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Wanderweg kann Wehr retten

Sittensen. Die geplanten Umgestaltungsmaßnahmen an der Oste bewegen offenbar viele Bürger. Rund 70 Zuhörer verfolgten am Mittwochabend die dreistündige Informationsveranstaltung mit lebhafter Diskussion im „Landhaus de Bur“, zu die der SPD-Ortsverein eingeladen hatte. Deutlich wurde: Für den Erhalt des Ostewehrs in der Gemarkung Groß Meckelsen gibt es noch eine Chance. Sie ist aber ausgesprochen gering.

Wie berichtet, sollen mehrere Wasserbauwerke in der Oste und im Alpershausener Mühlenbach abgerissen und durch Sohlgleiten ersetzt werden. Grund ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die eine Durchgängigkeit der Fließgewässer fordert und allen Wasserlebewesen ein barrierefreies Wandern in den Fluss- und Bachläufen ermöglichen möchte. Die alten Stauwehre und Kaskadenabstürze in der Oste und im Alpershausener Mühlenbach stehen dem entgegen, sie sind insbesondere für kleine Wasserlebewesen unüberwindbare Hürden. Ziel der Umgestaltungsmaßnahmen ist es nun, den natürlichen Zustand der Fließgewässer weitgehend wieder herzustellen.

Zuständig für das Ostewehr bei der Sittenser Wassermühle ist die Gemeinde Sittensen, verantwortlich für die übrigen Maßnahmen der Gewässer-Unterhaltungsverband Obere Oste als durchführende Behörde. Mit dem Ostewehr in Sittensen wollen sich die Kommunalpolitiker in diesem Jahr noch einmal intensiv beschäftigen, unter anderem klären, ob die Oste und Mühlenteich trennende Spundwand den baulichen Veränderungen standhält und ob Folgekosten drohen. Beschlossen ist der Abriss des Wehrs noch nicht. Laut Volker Rebehn vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist die wasserrechtliche Erlaubnis für die Umgestaltung des Bauwerks schon fertig, „aber noch nicht raus“.

Umbau Mitte Juli geplant

Während sich gegen den Abriss der Kaskadenabstürze in Oste und Alpershausener Mühlenbach bislang kein Widerstand regt, steht das alte Stauwehr in der Gemarkung Groß Meckelsen seit Monaten in der Diskussion. Einige Bürger hätten die baufällige Anlage gerne als Attraktion für einen kulturhistorischen Wanderweg erhalten. Allerdings ist der Abriss im Grunde genommen beschlossene Sache: Die Genehmigung hierfür liegt vor, auch stehen die finanziellen Fördermittel in Höhe von 90 Prozent der Baukosten zur Verfügung. „Geplant ist, Mitte Juli mit der Umgestaltung des Wehrs zu beginnen“, so Wilhelm Meyer, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes.

Die Chancen für einen Erhalt des Wehrs sind also denkbar gering. Meyer: „Eigentlich ist es fünf nach zwölf.“ Eine winzig kleine Möglichkeit gibt es seinen Worten zufolge dennoch. Dazu müsste aber ein ausgereiftes Konzept für den geplanten kulturhistorischen Wanderweg auf den Tisch und das Vorhaben tatsächlich angeschoben werden. Auch müssten die Abrissgegner sich dann persönlich mit den verschiedenen Behörden und dem Eigentümer des Wehrs und der angrenzenden Flächen an einen Tisch setzen.

Ferner müsse geklärt werden, wer die Planungskosten in Höhe von 10 000 Euro ersetze. Abrissgegner Andreas Rathjens brachte während des Info-Abends den Vorsitzenden des Touristikverbandes, Reinhard Brünjes, und Dr. Ansgar Hoppe vom Niedersächsischen Heimatbund als Fürsprecher ins Spiel. Doch rollten beide Herren bei Nennung ihrer Namen vielsagend mit den Augen und wiegelten ab.

Zeit ist knapp

Viel Zeit bleibt nicht den Abrissgegnern nicht. Wilhelm Meyer zufolge muss noch in diesem Jahr gehandelt werden, da sonst die Fördergelder verfallen. Auch macht der Chef des Unterhaltungsverbandes wenig Hoffnung, dass es gelingen könnte, die Reste der alten Staustufe bei Erhalt des Mauerwerks zu beseitigen und die Sohlgleite quasi durch das ehemalige Wehr zu legen. Bei Entfernung der Betonsohle drohe das Bauwerk in sich zusammenzufallen. Ferner bestehe die Naturschutzbehörde auf den Erhalt der breiten Ausspülung unterhalb des Wehrs. „Natur- und Wasserschutzbehörde wollen den Abriss“, so Meyer.

Groß Meckelsens Bürgermeister Dirk Detjen verweist noch auf einen anderen Aspekt. Darauf, dass kein öffentlicher Weg zum Stauwehr führt und ein offizieller Überweg aus statischen Gründen vom Landkreis wohl nicht genehmigt wird. (jab)


Artikel vom 20.01.12 - 12:00 Uhr
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