
„Die zwei Turniertage waren gar nicht anstrengend, denn die Atmosphäre war sehr angenehm. Am zweiten Tag stieg die Anspannung, da ich spielen musste“, so Rüdiger Kahrs zum Einsatz bei dem diesjährigen „Top 8 Masters“, das Anfang Januar stattfand. Mit dem Sieg bei den Herren 65 setzte er das Sahnehäubchen auf ein spannendes Wochenende. „Das Turnier ist längst zu seinem Steckenpferd geworden. Eine tolle Geschichte für alle Spieler in den Wintermonaten. Da kommen alle immer gerne in die Halle, um den Titel auszuspielen“, so der Bremervörder Tennis-Crack Michael Busch.
Dass Kahrs das Turnier ins Leben rief und in die Halle legte, lag einmal mehr an seinem ausgeprägten Gespür in der Szene. „Ich übernahm 1997 das Amt des Kreissportwartes des Tennisverbandes Rotenburg und führte sofort eine Kreisrangliste ein. Ich habe zunächst in der Sommersaison Ranglistenturniere organisiert, merkte dann aber, dass sich die Spieler ein Hallenturnier wünschten. Das erste Top-8-Turnier wurde 2001 in Zeven durchgeführt. Doch anschließend wechselten wir nach Tarmstedt. Dort finden wir optimale Bedingungen vor und alle fühlen sich sehr wohl“, so der 66-Jährige, der in jungen Jahren leidenschaftlich Fußball spielte. „Ich bin in Sottrum aufgewachsen, doch durch den Wohnungswechsel meiner Eltern spielte ich später beim MTV Elm, Bremervörder SC und VfL Visselhövede.“
Auch in der Leichtathletik hätte er ein „Großer“ werden können. „Mit 22 Jahren bin ich die 100 Meter in 10,9 Sekunden gelaufen. Nicht schlecht“, sagt Kahrs und schmunzelt. Doch mit dem Umzug nach Visselhövede (1970) – dort spielte er noch fünf Jahre Fußball beim VfL – wechselte er 1975 die „Pferde“ und fand im Tennis ein neues Hobby. „Ich habe mir fast alles selbst beigebracht“, so der 66-Jährige, der sich zudem die Vorstandsarbeit auf die Fahne schrieb. „Zunächst war ich Jugend- und Sportwart“, sagt Kahrs, der später beim VfL Visselhövede acht Jahre lang als Geschäftsführer agierte.
„Rüdiger ist ein toller Typ, dynamisch und absolut zuverlässig. Er gehört zu den Leuten, die nicht nur reden, sondern Ideen in Taten umsetzen. Menschen von dem Schlag findet man heute nur wenige“, sagt Friedrich Nebel, stellvertretender Vorsitzender der NTV-Region Aller-Oste-Wümme und langjähriger Freund.
„Wenn Ämter verteilt werden, hebt kaum einer die Hand. Doch ich engagiere mich gerne“, so Rüdiger Kahrs, der beim VfL Visselhövede im Gesamtvorstand als zweiter Vorsitzender und Geschäftsführer agierte. Doch auch im Tennis-Kreisverband setzte er seine Duftmarken. Unter anderem als Jugendwart. Im August 2011 wurde er in den neu gegründeten Aller-Oste-Wümme Verband zum Regionssportwart gewählt.
Damit häufen sich administrative Aufgaben zwangsläufig. „Ich sitze täglich zwei Stunden an meinem Schreibtisch. Beim Top-8-Turnier ist der Arbeitsaufwand allerdings eher gering. Die Ranglistenpositionen stehen fest und daher muss ich die Spieler nur noch bitten teilzunehmen. Die kommen gerne und alles läuft in der Regel ohne Stress“, sagt Kahrs.
Doch der ehemalige Berufsschullehrer ist nicht nur „Schreibtisch-Täter“. Der Court ist sein „Boden“ und die Lust am eigenen Tennisspiel ist ungebrochen. Derzeit spielt er in der Herren 60 beim TC Rotenburg, die zurzeit am Oberliga-Spielbetrieb teilnehmen. „In der Freiluft-Saison müssen wir in der Landesliga spielen. Wir sind zwar Meister geworden, haben das Relegationsspiel für die Oberliga aber leider verloren. Doch es gibt noch ein ,Türchen‘, um in die Liga eingestuft zu werden“, so der Rechtshänder, der in seiner über 30-jährigen sportlichen Laufbahn viele Aufstiege im VfL Visselhövede feierte. „Der Vize-Bezirksmeistertitel 2011 war schon etwas Besonderes“, erzählt Kahrs nicht ohne Stolz.
Dass bei so viel Tennisbegeisterung der „Virus“ auch auf die eigene Familie übergreift, ist nachvollziehbar. „Meine Frau Elke und unsere drei Töchter Tanja, Nina und Thekla spielten auch Tennis. Doch Elke zog irgendwann die Notbremse, da fünf Punktspieltermine an einem Wochenende kaum zu koordinieren waren. Mittlerweile erfährt sie die Ergebnisse aus der Zeitung und richtete uns nach Niederlagen wieder auf. Meine Kinder haben mittlerweile eigene Familien und betreiben auch andere Sportarten. Und von den vier Enkelkindern spielt Jan, der 18 Jahre alt ist, beim TC Aue Ahausen bei den Herren“, sagt Rüdiger Kahrs.
Und lässt das Zeit-Management bei soviel Tennis noch Freiräume offen, sind andere Dinge für den Pensionär angesagt. „Da kommt es schon vor, dass ich Zeit mit unseren Enkelkindern verbringe. Oder ich mache gemeinsam mit meiner Frau Gartenarbeit“, so Kahrs. Doch das Zeugnis in Sachen „grüner Daumen“ fiel bisher eher unbefriedigend aus. „Elke sagt, ich sei ein schlechter Gärtner“, so der 66-Jährige.
