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Kein Patentrezept für Ertragsabsicherung

Selsingen. Der gezielte Pflanzenschutz in Wintergetreide soll den Ertrag für Landwirte absichern helfen. Doch das Wetter ist und bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Das wurde bei der jüngsten Pflanzenschutz-Fachtagung der Landwirtschaftskammer in Selsingen deutlich. Heinrich Steinhoff von der Bezirksstelle Bremervörde informierte ausführlich über entsprechende Maßnahmen.

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H. Steinhoff

Im vergangenen Jahr sei auf rund 25 Prozent der hiesigen Ackerflächen Getreide angebaut worden. Aktuell werde es „wieder etwas mehr“, was offenbar der Strohknappheit geschuldet sei.

Die vergangene Vegetationsperiode sei ein Extremjahr in Bezug auf die Witterung gewesen, so erinnerte der Redner an die ausgeprägte Frühjahrstrockenheit und die stärkeren Niederschläge ab Juli, die für die Ertragsbildung indes zu spät gekommen seien.

Heinrich Steinhoff erwähnte ferner die größtenteils im Herbst erfolgende Ungras- und Unkrautbekämpfung, wobei in den vergangenen Jahren vor allem im Roggen vermehrt Herbizidschäden aufgetreten seien. Über Ursachen wie flache Saatgutablage oder stärkere Niederschläge nach der Behandlung informierte der Experte ebenso wie über die Unkrautbekämpfung bei verspäteter Aussaat im Frühjahr.

Hier seien Resistenzen, etwa beim Windhalm, aufgetreten. Daher appellierte Heinrich Steinhoff, auf die verminderte Wirkung von Wirkstoffgruppen zu achten.

Ein weiteres Thema: Vor allem bei feuchter und warmer Witterung könnten sich Pilze in Getreide ausbreiten. Unter den trockenen Bedingungen des Vorjahres sei der Befall gering geblieben. Neben dem Anbau von resistenten Sorten seien Fungizide hilfreich, um Ertragseinbrüche durch Pilzkrankheiten zu vermeiden. Daher sei es 2011 richtig gewesen, den Fungizideinsatz herunterzufahren. Das aber könne 2012 wieder ganz anders aussehen – je nach Witterungseinfluss. Heinrich Steinhoff stellte neue Fungizide vor und gab den Landwirten Empfehlungen an die Hand, wie sie diese in ihre Bekämpfungsstrategien einbauen könnten.

Den Pflanzenschutz in Energiemaisfruchtfolgen thematisierte Paul Steingröver von der Landwirtschaftskammer. In engen Maisfruchtfolgen habe sich die Unkrautzusammensetzung verändert, schwerer bekämpfbare Unkräuter hätten zugenommen. „Unterschätzt nicht die Nachverunkrautung“, appellierte er.

Die Unkrautbekämpfung erfolge bei immer früheren Aussaaten vermehrt in Spritzfolgen und mit Herbizidkombinationen, die sich aus boden- und blattwirksamen Komponenten zusammensetzen.

Die Spritztermine orientierten sich an den Entwicklungsstadien der Unkräuter und den Witterungsverhältnissen. Nach Aussagen Steingrövers versprechen frühe Spritzungen in kleine Entwicklungsstadien die höchsten Wirkungsgrade. Erfolge die Unkrautbekämpfung zu spät, reagiere der Mais mit Ertragseinbußen: „Das ist richtig Geld, das wir aufs Spiel setzen.“

Kurz ging der Redner auf Grasuntersaaten ein, die eine Begrünung des Maisackers über den Winter gewährleisteten. Allerdings gelte es bei der Unkrautbekämpfung, den Anteil bodenwirksamer Herbizide zurückzufahren, um das Wachstum der Gräser nicht zu gefährden.

Paul Steingröver ging zudem auf den Anbau von Zuckerrüben als Alternative für Biogasanlagenbetreiber ein. „Wer Stress haben will, muss sich mit Energierüben auseinandersetzen“, sagte der Redner schmunzelnd. Das Problem beginne bei der Ernte, da die Zuckerrübe im Gegensatz zum Mais höhere Anforderungen an die Produktionstechnik stelle. Die Zuckerrübe könne langfristig nur erfolgreich in Fruchtfolgen (Getreide/Rübe/Mais) angebaut werden, da bei zu engem Anbau die Gefahr von Krankheiten wie der Rübenfäule bestehe. Was die Wirtschaftlichkeit der Fruchtfolge betrifft, müssten die Landwirte Anbauerfahrungen sammeln. (lh)


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Interessierte Zuhörer sind den Vortragenden in Selsingen sicher. Fotos: lh
Artikel vom 02.02.12 - 12:00 Uhr
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