
Besonders im Bereich der Eigentumskriminalität sind den Polizisten im vergangenen Jahr mehrere Serientäter ins Netz gegangen. Auf der anderen Seite waren es aber eben jene Serien, die – zusammen mit einem Anstieg bei Fahrrad- und Kfz-Delikten – zu einem leichten Anstieg der Straftaten um rund 500 Fälle gegenüber dem Vorjahr führten. Insgesamt registrierten die Beamten 10 864 Straftaten im Kreisgebiet. 5258 Täter wurden ermittelt – etwa 300 mehr als im Vorjahr. Bei den tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen gab es dagegen keine Steigerung, was die Polizei auch mit ihrer Präventionsarbeit begründet.
Als herausragende Erfolge bezeichnet sie die Ermittlung von drei Personen aus dem Bereich Sittensen, die 23 Raubüberfälle im Landkreis und den angrenzenden Bereichen begangen hatten. Insgesamt lag die Aufklärungsquote bei Raubdelikten sogar bei gut 70 Prozent, betont Kriminaloberrätin Petra Guderian, die den Zentralen Kriminaldienst leitet. Im Bereich Bremervörde ging den Beamten eine Jugendgruppe ins Netz, die zahlreiche Einbrüche in Supermärkte und andere Geschäfte begangen hat. In Rotenburg waren es ebenfalls mehrere junge Leute, die für diverse Einbrüche und andere Straftaten verantwortlich gemacht werden. Ruhiger geworden sei es um zwei Jungen in Scheeßel, die immer wieder wegen Sachbeschädigungen aufgefallen waren. Bei diesen Kindern trage das Bemühen von Eltern und Behörden sowie die intensive Betreuung durch das Kommissariat für Jugenddelikte Früchte.
Auffallend war 2011 die hohe Zahl an Buntmetall- und Kraftstoff-Diebstählen. Doch auch hier zeichnen sich Erfolge ab. So werde gezielt gegen Personen ermittelt, die für eine Reihe von Diebstählen infrage kommen.
Dass die Zahl der Straftaten im Landkreis insgesamt gestiegen ist, hängt nicht zuletzt mit zwei Delikten zusammen: Dem Diebstahl von Fahrrädern (plus 143 Fälle) sowie aus Kraftfahrzeugen (plus 136 Fälle). Auf der anderen Seite wurden gut 200 Fahrraddiebstähle aufgeklärt – so viel wie nie zuvor. Mehr als jeder vierte Fahrraddieb wurde gefasst. Für diese Deliktart eine vergleichsweise hohe Quote und laut Polizei auch ein Erfolg der Arbeitsgemeinschaft „Sattel“ sowie der Internet-Registrierung (www.speichenkommissar.de). 2500 Bürger haben ihren Drahtesel dort inzwischen registriert und erleichtern so der Polizei die Zuordnung von Zweirädern bei Kontrollen.
Schwierig aufzuklären sind nach wie vor Taschendiebstähle und Diebstähle aus Zelten auf dem alljährlichen Hurricane-Festival in Scheeßel. Hier setzen die Ordnungshüter auf Präsenz und Aufklärung der Festivalbesucher über Handzettel, Plakate, das Internet und das Festivalradio.
Mit zirka 1250 Delikten blieb die Zahl der Körperverletzungen im Vergleich zum Vorjahr konstant auf hohem Niveau. Allerdings kamen die Täter nur selten davon. 94 Prozent dieser Straftaten wurden aufgeklärt. Oft ist bei Gewalttaten Alkohol im Spiel, zieht eine Strafanzeige sofort eine Gegenanzeige nach sich. Viele Auseinandersetzungen finden auf Feten oder im Umfeld einer Disco statt. An rund einem Drittel der Gewalttaten sind Jugendliche beteiligt, so die Polizei.
Einen leichten Rückgang gab es bei Betrugsdelikten. Höhere Sicherheitsmerkmale bei Scheck- und Kreditkarten machten es den Tätern immer schwerer. Jedoch nahmen Betrügereien im Internet zu. Und es gab mehr Tankbetrügereien. 82 zusätzliche Fälle wurden 2011 aufgenommen, so dass die Polizei jetzt fast 260 solcher Straftaten bearbeitet. Zu 88 Prozent mit Erfolg.
In ihrem Bericht kündigt die Polizeiinspektion Rotenburg an, weiterhin Schwerpunkte in der Präventionsarbeit setzen zu wollen. Zum Beispiel über Projekte wie „Alkohol-freiwillig ohne“ oder „HaLT“, über die Jugendliche für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sensibilisiert werden sollen. Auch das Gewaltpräventions-Programm „Wir sind stark“ für Schüler der sechsten und siebten Klassen wird unterstützt. „Rotenburg ist ein Landkreis mit einer niedrigen Straftatenhäufigkeit und vielen Präventionsangeboten“, ist Kripochefin Petra Guderian überzeugt. Es gebe weder besondere Brennpunkte noch jugendliche Straftäter, die aufgrund ihrer Auffälligkeit in das Intensivtäter-Programm aufgenommen werden mussten. (ZZ/oer)
