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SV Hamersen siegt beim Spitzenreiter


Zeven. Freude beim SV Hamersen, der dem Spitzenreiter Bremervörde auf eigenem Platz die erste Niederlage beibrachte, Freude beim SV Anderlingen und TuS Zeven, die beide den ersten Saisonsieg feierten, und Trauer bei Ippensen und Oldendorf, die beide kräftige Ohrfeigen verpasst bekamen. Es war ein Fußball-Kreisliga-Spieltag, der wieder allerhand zu bieten hatte. Von Gerda Holsten


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Tarmstedt – Scheeßel: TuS-Defensivmann Jerome Böse (links) wirft sich etwas zu spät in diesen Schuss. Foto: olm

Bremervörde – Hamersen 2:3

Wie gewinnt man beim Tabellenführer? Das fragte sich Hamersens Ralf Stelling, ein glühender Gladbach-Fan. Er ließ sich eine grün-weiß-schwarze Kapitänsbinde von der Geschäftsstelle des Bundesligisten schicken und verpasste diese seinem Spielführer Sebastian Bufeind. Mit 3:2 brachten die Hamerser dann dem Bremervörder SC die erste Saisonniederlage bei.

Mit seinem allerletzten Aufgebot war Peter Ludwig zum Tabellenführer ins Bremervörder Schützenhofstadion gereist. In der Anfangsphase brannten die Hausherren ein wahres Feuerwerk ab, wobei sich Hamersens Schlussmann von seiner besten Seite zeigte, indem er drei Hochkaräter glänzend parierte. Jubel brandete stattdessen auf Seiten der Gäste auf, als Felix Porrath mit einem 16-Meter-Linksschuss den SV mit 1:0 in Front brachte (17.). Die Bremervörder zeigten sich eine Zeitlang verunsichert und als sie sich wieder gefangen hatten scheiterten die Stürmer ein ums andere Mal an Jannik Röttinghausen. In der 30. Minute ließ SV-Angreifer Dirk Haller 20 Meter vor dem Tor seinen Gegenspieler aussteigen und traf zum 2:0-Halbzeitstand.

Eine echte Überraschung bahnte sich an. Erst nach 70 Minuten waren die Bremervörder Angriffsbemühungen von Erfolg gekrönt, Mike Ziehm stellte aus dem Gewühl heraus den 1:2-Anschluss her. Vorher waren noch Dirk Haller und Felix Porrath am BSC-Schlussmann gescheitert. Haller war es dann, der acht Minuten nach dem Gegentreffer den alten Abstand wieder herstellte. Der 2:3-Endstand fiel in der Nachspielzeit durch Torben Stüve. „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, jetzt haben wir es mal wieder gezeigt“, so Ralf Stelling, der mit seiner Kapitänsbinden-Idee der ungekrönte König des Abends war.

Ippensen – Stemmen 3:7

„Mit so einer Einstellung muss unsere Kreisliga-Tauglichkeit erheblich in Frage gestellt werden“, ärgerte sich Carsten Kücks, Pressesprecher des Aufsteigers aus Ippensen. Der Gegner vom TV Stemmen stellte über die gesamte Spielzeit das deutlich aktivere Team, während die Ippenser den Eindruck erweckten, als seien sie mit ihren Gedanken ganz woanders. In sämtlichen Belangen zeigte sich die Heimelf unterlegen. In der 31. Minute rutschte SV-Keeper Christian Buse ein Flankenball durch die Finger und Steffen Brunkhorst köpfte zum 0:1 ins leere Tor. Praktisch im Gegenzug beförderte Frank Behrens einen langen Ball von Nils Klindworth zum 1:1-Ausgleich ins TV-Tor. Das war es aber auch schon während der ersten 45 Minuten für den SV Ippensen, während die Gäste etliche gefährliche Torraumszenen zu verzeichnen hatten. Jair Bentz erzielte per Fernschuss in der 43. Minute den 1:2-Halbzeitstand.

Nach einer ernsthaften Ansprache beim Pausentee zeigten sich die Ippenser zu Beginn der zweiten Spielhälfte etwas engagierter, mit der Folge, dass Thorsten Brünjes nach einem Pass in die Tiefe von Nils Klindworth das 2:2 markierte (57.). Im Gegenzug stellte Stefan Ehrke aber den alten Abstand wieder her und in der 62. Minute erhöhte Jair Bentz nach einem Abstimmungsfehler zwischen Hendrik Kaiser und Marcel Gerken auf 2:4. In der 71. Minute musste Christian Buse zum fünften Mal hinter sich greifen, Heiko Ceglarek war der Schütze. Etwas Hoffnung im SV-Lager keimte nach dem 3:5 durch Frank Behrens auf (75.). Doch drei Minuten später fiel Treffer Nummer sechs für Stemmen. Jan Jeschke verwandelte einen Foulelfmeter. Mit dem Schlusspfiff machte Heiko Ceglarek das Debakel für den SV Ippensen mit dem 3:7-Endstand perfekt.

