Am morgigen Donnerstag, 2. Februar, kommt das Thema im Planungs- und Bauausschuss der Gemeinde Sittensen zur Sprache. Laut Tagesordnung könnte eine Beschlussempfehlung zum Umbau des Ostewehrs gefasst werden. Ob es soweit kommt, ist fraglich, denn in den Fraktionen gibt es noch Bedenken. Nicht die Umgestaltung selbst betreffend, vielmehr greift die Furcht vor möglichen Folgekosten um sich.
Im Raum steht die Frage, ob im Zuge der Baumaßnahme auch die Teich und Oste trennende Spundwand sowie das Ufermauerwerk zum Parkplatz hin erneuert werden müssen.
Noch ist unklar, ob die EU auch solche baulichen Veränderungen bezuschusst. Falls nicht, müsste die Gemeinde selbst in die Tasche greifen und aus dem für die Kommune vermeintlich günstigen Vorhaben könnte schnell ein Euro fressendes Missvergnügen werden. Folglich erhoffen sich die Kommunalpolitiker erhellende Informationen vom zuständigen Planer. Dieser wird am Donnerstagabend zugegen sein und versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.
Bürgermeister Heinz-Hermann Evers zufolge hat sich die GfS-Mehrheitsfraktion bislang noch nicht auf eine einheitliche Linie einigen können. Es gebe Mitglieder, die dem Vorhaben weiterhin skeptisch gegenüber stünden. Er persönlich werde aber für die Umgestaltung des Mühlenwehrs plädieren. „Zuschüsse in dieser Höhe kriegen wir nie wieder“, so Evers. „Wenn wir die Sache angehen wollen, dann müssen wir es jetzt tun.“ Laut Bürgermeister muss auch deshalb noch in diesem Jahr gehandelt werden, weil sonst die Zuschüsse zu verfallen drohen.
Eine Prognose zum Ausgang der Debatte wagt Evers nicht: „Noch ist völlig offen wie die Sache ausgeht.“ Ähnlich wie sein GfS-Ratskollege will auch SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Huhn für das Vorhaben stimmen. „Ich bin dafür, das Mühlenwehr ökologisch umzugestalten und die Vorgaben der EU umsetzen. Außerdem sehe ich die Chance, dass wir in diesem Zuge das ganze Areal, das Sahnestück Sittensens, schöner gestalten können.“ Auch Huhn räumt ein, dass es in seiner Fraktion unterschiedliche Meinungen gibt.
Karlpeter Ahrens (WFB) ist, wie er sagt, noch „nach beiden Seiten hin offen“. Auch er könne sich durchaus mit einer Sohlgleite anfreunden. „Wenn das gemacht werden muss, dann muss es eben gemacht werden.“ Er werde sich jetzt den Planer anhören und sich danach eine Meinung bilden. Entscheidend seien die Folgekosten.
Sie sind es, die aller Voraussicht nach darüber bestimmen, ob das Wehr abgerissen und an seiner Stelle eine Sohlgleite gebaut wird. Die Entscheidung fällt nicht der Bauausschuss – dieser kann nur eine Empfehlung abgeben – sondern der Gemeinderat.
Diskutiert wird die Umgestaltung des Sittenser Mühlenwehrs schon seit Längerem. So wurden im Rahmen einer Diplomarbeit auch Alternativen zum Abriss wie der Bau von Umfluter und Fischpass unter Beibehaltung des Wehrs geprüft – aber verworfen, da die von der EU geforderte Durchlässigkeit des Flusses mittels Sohlgleite am besten zu realisieren sei.
Laut Volker Rebehn vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kommen Fische und Kleinlebewesen die Staustufe in Sittensen definitiv nicht hoch.
Vor einem Jahr wurde schon einmal ausführlich im Bauausschuss der Gemeinde über das Vorhaben gesprochen. Auch damals äußerten Gremiumsmitglieder Bedenken hinsichtlich Spundwand und Uferbefestigung. Ebenso wurden Befürchtungen laut, der Wasserspiegel im Mühlenteich könne nach dem Abriss des Wehrs sinken. Es blieb bei dieser Sitzung, in den politischen Gremien wurde das Thema anschließend nicht wieder aufgegriffen. Übrigens: Im Gegensatz zu den anderen Umgestaltungsmaßnahmen an der Oste, für die federführend der Unterhaltungsverband Obere Oste zuständig ist, liegt die Verantwortung für das Mühlenwehr bei der Gemeinde Sittensen. Sie hatte mit dem Kauf der Wassermühle einst auch das Staurecht übernommen.
