Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Mit der Nutzung der Seiten und Services der Zevener Zeitung, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.     Mehr Infos
OK

Kultur

Düstere Bilder des Krieges

Uhr Von Anne Stürzer
Die Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz engagierte sich vehement für den Frieden. Dabei beklagte sie auf ihren Plakaten vor allem die zivilen Opfer des Ersten Weltkrieges. Foto: Worpsweder Museen

Worpswede. Die Hände der Mutter legen sich schützend um ihre Kinder. Die Augen sind dunkle Höhlen, so als wollten sie diese Welt nicht mehr sehen. Eine Welt, die es zugelassen hatte, dass zehn Millionen Soldaten im Ersten Weltkrieg starben, die Hälfte davon bekam noch nicht einmal ein Grab. Käthe Kollwitz verwandelte diesen Schmerz in Kunst – wie auf dem Plakat „Die Überlebenden – Krieg dem Kriege“, zu sehen in der Großen Kunstschau in Worpswede.

Vor Käthe Kollwitz hatte kein Künstler so eindringlich die zivilen Opfer eines Krieges beklagt. Sie zeichnete verwaiste Eltern – ihr jüngster Sohn Peter fiel bereits 1914 in Flandern – und ausgemergelte Kinder mit großen dunklen Augen. Versehrte allesamt.

Auf einen Blick
Was: „Kunstwege – Lebenszeichen. Käthe Kollwitz“
Wo: Große Kunstschau Worpswede, Lindenallee 5
Wann: Bis zum 1. November. Die Schau ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet
Karten: Der Eintritt kostet 8 (ermäßigt 5) Euro

Sie zerrte die Opfer ins Rampenlicht. Die Mühseligen und Beladenen bevölkern ihre Druckgrafiken ebenso wie die Zeichnungen, Plakate und Skulpturen. Und zwar schon bevor die Kriegskrüppel auf den Straßen Berlins zum gewohnten Anblick geworden waren, malte sie ab 1893 die Verzweiflung der Weber und die Opfer der Bauernkriege.

Später spürte sie die fertigen Gestalten in der Praxis ihres Mannes auf, eines Arztes im Bezirk Prenzlauer Berg. Dort skizzierte sie mit Bleistift und Tusche die Arbeiter, die den Kehrseiten der Moderne jeden Tag ausgesetzt waren, weinerliche Alte, die ihr Leben lang geschuftet hatten, und die einfachen Arbeiterfrauen, die sich um ihre Kinder sorgten. Für ihren Blick auf die Armut, die Kinder tötet, auf Verhärmte, die die Hoffnung aufgegeben haben, und solche, die für eine bessere Welt kämpften, ist sie zu Recht berühmt geworden.

Eines fällt in der Ausstellung auf: Wenn die Mahnerin die Hungernden aus den grauen Hinterhöfen schilderte, sind es nicht die mageren Körper, die die Betrachter heute schockieren, sondern die hohlen Augen und die riesigen Finger. Überhaupt sind für Käthe Kollwitz Hände reiner Ausdruck. Sie erzählen die Geschichte ihrer Figuren. So schlagen Verzweifelte die Hände vors Gesicht. Andere Hände betteln, zeigen auf unhaltbare Zustände, klagen an.

Das eigene Ich

Oft hatte sie solche Haltungen und Gesten an sich selbst ausprobiert. Denn immer wieder erforschte sie zeichnend das eigene Ich. In dieser „visuellen Form des Gesprächs“, wie sie es selbst nannte, war sie schonungslos zu sich selbst, zeigte offen ihre Enttäuschung und Trauer.

Ihre Kunst – auch die Selbstbildnisse – bezog die Kraft aus dem Mut der Verzweiflung. „Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zweck hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“, notierte sie 1922. Sie wollte sich nach den Gräueln des Ersten Weltkrieges für den Frieden engagieren. Im Juni 1917 fragte sie sich bereits, ob sie „nicht auch etwas zur Friedenspropaganda beisteuern könnte“.

Doch erst 1924 entstand ihr wohl berühmtestes Plakat, entworfen für den Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung in Leipzig. Den Arm emporgereckt, ein entschlossener Blick, den Mund zum Ruf geöffnet, daneben steht in steiler Handschrift der Appell: „Nie wieder Krieg“.

Sie gehört nicht wegen solcher Appelle zu den ganz Großen, sondern weil sie den Opfern eine Stimme gab, die über den Tag hinaus gehört wird. Das macht ihre Kunst so aktuell. Und ein bisschen unzeitgemäß. Denn heute schauen wir lieber rasch weg, wenn wir den Bettler in der Fußgängerzone sitzen sehen.

Auf einen Blick
Was: „Kunstwege – Lebenszeichen. Käthe Kollwitz“
Wo: Große Kunstschau Worpswede, Lindenallee 5
Wann: Bis zum 1. November. Die Schau ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet
Karten: Der Eintritt kostet 8 (ermäßigt 5) Euro

SERVICE

Wir über uns
Unser Verlagsgebäude in Zeven

In unserem Verlagsgebäude mitten in Zeven in der Gartenstraße wird die Zevener Zeitung produziert. Ansprechpartner aus den verschiedenen Abteilungen, wie der Redaktion und dem Anzeigenbereich finden Sie hier. Mehr...

Kunden-Service
Telefon: 04281/945-666

Die Zevener Zeitung ist das führende Medium für Zeven und den umliegenden Landkreis. Sie erscheint sechs Mal in der Woche. Unsere Mitarbeiter aus dem Abo- und Anzeigen-Service stehen Ihnen gerne bei Fragen zur Verfügung. . Mehr...