Tarmstedt – Scheeßel 4:1

In der abgelaufenen Saison gab es zwischen dem TuS Tarmstedt und Rot-Weiß Scheeßel noch einen Zweiklassen-Unterschied. Den gibt es nicht mehr, doch der TuS Tarmstedt spielte gestern zumindest eine Klasse besser als die Gäste. Zwar gab es ein paar Anfangsschwierigkeiten für die Platzherren, die sich in dem Scheeßeler Führungstreffer durch Stefan Konz niederschlugen (12.). Nach dem Ausgleich, den Sven Lennartz per Direktabnahme einer Flanke von Tobias Mindermann erzielte (20.), lief es in den Reihen des TuS besser, auch wenn bis zur Pause nichts Nennenswertes mehr passierte.

In der 54. Minute leistete der Scheeßeler Torwart den Tarmstedtern Schützenhilfe, indem er Teetje Meyer von den Beinen holte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Julian Bolte zur 2:1-Führung. TuS-Trainer Stefan Blasy schien ein goldenes Händchen in Sachen Auswechslungen gehabt zu haben, denn die beiden noch folgenden Treffer wurden von eingewechselten Spielern erzielt. In der 66. Minute war es Andreas Grimm, der nach langem Pass von Arne Braunstein per Seitfallzieher auf 3:1 erhöhte. Vier Minuten später krönte Jan Runow eine sehenswerte Einzelleistung mit einem Schuss aus 17 Metern ins lange Eck zum 4:1-Endstand. In der verbleibenden Spielzeit schaukelten die Tarmstedter das Ergebnis locker nach Hause.

Sottrum – Zeven 0:2

Zevens Trainer Peter Leschniok ist die personifizierte Geduld. „Wir werden unsere Punkte schon noch holen.“ Gestern hat sich die Ruhe des Übungsleiters ausgezahlt: Mit einem 2:0-Auswärtserfolg kam seine Elf vom TV Sottrum zurück. Dort erwischten die Zevener einen Auftakt nach Maß, denn nur eine Minute nach dem Anpfiff hieß es bereits 0:1. Erdal Sardas hatte einen Freistoß von Toni Schulz per Kopf verlängert. In der 20. Minute lag jedoch der Ausgleich in der Luft. Sottrums Timo Löber tauchte allein vor TuS-Torwart Benajmin Oeser auf, verfehlte jedoch sein Ziel. Mit einer Riesenmöglichkeit scheiterte Tobias Mannke nach Vorlage von Tobias Rohleder in der 37. Minute am Sottrumer Schlussmann. Kurz darauf vergaben die Gastgeber ihre zweite Großchance. Toni Schulz hätte kurz vor dem Seitenwechsel per Freistoß für das 2:0 sorgen können, doch der TV-Torwart war erneut auf Zack.

Ein Alleingang von Toni Schulz war ebenfalls beim Torwart zu Ende, den Nachschuss vergab Mannke (52.). Eine weitere hochkarätige Chance konnte Schulz mit seinem 22-Meter-Schuss nicht unterbringen (72.). Als die Sottrumer in der Schlussphase alles nach vorn warfen, marschierte Tobias Mannke auf und davon und stellte den hoch verdienten 0:2-Endstand her. Betreuer Jörg Heining lobte die geschlossene Mannschaftsleistung, hervorgerufen durch Trainingsmoral und meinte: „Wir sind in der Kreisliga angekommen.“

Oldendorf – Westerholz 2:5

Die Oldendorfer haben auch in ihrem dritten Heimspiel in Folge Federn lassen müssen, und dieses Mal gegen den TuS Westerholz noch heftiger als zuvor gegen Bremervörde und Tarmstedt. Mit 2:5 unterlag die Heimelf und Trainer Eckart Hartwig kann sich kaum erinnern, dass seine Jungs schon mal ein so schlechtes Spiel abgeliefert haben. Man hatte sich viel vorgenommen, doch das 0:1 bereits in der vierten Minute warf die gesamte Taktik über den Haufen. Enrico Mattner nutzte einen Stellungsfehler in der SV-Abwehr gnadenlos aus. Jan Ostenfeld legte bereits sechs Minuten später zum 0:2 nach. Zwar kamen die Oldendorfer durch Christoph Fahjen nach Vorlage von Florian Münster zum 1:2 (14.), doch Westerholz dominierte ganz klar die Partie. Von den Oldendorfern war vor allem im spielerischen Bereich kaum etwas zu sehen.

Enrico Mattner, der gestern insgesamt vier Mal erfolgreich war, traf in der 53. Minute zum 1:3. Nach Rainer Möllers Anschlusstreffer zum 2:3 (64.) keimte bei den Gastgebern ein wenig Hoffnung auf, die Mattner zehn Minuten später wieder zunichte machte. Gegen ihn hatte Oldendorf Defensive einfach keine Mittel, denn der TuS-Stürmer stellte in der 87. Minute auch noch den 2:5-Endstand her. „Der TuS Westerholz war ganz klar eine Klasse besser“, so Hartwig, „für uns hat heute der Abstiegskampf begonnen“.

