Der Stein soll an Flucht und Vertreibung erinnern und ein Symbol gegen Vergessen und für Versöhnung sein. Die feierliche Enthüllung findet am Sonnabend, 11. September, um 14 Uhr statt. Dazu sind alle Interessierten eingeladen.
Bereits vor über zwei Jahren entstand die Idee. Den Anstoß gaben Findlinge, die in der Feldmark Vaerloh-Heidenau lagerten. „Es reifte der Plan, einen Gedenkstein zu errichten, der irgendwie mit Flucht und Vertreibung zu tun haben sollte“, erzählt Heimatvereinsvorsitzender Wilhelm Gohde. Unter Federführung der Sparte Chronik und Schrifttum, die von Hartmut Vollmer geleitet wird, wurden viele Anregungen gesammelt, das ostpreußische Landesmuseum besucht, ein Flüchtlingsstein am Rande des Napoleonweges Steddorf-Ottendorf besichtigt und einschlägige Literatur gewälzt. „Lange, intensive Diskussionen entstanden, in denen auch gegensätzliche Auffassungen zur Sprache kamen“, erinnert sich Gohde. Vor etwa einem Jahr erfolgte die Einigung auf ein Konzept, in der konkreten Planungsphase für die Inschriften wurde indes nochmals kontrovers debattiert.
Im Frühjahr konnte schließlich ein rund 14 Tonnen schwerer Findling an seinem jetzigen Standort platziert werden. Ein Steinmetz wurde mit der Bearbeitung des Granit-Findlings beauftragt. Dieser soll nun an das Schicksal von mehr als 4000 Flüchtlingen und Vertriebenen erinnern, die in den Jahren 1944 bis 1949 auch in die Dörfer der Börde Sittensen kamen. „Es waren Menschen, die ihre angestammte Heimat, Haus und Hof, ihre Habe verloren und aus gewachsenen Sozialbeziehungen mit Verwandten, Nachbarn, Dorfgemeinschaften und Traditionen heraus gerissen wurden. Sie fanden nach langen Wochen oder gar Monaten, die geprägt waren von Entbehrungen, Angst und Schrecken, Hunger und körperlichen Strapazen, vorübergehend oder für immer eine neue Heimat in der Börde“, heißt es in dem Text, der auf einer Info-Tafel neben dem Stein zu lesen sein wird.
Eine stark vereinfachte Karte auf dem Findling stellt die Siedlungs- und Vertreibungsgebiete dieser Menschen dar, die infolge Flucht, Vertreibung oder Aussiedlung hier Aufnahme fanden.
In einem zusätzlich eingerichteten Zimmer mit dem Titel „Flucht und Vertreibung“ im Haus der Vereine und der Geschichte sind Karten der ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete einzusehen. Darüber hinaus liegen dort ein nicht ganz vollständiges namentliches Verzeichnis aller Personen aus, denen von 1944 bis 1949 eine vorläufige Unterkunft in den Börde-Dörfern zugewiesen wurde sowie Bücher, Bilder und weiteres Informationsmaterial. Und es sind Berichte von Zeitzeugen nachzulesen, die dramatische Bedingungen während Flucht oder Vertreibung schildern.
Beides, sowohl Gedenkstein als auch das „Fluchtzimmer“, sollen Monumente gegen Krieg und Gewalt und für Versöhnung und Erinnerung sein. Inzwischen hat die Zevener Volksbank dem Heimatverein bereits eine Zuwendung in Höhe von 1000 Euro für die Kosten des Gedenksteines zugesichert, heißt es aus dem Heimatverein. Nach der offiziellen Feierstunde am Gedenkstein im Beisein der Öffentlichkeit mit Ansprachen und Liedbeiträgen folgen noch eine Kaffeetafel im Heimathaus mit einer Andacht von Superintendent i. R. Hans-Wilhelm Hastedt, Gesängen und Grußworten. (ZZ/hm)
