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Scharfzüngig, rebellisch, provokativ


Sittensen. Wer kennt ihn nicht, den bekanntesten Hit von Katja Ebstein: „Wunder gibt es immer wieder“, mit dem der Sängerin 1970 der internationale Durchbruch gelang. Schlager gab sie indes am Sonnabend in der St.-Dionysius-Kirche in Sittensen nicht zum Besten, sondern ausschließlich politisch orientierte und sozial-kritische Lieder, den Inhalt ihres Programms „Na und? Wir leben noch“, mit dem sie seit 2008 auf der Bühne steht. Von Heidrun Meyer


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Katja Ebstein forderte das Publikum ein ums andere Mal auf, sich gesellschaftlich einzumischen und Fragen zu stellen . Fotos: hm

So wurde sie denn auch nicht müde, das Publikum ein ums andere Mal aufzufordern, sich zu engagieren, einzumischen und Fragen zu stellen, „um mehr von der Gesellschaft zu erhaschen und weil wir immer noch was tun können“. Scharfzüngig, rebellisch und direkt trug sie ihre Lieder und Texte vor. Ob nun das Sittenser Publikum im vollbesetzten Gotteshaus eben dies erwartet hatte, sei einmal dahingestellt. Aber sie will ganz offensichtlich nicht bequem sein, sondern aufrütteln, provozieren und das Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten sensibilisieren – ein Spagat, denn der erhobene Zeigefinger kam mitunter auch mal bekehrend daher. Wie dem auch sei: Mit ihrer Meinung hielt Katja Ebstein nicht hinter dem Berg. Musikalisch begleitet wurde sie von René Randrianarisoa am Klavier.

Bevor das Programm startete, hieß es für die Besucher warten. Denn: Die Künstlerin ließ sich Zeit. Ebenso nach der Pause, bis die Zuschauer schließlich die Künstlerin mit Applaus-Salven auf die Bühne riefen. Lieder und Texte von Hans Dieter Hüsch, Hannes Wader, Stephan Sulke, Bertolt Brecht oder Georg Kreisler thematisierten Krieg, Frieden, Hunger, Arbeitslosigkeit Armut oder Gewalt. Passend dazu der Titel: „Du lieber Gott, komm doch mal runter und schau dir die Bescherung an.“

Auch um Machtverteilung ging es, wobei sie ein ums andere Mal die „Banker“ nannte, ignorierend dass eben „Banker“, in diesem Fall die Zevener Volksbank, dieses Konzert zu Gunsten der St.-Dionysius-Stiftung durch ihre Unterstützung erst möglich gemacht hatten.

Dass sie auch komödiantisches Talent besitzt, bewies sie als freche Berliner Göre mit humorvollen Chansons aus dem „Zille-Milljöh“ wie „Wenn Vater aus dem Zuchthaus kommt.“ Und dass sie fabelhaft rezitieren kann, belegte sie mit Texten von Brecht, Tucholsky, Heine oder Kästner. „Ich bin immer bei meinen Dichtern gewesen, parallel zur Musik“, ließ Ebstein wissen. Im zweiten Teil des Programms widmete sie sich der Liebe und der Leidenschaft „für alle Dinge, die uns etwas bedeuten“. Ans Herz ging ihre A-Capella-Version von Bettina Wegeners „Sind so kleine Hände“.

Zugaben lieferte Katja Ebstein auch, berührender Abschluss war der Marlene-Dietrich-Klassiker „Sag mir, wo die Blumen sind“. Fazit: Ein anspruchsvoller Lieder- und Rezitationsabend, der manch einen der Besucher etwas überfordert haben mag.

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Die Konzertbesucher lauschten aufmerksam und zollten der Künstlerin wohlgemeinten Applaus .
Artikel vom 13.02.12 - 12:00 Uhr
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