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Viele Tränen und ein Trommler

Selsingen. In der Trauer um die drei nahe Kunduz getöteten Fallschirmjäger des in Seedorf stationierten Bataillons 373 vereint, fanden sich am frühen Freitagnachmittag rund 1200 Soldaten und 300 Zivilisten hinter der St.-Lamberti-Kirche ein, um den Trauergottesdienst auf einer Großbildleinwand zu verfolgen.

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Rund 1200 Soldaten verfolgten die Trauerfeier auf der Leinwand.

Während am Ortseingang Selsingens von der Polizei abgeschirmt eine Handvoll Friedensaktivisten mit einem großflächigen Transparent den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan forderte, galt die Aufmerksamkeit der Fernsehteams vor Beginn der Trauerzeremonie den Selsingern, die vor der Volksbank in kleinen Gruppen standen und sich bei Bäcker Böckmann an der Biertischgarnitur niederließen, um den endlos erscheinenden Aufmarsch der Seedorfer Soldaten zu verfolgen.

Als die Kanzlerkarawane Richtung Gemeindehaus rollte, strebte die Politprominenz aus dem Landkreis zu Fuß der Kirche entgegen. Kurz darauf begannen Feldjäger und Polizisten damit, den Vorplatz der Kirche zu räumen und all diejenigen, die keinen Einlass in das Gotteshaus gefunden hatten, auf dem Parkplatz jenseits des Gebäudes zu versammeln. Dort, vor der Großbildleinwand, ergoss sich ein Meer aus lila farbenen Baretts – umgeben von einem dünnen Streifen gedeckter Farben, denn die meisten zivilen Trauergäste hatten sich dem Anlass entsprechend in dunkle Kleidung gehüllt.

Während Angela Merkel im Gemeindehaus den Hinterbliebenen der drei getöteten Soldaten ihr Beileid bekundete, verschwand die Sonne, und Wolken zogen über Selsingen auf. Vor der Leinwand fanden sich indes die letzten Gäste ein – darunter ehemalige Soldaten in Uniform und auch niederländische Fallschirmjäger. Die auf engstem Raum stehende Menschenmenge hielt Ruhe. Gespräche fanden im Flüsterton statt.

Sie erstarben gänzlich, als um Punkt 14 Uhr das Totengeläut erklang und auf der Leinwand die Bilder der drei von der Totenwache flankierten Särge erschienen.

Nach einer viertel Stunde, die Trauergemeinde hatte soeben das Orgelvorspiel, die Begrüßungsworte des Monsignore Hartmut Gremler und das Votum gehört, kam es zum Einsatz zweier Sanitäter. Sie nahmen sich eines Gefreiten an, dessen Kreislauf aus dem Takt geraten war.

Beim anschließenden Gebet, das der Militärdekan vortrug, rollten erste Tränen. Während auf dem Bäumen ringsum die Vögel unverdrossen zwitscherten, saugten die Zuhörer vom Rekruten bis zum Obersten die Worte des evangelischen Militärdekans Armin Wenzel auf. Er sprach zu den Trauernden von Leid und Tod, Glauben, Hoffen und davon, dass das Leben Sieger bleibe. Das aus der Feldsteinkirche übertragene Vaterunser fand draußen seinen Widerhall.

Mit ungeteilter Aufmerksamkeit und in andächtiger Stille verharrend ließ die Trauergemeinde die nach dem Ende des kirchlichen Teils der Zeremonie gehaltenen Ansprachen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Bundeskanzlerin und des Zevener Bürgermeisters Hans-Joachim Jaap auf sich wirken. Sowohl die einfühlsamen Worte des Freiherrn zu Guttenberg als auch die eher politischen Aussagen Merkels als auch die persönlichen Einlassungen Jaaps, der an den Abschiedsappell des Bataillons vor rund zwei Monaten erinnerte, nahmen die Soldaten mit starren Mienen auf.

Als die Nationalhymne erklang, stand der Platz stramm, denn auch die Zivilisten rührten sich nicht vom Fleck, obgleich damit das Ende der Trauerfeier erreicht war. Viele Selsinger wandten sich alsdann von der Leinwand ab und der Kirche zu, denn aus dem Gotteshaus wurden nunmehr die Kränze und Särge getragen. Der Trauerkondukt wurde von einem Trommler begleitet. Die Soldaten hoben die Hand zum Gruß, was etliche Zivilisten nicht davon abhielt, den Versuch zu unternehmen, sich näher an das Geschehen heranzupirschen. Feldjäger geboten dem Einhalt und ernteten dafür im Gegenzug wenig Verständnis.

Dem Abtransport der Särge folgte die Abfahrt der Prominenz. Über der Menschenmenge stieg Zigarettenrauch auf und die Sonne trat wieder zwischen den Wolken hervor – ohne jedoch Wärme zu spenden. (tk)

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Angehörige des Wachbataillons trugen die Särge aus der Kirche.
Artikel vom 10.04.10 - 06:00 Uhr
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