Es war nicht das Finale, aber es war wohl das Spiel dieses Turniers. Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe 1 trafen Kreisligist Ippensen und Bülstedt/Vorwerk aufeinander. Die Mannschaft aus der 2. Kreisklasse hatte bis dahin ein fantastisches Turnier gespielt. Im ersten Vorrundenspiel den TV Stemmen durch Tore von Ole Albinger und Kevin Murley 2:0 geschlagen. In der zweiten Partie den überforderten TuS Fintel phasenweise auseinander genommen, diesen nach zwei unnötigen Gegentoren am Ende „nur“ 5:3 geschlagen und gegen den SV Ippensen hätte ein Remis genügt, um ins Finale der Hallen-Kreismeisterschaften einzuziehen.
Die Rechnung war für Bülstedt/Vorwerk noch relativ einfach. Auf Seite des SV Ippensen (4:2-Sieg gegen Fintel, 2:3-Niederlage gegen Stemmen) musste dagegen mehr gerechnet werden: Wie SV-Keeper Lars Kamphausen in den letzten Minuten des vorletzten Gruppenspiels zwischen Stemmen und Fintel (Endstand: 6:1) bei wechselnden Spielständen einem Mannschaftskameraden immer wieder neu vorrechnete, musste Ippensen, um Stemmen noch zu überholen und ins Finale einzuziehen, Bülstedt/Vorwerk mit drei Toren Abstand schlagen. Würde man nur mit zwei Toren Abstand gewinnen, hätte man zumindest Bülstedt überholt und das kleine Finale erreicht.
Es wurde ein hitziges, großartiges, mitreißendes Gruppen-Finale, in dem zwischenzeitlich nach mehreren umstrittenen 2-Minuten-Strafen nur noch fünf Feldspieler (zwei aus Ippensen, drei von Bülstedt/Vorwerk) auf dem Platz standen. Der Kreisligist ging durch einen Treffer von Steffen Klindworth nach vier Minuten in Führung, in Unterzahl mit nur zwei Feldspielern auf dem Feld markierte der unermüdliche Marcel Gerken in Minute acht sogar das 2:0. Doch Bülstedt gab sich nicht auf. Dem guten Georg Jordan gelang zwei Minuten vor Abpfiff der 1:2- Anschlusstreffer. Ein Tor noch und die Sensation wäre perfekt: Bülstedt/Vorwerk im Finale. Doch dann wurde TSV-Spieler Luca Pot d‘Or mit einer Zwei-Minuten Zeitstrafe belegt. Das nutzte Ippensen. Frank Behrens erzielte eine Minute vor Spielende das 3:1. Doch ein weiteres Tor, das heißt der Finaleinzug sollte nicht mehr gelingen.
Trotz des unglücklichen Ausscheidens in letzter Minute war TSV-Coach Florian Kahrs zufrieden: „Natürlich ist es schade so auszuscheiden. Doch die Mannschaft hat sich hervorragend verkauft. Wir können stolz sein.“
So etwas konnte leider über den einzigen Vertreter aus dem Einzugsgebiet der ZZ in Gruppe 2 – dem TuS Zeven – nicht gesagt werden: Der TuS hatte das, was man so einen gebrauchten Tag nennt. „Manchmal hat man leider solche Tage“, so Zevens Co-Trainer Uwe Schulz. „Da kann man machen, was man will. Es will nichts so recht klappen.“
Dies galt vor allem für den sonst so guten Jonas Hotsch, für den der legendäre Andy-Brehme-Spruch „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß“ in Bothel leider zutraf. Im ersten Vorrundenspiel gegen den durchaus schlagbaren VfL Visselhövede lenkte Hotsch sieben Sekunden vor dem Abpfiff den Ball unglücklich ins eigene Tor. Der VfL gewann diese Partie durch dieses Eigentor 2:1 und im letzten Gruppenspiel gegen den schwachen SV Jeersdorf hatte Hotsch die große Chance zum Siegtor, schob den Ball aber über das Tor. Das Spiel endete 1:1.
Aber an Hotsch allein lässt sich natürlich das enttäuschende Abschneiden der Zevener nicht festmachen. Die gesamte Mannschaft spielte insgesamt nicht schlecht, aber letztlich weit unter den eigenen Möglichkeiten. „Wir haben taktisch einfach nicht klug genug gespielt, uns selbst die Räume oft viel zu eng gemacht“, so Schulz. Das zweite Vorrundenspiel hatte Zeven übrigens 1:2 gegen Scheeßel verloren. In Gruppe 2 setzte sich letztlich im Gruppenfinale durch einen 1:0-Sieg über Visselhövede der ehemalige Kreisligist Scheeßel durch.
Im Spiel um Platz drei trafen die beiden Kreisligisten Visselhövede und Ippensen aufeinander. Der SV spielte etwas enttäuschend und musste sich mit 1:2 geschlagen geben. Den einzigen Treffer für Ippensen hatte Dennis Klindworth mit seinem insgesamt vierten Turnier-Tor 20 Sekunden vor Spielende erzielt – zu spät. „Wie letztes Jahr Vierter“, bilanzierte SV-Betreuer Carsten Kücks. „Das ist schon in Ordnung, obwohl vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen wäre.“
Im Finale standen sich schließlich Stemmen und Scheeßel gegenüber. Während die Rot-Weißen aus Scheeßel alle drei Vorrundenspiele hatten gewinnen können, hatte das Turnier für Stemmen holprig mit der 0:2- Niederlage gegen Bülstedt/Vorwerk begonnen und erst der ziemlich leichte 6:1-Erfolg gegen den in den ersten Spielminuten desolat auftretenden TuS Fintel (Stemmen führte nach drei Minuten 4:0) hatte die Elf von Trainer Manfred Wolfs ins Finale gebracht, das sozusagen in seinem eigenen Wohnzimmer stattfand: Der Trainer des TV wohnt nur 200 Meter von der Turnhalle in Bothel entfernt. Im Endspiel zeigte seine Elf gegen einen hervorragend mitspielenden Gegner eine exzellente Leistung. Der wohl beste Spieler des Turniers, Hannes Bellmann, hatte den TV 1:0 in Führung gebracht. Scheeßel konnte zwar ausgleichen und nach einem erneuten Führungstor der Wolfs-Elf auch noch ein zweites Mal zum 2:2 ausgleichen. Doch zwei Minuten vor Schluss gelang dem guten Douglas Grun der 3:2-Siegtreffer für Stemmen.
„Es mag sich zwar arrogant anhören, aber ich habe schon nach der Vorrunde gespürt, wir können diesen Titel gewinnen“, so Stemmens Coach Wolfs. „Scheeßel war ein hervorragender Gegner, aber wir haben uns letztlich diesen Titel verdient.“
