazugekauft hat. Sie ist seit 1993 im Landfrauen-Verein, wurde 1994 Vorstandsmitglied, zunächst als Beisitzerin, seit 2002 als Kassenwartin.
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