„Sie ist ein Energiebündel“, behauptet Schulleiter Rolf Struckmeyer von seiner bisherigen Stellvertreterin. Und ihre beiden erwachsenen Kinder glauben, ohne Arbeit werde sie nicht können. Doch derlei Sorgen teilt Hannelie Aßmann nicht. Der Februar sei bereits verplant und auch sonst gebe es schon vage Pläne, lässt die 61-Jährige wissen. Klar ist: Sie will viel reisen. Vor allem auf Trips im Wohnmobil nach Schweden freut sie sich mit ihrem Mann Kurt Michael, den viele als ehemaligen Gymnasialzweigleiter der KGS kennen.
„Das Leben ist irgendwo endlich“, jetzt sei es an der Zeit, es zu genießen. Was nicht heißt, dass die gebürtig aus Assel im Landkreis Stade stammende Pädagogin ihre Arbeit nicht genossen hat. Im Gegenteil. „Ich habe immer noch Lust, Kinder zu unterrichten und Dinge zu organisieren“, so Hannelie Aßmann.
Die Freude am Lehrerjob erahnte sie 1969. Damals, wenige Monate nach dem Abitur, trat sie ihr Lehramtsstudium an. Lüneburg und Göttingen waren die Stationen, bevor sie 1973 in Bockenem bei Hildesheim an einer Hauptschule den Dienst aufnahm. Weil ihr Mann 1979 an der KGS anfing, kam sie mit nach Tarmstedt. Nach einem halbjährigen Intermezzo an der Gnarrenburger Haupt- und Realschule und einer Babypause fing Hannelie Aßmann schließlich im August 1985 an der Tarmstedter Grundschule an.
Dabei hatte sie ursprünglich mit älteren Schülern arbeiten wollen, weswegen Politik zu ihren Studienschwerpunkten zählte. Doch die Entscheidung für die kleineren hat sie nie bereut. „Grundschüler sind noch wissbegierig und lernwilliger“, weiß die Lehrerin aus ihrer langen Erfahrung. Außerdem sind die jüngeren Kinder „sehr mitteilungsbedürftig und sehr witzig“. Manchmal habe sie schon aufpassen müssen, nicht zu lachen, wenn ein Schüler etwas Eigenartiges zu erzählen hatte. Man müsse die Kinder in ihrer Verschiedenheit respektieren. Sie habe stets versucht, ihre Schüler „so weit es geht zu fordern und zu fördern“. Entsprechend froh sei sie, wenn sie sehe, dass aus manchem, an den sie weniger geglaubt habe, doch etwas geworden ist.
„Mir hat das viel Spaß gemacht“, lautet denn auch das Fazit nach gut 38 Jahren als Lehrerin. Das gelte auch für die beiden Jahre, in denen sie kommissarische Rektorin der Grundschule war. Doch habe sie sich bewusst gegen eine Bewerbung auf eine Schulleiterin-Stelle entschieden. „Das ist sehr viel Verantwortung als Leitung. Ich dachte, wenn ich weiter auch ehrenamtlich Politik machen will, dann wird das zu viel.“ Den Sitz im Samtgemeinderat gab sie damals nach 16 Jahren auf, doch bis heute gehört Hannelie Aßmann der SPD-Fraktion im Tarmstedter Gemeinderat an. Zudem ist sie derzeit 2. stellvertretende Bürgermeisterin. „Ohne kann ich gar nicht“, sagt sie.
So gab es seit Rolf Struckmeyers Antritt schon vor der ersten Schulstunde immer reichlich Gesprächsstoff im Schulleitungsbüro. Struckmeyer ist ebenfalls lokalpolitisch aktiv, gegenseitig hielt man sich auf dem laufenden. „Das werde ich sehr vermissen“, sagt Struckmeyer. Und Wehmut beschleicht durchaus auch seine scheidende Kollegin. Es sei ein komisches Gefühl gewesen, auf der Stundentafel den eigenen Namen zu überkleben, räumt sie ein. „Es tut schon weh.“ Dieses Gefühl dürfte sich heute noch einmal verstärken – nach der letzten Sachkundestunde in der 3a.
