„LeFla vor!“ – an die Zeit vor dem 1. Oktober 2006 erinnert dieser Ruf, mit dem die Soldaten der Luftlande-Flugabwehr-Raketen-Batterie 100 ihren Kameraden zu Beförderungen gratulieren, ausgezeichnete Kameraden ehren oder sie in den Auslandseinsatz, wie nach Afghanistan oder ins Kosovo verabschieden.
1996 als Leichte Flugabwehrraketenbatterie 100 der Flugabwehrbrigade 100 aufgestellt, wurde die Batterie zum 1. Oktober 2006 der Division Spezielle Operationen (DSO) unterstellt. Seit dem 1. Juli 2007 hat sie ihren Platz an der Seite ihrer Kameraden der Fallschirmjägertruppe in Seedorf eingenommen, zu deren Schutz sie eingesetzt wird.
Damit steht dieser Division nun im Rahmen der Kampfunterstützungskräfte eine eigene Flugabwehrkomponente in allen Einsatzoptionen zur Verfügung, wobei sich der Schutzauftrag nicht nur auf die Seedorfer Kameraden beschränkt. Auch die Fallschirmjägerverbände der Luftlandebrigade 26, die im Saarland stationiert sind, gehören zum Verantwortungsbereich der Batterie.
Die Luftlande-Flugabwehr-Raketen-Batterie 100 ist eine selbstständige Einheit mit rund 250 Soldaten, die sich auf drei Züge, Batterieführung, Instandsetzung und Versorgungsteile verteilen und derzeit von Major Marco Körting geführt wird.
Gemäß den Vorschriften hat die Batterie den Auftrag, Kampftruppen, insbesondere leichte Infanteriekräfte gegen Angriffe von Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern in Flughöhen bis zu 3500 m und Entfernungen bis zu 5000 m zu schützen. Sie kann außerdem mit Flugzeugen und Hubschraubern verlegt werden und ist zum Fallschirmsprungeinsatz geeignet.
Dazu stehen der Batterie drei Züge mit je 5 Waffenträgern vom Typ Ozelot als Hauptwaffensystem zur Verfügung, deren Hauptbewaffnung die Fliegerfaust 2 West- Stinger ist. Jeder Zug besitzt eine eigene Aufklärungskomponente in Form des Aufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeuges (AFF) auf der Basis des Trägerfahrzeuges Wiesel 2, um Flugziele in Entfernungen bis zu 20 km Entfernung aufzuklären und per Datenfunkübertragung an die Waffenträger zu übermitteln.
Die somit ohne aktive Sensoren operierenden Waffenträger sind äußerst schwierig zu entdecken und verfügen selbst über zusätzliche passive Sensoren auf der Basis von Infrarot- und optischer Aufklärung, also Sichtaufklärung.
Als kleinste taktische Führungseinheit kann der Zug entweder mit den geschützten Waffenträgern oder im abgesessenen Einsatz zu Fuß mit der Fliegerfaust als Schulterwaffe für alle Einsatzoptionen, insbesondere im Rahmen hochmobiler und dynamischer Operationsführung, eingesetzt werden.
Die Batterie bedient sich zur Führung ihrer Soldaten verschiedenster hochmoderner Führungsmittel, wie beispielsweise des für die Heeresflugabwehrtruppe geschaffenen Systems HFlaAFüSys (Heeresflugabwehraufklärungs- und Gefechtsführungssystem), das mit zusätzlichen Komponenten versehen wurde. So ist die Batterie auf ihrer Führungsebene mit dem Transportpanzer vom Typ Fuchs Flugabwehrführung für die Durchführung der Luftraumordnung, also für die Regelung des Flugverkehrs, sowie mit dem Batterieführungs- und Unterstützungsfahrzeug auf der Basis des Wiesel 2 zur Stellung des Batteriegefechtstandes und der Unterstützungszelle auf Divisions- oder Brigadeebene ausgerüstet.
Das besondere Arbeitsfeld der Fallschirmjägertruppe und der übrigen Soldaten der Division Spezielle Operationen erfordert zwingend auch von den Soldaten der Flugabwehr eine Anpassung an die vorherrschenden Verhältnisse. Ein überdurchschnittlich hohes Maß an physischer und psychischer Belastbarkeit sollte genauso selbstverständlich sein wie die Absolvierung der Fallschirmsprungausbildung. Daneben müssen die Soldaten der Batterie in hohem Maße technisch interessiert und geistig beweglich sein, da sie bereits während ihrer Ausbildung mit einer Vielzahl an Kommunikations- und Führungsmitteln in Berührung gebracht werden.
Die Unteroffiziere und Offiziere der Batterie müssen wissen, wie die Fallschirmjäger im Einsatz agieren, sonst können sie sie nicht schützen. Daher brauchen die Unteroffiziere und Offiziere ein hohes Maß an Lernbereitschaft und Flexibilität.
Die fachspezifische Ausbildung der Flugabwehrsoldaten erfolgt am Standort oder auf Lehrgängen wie an der Flugabwehrschule des Heeres – auf dem Flugabwehrschießplatz Todendorf an der Ostseeküste. Dort finden neben der Ausbildung der Feldwebel, der Zugführer und der Richt- und Schießausbildung der Fliegerfaustkanoniere auch alle Flieger- und Flugabwehrschießen mit der Rakete im scharfen Schuss statt.
Weitere Ausbildungsorte sind beispielsweise die Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt (Bayern) sowie das Ausbildungszentrum für spezielle Operationen in Pfullendorf (Baden-Würtemberg). Die räumliche Verteilung der Ausbildungsorte, die Teilnahme an einer Vielzahl von Übungen und nicht zuletzt die Auslandseinsätze im erweiterten Aufgabenspektrum der Streitkräfte stellen hohe Anforderungen an die Mobilität der Soldaten.
Aufgestellt wurde die Batterie 1996 als leichte Flugabwehr-Raketen-Batterie 100 in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen). Damals schon ausgestattet mit der Fliegerfaust Stinger ohne eigene Aufklärungskomponenten, war die Batterie für den abgesessenen Einsatz und für den Sprungeinsatz vorgesehen. Im März 1999 waren Teile der Batterie am NATO-Einsatz im Kosovo beteiligt.
Mit dem im Zuge der Umstrukturierung der Bundeswehr bedingten Umzug der Batterie in den westfälischen Standort Borken im Jahr 2001 wurde auch das neue Hauptwaffensystem Ozelot mit den dazugehörigen Aufklärungs- und Führungskomponenten eingeführt. Mit dem zehnjährigen Jahrestag der Batterie erfolgte schließlich der Unterstellungswechsel zur Division Spezielle Operationen.
In den nächsten zwei Jahren wird die Batterie mit dem Transportfahrzeug vom Typ Mungo ausgerüstet, das den in die Jahre gekommenen Lkw 2to ersetzt. Außerdem wird auch die Anbindung an ein neues Führungssystem mit verschiedenen Hardware und Softwarekomponenten, dem Führungs- und Informationssystem des Heeres möglichst schnell realisiert. Der DSO steht damit die modernste und bestens ausgerüstete Flugabwehrkomponente des Heeres zur Verfügung.
