
Lange war die von Werner Borgsen und Dr. Klaus Volland verfasste Monographie vergriffen. Ab sofort ist sie in 4. Auflage wieder erhältlich – ergänzt und aktualisiert.
Fast 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buches stellten die Autoren gestern die um 22 Seiten erweiterte Neufassung vor. Diese berücksichtigt nicht nur die Vor- und Nachgeschichte des Lagers, sondern auch den aktuellen Forschungsstand.
Zur Sprache kommt etwa die Nachnutzung als britisches Internierungslager für ehemalige SS-Angehörige, als Strafgefängnis sowie später als Durchgangslager für Flüchtlinge aus der DDR in den 1950er Jahren.
Die vorübergehende Übernahme des Geländes durch die Bundeswehr ab 1963 und das 1974 eingeweihte „Gewerbegebiet Immenhain“ sind neue inhaltliche Bestandteile des Buches – wie auch der Umgang mit der Geschichte des Ortes. „Mit der Privatisierung des gesamten Komplexes und der Umwidmung zum ,Gewerbegebiet Immenhain‘ wurden 1974 die Bemühungen unübersehbar, den historischen Charakter des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers endgültig dem Vergessen preiszugeben“, heißt es da. In weiteren Kapiteln beschreiben die Autoren die schwierige Entwicklung der Dokumentations- und Gedenkstätte, aber auch die „nach einer vehementen Intervention des Hamburger Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas“ eskalierte Diskussion und den Durchbruch im Jahre 2004, als sich die einstigen Konfliktparteien nach der Schlichtung durch zwei Mediatoren auf die Gründung der Stiftung Lager Sandbostel einigten. Ziel ist, die Erinnerung an unendliches Leid während des NS-Regimes wach zu halten, die historische Bausubstanz zu erhalten und eine Dokumentationsstätte auf dem Lagergelände einzurichten.
Viel ist seither geschehen – auch das beschreiben Dr. Klaus Volland und Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann in der von ihnen verfassten Ergänzung. So befasst sich das neue letzte Kapitel mit der Umgestaltung der Dokumentations- und Gedenkstätte, die inzwischen mit Millionenaufwand gefördert wird. Eine „vollständige Neuerarbeitung zweier Dauerausstellungen zur Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB Sandbostel und zur bisher kaum berücksichtigten komplexen und vielschichtigen Nachgeschichte des Lagers“ ist geplant, heißt es in dem Buch.
Bis 2013 sollen die Ausstellungen entstehen – wissenschaftlich fundiert und nach nationalem Standard. Drei neue Mitarbeiter werden sich mit darum kümmern – Historiker, von denen zwei gestern bei der Präsentation des Buches anwesend waren: Dr. Jens Binner, der zuletzt an der Gedenkstätte Buchenwald angestellt war, und Dörthe Engels, die Islamwissenschaft, Judaistik sowie Neue Geschichte studiert hat und eine besondere Beziehung zu Sandbostel hat – es ist die Geburtsstätte ihrer Mutter.
Dr. Klaus Volland hofft, dass bis 2013 ein Ausstellungskatalog erstellt werden kann, der der „Zwischenlösung“ der aktualisierten und ergänzten 4. Auflage des Buches nachfolgt. „Es gibt noch viel zu forschen und zu tun“, so Volland. Denn die verschiedensten Quellen sprudeln weiter. Das freut auch Werner Borgsen: „Viele Mosaiksteinchen komplettieren das Bild.“
