
„Je ursprünglicher der Mensch lebte, um so sakraler, gläubiger war er“, sagte Anita Brunkhorst (Foto). Seit die Sumerer vor rund 3000 Jahren die ersten Drehzapfentüren erfanden, stellten Türen eine besondere Art des Überganges dar. Davon zeugten heute noch Rituale, etwa das Tragen der Braut über die Türschwelle in das zukünftige gemeinsame Heim. „So sollte der neue Lebensabschnitt symbolisiert und die Geister der Ahnen getäuscht werden, die unter der Türschwelle lebten“, so die Gästeführerin.
Die Brauttüren im Alten Land etwa wurden nur dreimal im Leben benutzt. „Einmal, wenn die Braut ins Haus kam, einmal bei ihrem Auszug, mit den Füßen voraus, und gegebenenfalls bei einem Unglück wie Feuer“, berichtete Anita Brunkhorst. Bei jeder Tür, die durchschritten werde, käme der Mensch in eine Erwartungshaltung: „Werde ich willkommen geheißen, was erwartet mich dort?“ Auch erfuhren die Zuhörer einiges über verschiedenen Mode-Epochen, die an den Haustüren nicht halt machten. So habe jede Epoche den Türen ihren Stempel aufgedrückt. Schon früh war die Tür ein Gestaltungselement mit großer Handwerkskunst. Eine Visitenkarte des Hauses, welches einiges über seine Bewohner zu erzählen habe. Alte Türen würden ganze Geschichten erzählen. „Die modernen Türen mit ihren Sicherheitsansprüchen machen vielen alten Türen den Garaus“, bedauerte Anita Brunkhorst.
Mit begleitenden Bildern von alten Türen und Türsprüchen aus vielen Epochen untermalte die Gästeführerin ihren Vortrag und machte Lust auf mehr. Bei einem nachfolgenden Rundgang durch die Betriebsräume der Tischlerei Brunkhorst warfen die Gäste einen Blick in die heutigen Fertigungsmöglichkeiten von modernen, stilsicheren Holztüren. Fragen beantwortete Firmenchef Andreas Brunkhorst mit dem Fazit: „Und jede Tür hat doch eine Seele!“. (bz/tab)
