Müller Horst Kiesewetter oblag es, die Schotten zu ziehen und damit den ersten Lauf zu starten – angetrieben von der Wasserkraft der Oste. Beifall brandete auf, als sich das rund zwei Tonnen schwere und aus 44 Schaufeln bestehende Eichenholzrad prompt in Bewegung setzte.
Da die Oste jedoch gerade Niedrigstand führt, setzten die Drehbewegungen immer mal wieder aus. Machte nichts, denn alle Beteiligten waren einfach nur froh, dass die Wassermühle nun endlich wieder komplett ist. Bürgermeister Heinz-Hermann Evers brachte als erster Redner seine Freude darüber zum Ausdruck. Dass sich die Entscheidung über die Erneuerung des Rades so lange hingezogen hatte, bezeichnete er rückblickend gesehen als „ganz gut so“, denn so habe sich ein Fördertopf bei der GLL (Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften) Verden aufgetan, der einen Zuschuss von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten (rund 22 000 Euro) mit EU-Mitteln in Höhe von rund 11 000 Euro zur Förderung des ländlichen Kulturerbes gewährte.
„Große Freude kommt jetzt sicher auch bei den Mitarbeitern des Touristikbüros auf, die immer wieder erklären mussten, warum das Wasserrad nicht funktioniert hat“, meinte der Bürgermeister. Für die Wartung und Pflege der „Königswelle“ am Wasserrad ist künftig Hans-Joachim Ilmers zuständig. Gemeindedirektor Stefan Tiemann überraschte die Besucher mit seiner Ankündigung, dass er den Gemeinderat im Zuge der neuen Festsetzung der Überschwemmungsgrenzen vorschlagen will, das Stauwehr bei der Wassermühle abzuschaffen, um eine „ökologische Durchlässigkeit“ der Oste zu gewährleisten.
„Wir haben uns im Jahr der Oste 2009 extrem viel mit diesem Fluss beschäftigt. Der Verlauf der Oste weist vier unnatürliche Hindernisse auf. Durch bauliche Maßnahmen können wir ein natürliches Gefälle schaffen und dafür sogar eine 70- bis 90-prozentige Förderung erhalten. Durch das Vorhaben können wir gleichzeitig auch die Hochwasserproblematik in den Griff kriegen“, sagte Tiemann. Sein ehrgeiziges Ziel: Planungsbeginn 2010, Umsetzung 2011. Wilhelm Gohde, Vorsitzender des Heimatvereins der Börde Sittensen, zeigte sich ebenso „glücklich“, dass der nostalgische Charakter der Wassermühle mit dem neuen Wasserrad erhalten bleibe. Er ging auf deren Geschichte ein, nach der 1902 das unterschlächtige Wasserrad durch Turbinen ersetzt wurde, die bis zur Einstellung des Mühlenbetriebes Ende der 80er Jahre liefen.

Das Wasserrad an der Sittenser Mühle war seit 2006 defekt und stand still. Nun wurde ein rund zwei Tonnen schweres und aus 44 Schaufeln bestehendes Eichenholzrad angeschafft.
