
Ein Dorn im Auge sind den Organisatoren nach wie vor der Neubau eines privaten Wohnhauses auf dem ehemaligen Lagergelände, ein bei einer benachbarten Firma alljährlich stattfindendes „Frühlingsfest“ sowie Hundegebell auf dem „Tiergnadenhof“.
In der vom ehemaligen Vorsitzenden des Vereins Pro-Europa, Kurt Ringen, weitergeleiteten Einladung heißt es zwar, dass „das bisher im Sinne der Lageropfer erreichte ausdrücklich anerkannt und einbezogen“ werde. Dessen ungeachtet wird als Ziel des runden Tisches genannt: „Den unter unmenschlichen Verhältnissen gequälten und ermordeten Menschen eine Stimme zu geben – dabei ihnen ein gerechtes Vermächtnis zu schaffen, welches frei von lokalen Machtinteressen zu verwirklichen ist.“ Der runde Tisch in Mintenburg steht unter dem Motto „Mehr Würde für Sandbostel“ und soll mit einem Grußwort und Appell des ehemaligen Lagerinsassen Bernard Le Godais aus Frankreich beginnen. Auch der 93-Jährige stört sich an Wohnhaus, Hundegebell & Co. So hat er in einem kürzlich verfassten Schreiben unter anderem das Folgende gesagt: „Wie lange wollen wir es noch ertragen, dass in jedem Frühjahr eine Betriebskirmes mit Weinverkostung und Kinderbelustigung dort stattfindet, wo meine Kameraden und Freunde starben? Wollt ihr euch nicht gegen diesen Frevel empören?“
Nach einer Vorstellung der Teilnehmer wird der Holocaust-Überlebende Ivar Buterfas aus Bendestorf eine „Einführung in die Thematik“ liefern. Der nicht eben unprovokante Titel: „Die Entwürdigung des Ortes hat Tradition und System – was können wir als Bürger tun?“ Im Anschluss soll es einen Sachstandsbericht von Landtagsmitglied Dr. Manfred Sohn (Die Linke) zu einer Kleinen Anfrage an den Landtag in Sachen Sandbostel geben. Ein Referat mit dem Titel „Welche kommunalpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten gibt es zur Herstellung eines würdigen Ortes Lager Sandbostel?“, hält nachfolgend der Kreistagsabgeordnete Detlef Steppat (WFB).
Im Anschluss an den „offiziellen“ Teil wollen sich die Teilnehmer des runden Tisches mit der Definition gemeinsamer Ziele, der Regelung von Verfahrensfragen sowie der Festlegung inhaltlicher Arbeit und Schwerpunkte befassen. Das Schlusswort soll laut Einladung „ein Verfolgter des Nazi-Regimes“ halten. (bz/alg)
