
„Das war‘s“, raunten sich die Heeslinger Fans auf der neuen Stehtribüne zu, als der Sechser der Gäste einen mustergültig vorgetragenen Konter mit dem entscheidenden Treffer abschloss. Zuvor hatte der gestern vor der Abwehr oftmals unnötig riskant spielende Nils Laabs den Ball vertändelt. Der TuS bekam dabei die Quittung für eine bestenfalls mäßige zweite Hälfte, in der die Gütschow-Elf kaum Druck aufbauen konnte.
Die Gäste schienen sich ebenfalls ins Elfmeterschießen retten zu wollen, hatten aber vor dem Tor zwei brandgefährliche Konter, bei denen jedesmal Andreas Gerdes-Wurpts im Mittelpunkt stand. Zunächst vernaschte er im TuS-Strafraum Thomas Johrden und Björn Dreyer, doch bei seinem Pass auf den freistehenden Julian Bennert stand dieser ganz knapp im Abseits (58.). Beim zweiten gefährlichen Gästeangriff nach der Pause nahm er einen Traumpass in die Tiefe glänzend an, wurde aber im Strafraum beim Schussversuch noch entscheidend von Björn Mickelat gestört, legte sich dann den Ball mit der Hand vor – und sah vom guten Schiedsrichter Robert Schröder die Gelb-Rote Karte (74.).
Nun erwachte Heeslingen endlich aus der Lethargie, die das Team nach dem Seitenwechsel befallen zu haben schien. Torsten Gütschow brachte Herman Mulweme für den völlig indisponierten Daniel Grimm (75.), der erst nach der Pause Sead Kucevic abgelöst hatte.
Kucevic hatte zuvor gegen die wendige Kickers-Abwehr ebenfalls einen schweren Stand gehabt, fiel in der ersten halben Stunde eher als „Torchancenverhinderer“ denn als Angreifer auf. Zunächst traf er nach einem brillanten Zuspiel des starken Heeslinger „Überraschungs-Neuzugangs“ Mike Behrens (siehe nebenstehenden Artikel) den Ball völlig freistehend aus sechs Metern nicht richtig (25.), dann stand er Behrens bei einem Pass auf den vor der Pause ebenfalls sehr agilen Mirko Lippold im Weg (28.).
Doch in der temporeichen ersten Spielhälfte hatten keineswegs nur die Heeslinger so ihre Chancen. Schon in der zweiten Minute lag der Ball zum ersten Mal im Netz von Peter Bardehle, allerdings stand Gerdes-Wurpts zuvor im Abseits. Danach musste der TuS-Keeper einen Djokovic-Freistoß aus dem Winkel holen und hatte bei der folgenden Ecke Glück, dass Gerdes-Wurpts freistehend über das Tor köpfte (14.).
Doch nur drei Minuten nach dem Heeslinger Führungstreffer machte Gerdes-Wurpts es besser, legte im Anschluss an eine Ecke per Kopf auf Kevin Nennhuber ab, der ebenfalls per Kopf das 1:1 erzielte (38.). Dabei profitierten sie von deutlich fehlender Zuteilung in der völlig neu formierten Heeslinger Defensive, der die Standardsituationen der Gäste teilweise gehörig zu schaffen machten. „Ein Amateurfehler“, grantelte dann auch TuS-Coach Torsten Gütschow.
Nach dem Platzverweis versuchte Heeslingen wieder mehr für die Offensive zu tun, wurde aber nach Laabs‘ Ballverlust in der Vorwärtsbewegung klassisch ausgekontert. Zuvor hatte Laabs die beste Chance der zweiten Halbzeit nach einem feinen Zuspiel von Mike Behrens vergeben, als er aus 16 Metern über das Kickers-Tor schoss (82.).
In der Nachspielzeit vergab Björn Dreyer die letzte Chance für den vergeblich anrennenden TuS, als er den Ball nicht richtig traf. Unmittelbar danach pfiff der Schiedsrichter ab – und beendete damit endgültig alle Heeslinger Hoffnungen auf ein weiteres DFB-Pokalfest wie Anfang August gegen Energie Cottbus.
Kickers Emden: Hergen Gerdes – Bernd Grotlüschen, Kevin Nennhuber, Steven Janßen, Manuel Menzel, Gerrit Thomes, Denis Djokovic (69. Martin Habben), Thilko Boekhoff, Daniel Kulbatzki (89. Malte Müller), Julian Bennert (91. Arne Janssen), Andreas Gerdes-Wurpts.
Tore: 1:0 Sead Kucevic (34.), 1:1 Kevin Nennhuber (38.), 1:2 Gerrit Thomes (84.)
Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover) mit den Assistenten Marco Gewecke und Aleksandar Lukic.
Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte für Emdens Andreas Gerdes-Wurpts (74./absichtliches Handspiel)
