„Eigentlich ist es schade, denn um den Menschen Christian Wulff tut es mir leid. Aber er hat schlicht die Spielregeln nicht eingehalten, dass man nichts annehmen darf. Und wer Bestechlichkeit und Korruption bekämpfen will muss selber Vorbild sein. Wäre er von Anfang an ehrlich gewesen, hätte sich entschuldigt, wäre es nicht so schwierig geworden“, meint Lothar Jürs.
Ein anderer Sittenser Bürger, der seinen Namen nicht genannt haben möchte, ist „von Christian Wulff zutiefst enttäuscht, weil ich von ihm als Menschen viel gehalten habe“. Inzwischen sei das Amt des Bundespräsidenten massiv beschädigt, weil sich nach und nach so viel offenbart habe, dass der Rücktritt nur noch „überfällig“ sei. Angesichts der monatelang schwelenden Debatte hält auch Ines Kutscherra den Rücktritt für „konsequent.“ Das Hinhalten und Hinauszögern habe die Situation erst richtig schlimm gemacht. „Er hätte von Anfang an offen mit den Vorwürfen umgehen sollen, nun ist das Vertrauen abhanden gekommen“, so Kutscherra. Für „überfällig“ hält auch Sabine Wolfgardt den Rücktritt. Das Hin und Her sei nicht richtig gewesen, „obwohl ich nicht weiß, inwieweit er wirklich in diese Machenschaften verwickelt ist“. Karin Fedtke bedauert zwar „sehr“ den Rückritt, doch die derzeitige Situation mit den ungeklärten Verdachtsmomenten sei nicht gut für das Land und habe auch keine gute Außenwirkung. „Es bedrückt mich, dass überhaupt so etwas entstehen konnte. Ich hätte dem Menschen Christian Wulff keineswegs zugetraut, dass solche Vorwürfe um seine Person entstehen können. Darüber bin ich sehr enttäuscht, aber den Menschen hinter der Fassade kennt man oft nicht. Am Anfang habe ich noch gedacht, dass man einfach nur kräftig suchen muss, um jemanden etwas unterzuschieben und die Zeitungen nur ihre Auflagen erhöhen wollen. Doch jetzt ist der Rücktritt einfach nur noch richtig.“
Jörg Burfeind meint, dass sich Christian Wulff „ein bisschen zu viel erlaubt“ habe. „Er hätte eine Selbstanzeige machen sollen, dann wäre schon eher herausgekommen, ob er unschuldig ist.“ Als „logische Konsequenz“ bezeichnet auch Wilhelm Oerding den Schritt des Bundespräsidenten. „Er konnte jetzt einfach nicht mehr anders, obwohl es nach wie vor vorwiegend um Mutmaßungen und Hypothesen geht. Nun wird sich herausstellen, ob alle Vorwürfe berechtigt sind“. (hm)