Anderlingen – Gnarrenbg. 2:1

Sie können's doch noch: Dem SV Anderlingen gelang im sechsten Saisonspiel der erste Sieg. Es war eine dieser Partien, die lange Zeit auf der Kippe stehen. Die ersatzgeschwächt angetretenen Gäste waren zwar im ersten Spielabschnitt überlegen, lagen aber schnell mit 0:1 zurück. SVA-Stürmer Martin Schmidt hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt, genau auf Malte Holsten gepasst und dieser traf aus kurzer Distanz zur Führung für die Gastgeber (11.). Zwar gelang Patrick Wellbrock mit einem wunderbaren Freistoßtor aus 28 Metern noch vor der Pause der Ausgleich (32.) und der TSV hatte noch weitere gute Chancen durch Sven Schostak (21.) und Nico Wintjen (34.), doch zufrieden mit der Leistung seiner Elf war Gäste-Trainer Matthias Weiß nicht: „Wir haben eigentlich nie zu unserem Spiel gefunden, vor allem viel zu viele Fehlpässe gespielt“, so Weiß.

Die Anderlinger taten dagegen das, was ihnen zur Zeit möglich ist: Sie kämpften und erzwangen sich die eine oder andere excellente Chance: Noch vor der Pause traf Marco Holsten die Latte (40.) und nach dem Wechsel hatte Sebastian Heins die große Chance zum 2:1, brachte aber den Ball aus einem Meter nicht über die Torlinie (59.).

Es war letztlich eine Schiedsrichter-Entscheidung, die dem Spiel die Wende gab: In der 73. Minute wurde der Gnarrenburger Sören Bijkersma im eigenen Strafraum an der Hand getroffen, der Unparteiische Bernd Rössel entschied auf Strafstoß. „Für mich war es eine klare Fehlentscheidung. Bijkersma wurde aus drei Metern angeschossen. Es war kein absichtliches Handspiel“, so TSV-Coach Weiß. Ob nun aber Absicht oder nicht, Marco Holsten trat zum Strafstoß an und verwandelte diesen zum 2:1.

Und auch die letzten Minuten dieser Partie hatten noch eine ganz eigene Dramatik: Zehn Minuten vor Spielende hätte der eingewechselte Volker Steffens, unmittelbar vor dem Tor der Gäste stehend, das 3:1 erzielen müssen. Nur für Steffens, der dafür bekannt ist, vor allem unglaublich „schwere“ Tore zu erzielen, war es wohl einfach zu leicht: Er brachte den Ball nicht über die Torlinie und so bekam die vierte Minute der Nachspielzeit noch eine besondere Bedeutung: Der junge SVA-Verteidiger Carsten Borchers hatte Nico Wintjen im eigenen Strafraum gelegt. Zum fälligen Elfmeter trat Tilo Vollmann an, der den Ball aber – wie einst Uli Hoeneß – weit über das Tor der Gastgeber setzte. „Mit einer mittelmäßigen Leistung hätten wir hier leicht gewinnen können“, so Gnarrenburgs Coach Matthias Weiß nach der Begegnung. „Nur wir waren leider einfach nur schwach.“

Bothel – Sandbostel 2:0

Es gibt so Niederlagen, die sind einfach nur unglücklich. Die Gäste mussten in diesem Spiel auf insgesamt sechs Akteure verzichten. „Wir sind in Bothel mit einer Notelf angetreten und wollten zumindest einen Punkt holen und danach sah es lange Zeit auch aus“, so SV-Coach Reinhold Buck. Es hätten sogar drei Punkte sein können. Zwar war Bothel über weite Strecken der Partie überlegen, aber zwingende Torchancen konnten sich die Gastgeber so gut wie keine herausspielen. Anders Sandbostel: Insbesondere Mittelstürmer Torben Holsten hatte zwei excellente Möglichkeiten, köpfte aber zunächst freistehend aus kurzer Distanz am Tor vorbei (55.) und schoss später, allein vor dem Tor stehend, den TuS-Keeper an (75.). „Zurzeit rackert er, kämpft, aber trifft einfach das Tor nicht. Es gibt eben solche Phasen für einen Stürmer, aber ich hoffe, die ist bald vorbei“, so Buck. Eine dritte große Chance für die Gäste vergab vier Minuten vor Spielende der junge Jannis Kropp, der mit einem Schuss aus 16 Metern am TuS-Torwächter scheiterte.

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Mannschaften in diesen Wochen zeigte sich in der Schlussminute: Bothels Stürmer Cedric Ahrens nutzte die erste nennenswerte Chance der Gastgeber und traf in einer unübersichtlichen Situation aus kurzer Distanz zum 1:0 für den TuS (90.). Die Buck-Elf warf nun alles vorne und wurde nur eine Minute später auf klassische Weise ausgekontert. Philipp Behrens erzielte das 2:0 für Bothel (91.). „Die Geschichte wiederholt sich leider von Woche zu Woche. Wir spielen nicht schlecht, nutzen aber unsere Chancen nicht und stehen am Ende allzu oft mit leeren Händen da. Dies muss sich bald ändern“, so Buck.

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Ippensen – Stemmen: Jan Hollmann (am Ball) schickt Marcel Gerken (links) in Richtung Gästegehäuse. Foto: rak
Artikel vom 06.09.10 - 06:00 Uhr
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