Trotz Schmuddelwetters hatten sich knapp 70 Personen eingefunden, um unter der Leitung der Gästeführer Erika Jaschinski, Hartmut Vollmer und Elisabeth Wedde-Schwanholt der St. Dionysius-Kirche, dem Handwerkermuseum, dem Rathaus und schlussendlich dem Heimathaus einen Besuch abzustatten. Das Motto lautete: „Durch Tür und Tor in Sittensen“. Besonders freuten sich die Gästeführer, dass die Familie Gohde der Gruppe einen Einblick in ihr geschichtsträchtiges Wohnhaus in der Mühlenstraße gewährte.
Grund: Dort nahm vor 350 Jahren die Müllerdynastie Bellmann-Gohde mit der angrenzenden Wassermühle ihren Anfang. 1899 wurde das im Gründerzeit-Stil errichtete Haus von Wilhelm Friedrich Gohde, dem Großvater des jetzigen Besitzers, Wilhelm Gohde, gebaut. „Mein Vater und ich haben uns erbschaftsbedingt verpflichtet, das Haus zu erhalten und zu pflegen. So ist unsere Eingangstür 112 Jahre alt – zwar nicht besonders gut isoliert, aber ein echter Hingucker“, erzählte Wilhelm Gohde.
Er wies auch auf das Müller-Wappen hin, das die imposante Tür im oberen Bereich ziert. 28 bewohnbare Zimmer gibt es, „aber durch die Gemächer wollen wir nicht wandeln“, merkte Gohde augenzwinkernd an, „wir gehen einmal über die Flure, vorbei an 200 Jahre alte Schränke, auf die Terrasse“. Die Gästeschar erfuhr weiterhin, dass Friedrich Wilhelm Gohde 1908 einen Sägeschuppen gebaut hat, in dem jetzt das Handwerkermuseum ansässig ist. Müller Gohde war auch der Erste in der Börde Sittensen, der elektrisches Licht verwenden konnte, nachdem er 1909 die beiden Wasserräder durch eine Wasserturbine ersetzte und später ein Elektrizitätswerk eingebaut hatte.
1985 kaufte die Gemeinde Sittensen die Mühle und baute sie teilweise zu einem Museum aus. Die nächste Generation wächst in dem Gohde-Haus auch schon heran: Jakob und Hannes, Enkel von Wilhelm und Inge Gohde.
