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Reiseleiter im Karohemd


Tarmstedt. Fernweh bis zum Schluss in der Tarmstedter Bücherei: Mit seinen „Train Stories“ nahm Richie Arndt sein Publikum am Mittwochabend mit auf einen Trip nach Amerika und durch Europa. „Unterwegs“ gab er Geschichten rund um die Bahn, den Blues und seine eigene Jugend zum Besten. Von Renate Schwanebeck


In Deutschlands Bluesrockszene ist Richie Arndt ein bekannter Name. Dass der gebürtige Bielefelder aber schon häufig in Karlshöfen im „Dancing-Club“ aufgetreten ist, daran konnte sich wohl kaum einer seiner Zuhörer in Tarmstedt erinnern. Kein Wunder: Arndt war damals nicht Solist, sondern Teil der Top-40-Cover-Kombo Skydogs. Mit ihr gastierte er in den 80er und 90er Jahren immer wieder in der Region.

Gallagher als Held

Musikalisch hat er sich längst einem reiferen Sound zugewendet. So spielte der Gesamtschullehrer nach dem Auftakt mit der Eigenkomposition „The Bad Thing“ gleich einen Titel seines „ersten großen Helden“. Der heißt Rory Gallagher und muss auch in Tarmstedt beliebt sein, wie Arndt mit Blick auf einige seiner Zuhörer feststellte: „Kariertes Baumwollhemd und Jeans, das sind Gallagher-Fans, stimmt's?“ Es wurde eifrig genickt im überwiegend männlichen Publikum. Die durften sich danach über Gallaghers Interpretation von „Pistol Slapper Blues“ freuen.

Der musizierende und schreibende Ostwestfale selbst trug übrigens auch karierte Baumwolle. Seit Jahren sammle er „Train Songs“, gestand er. Das habe von ihm selbst unbemerkt angefangen. Und jetzt wurde eine ganze CD daraus. Mit Geschichten rund um den Blues. Von den Schwarzen, die aus dem Süden der USA mit dem Zug in den Norden zogen, um den immer noch wie Sklavenhalter auftretenden Südstaatlern den Rücken zu kehren. Von den Frauen, die weinen, wenn sie den „Blues“ haben. Den Männern, die sich in den Zug setzen und abhauen, wenn sie der „Blues“ plagt. Und natürlich von den „Hobos“, den Wanderarbeitern.

Das sind die Dinge, von denen Elvis Presleys „Mystery Train“ handelt oder Esther und Abi Ofarims „500 Miles“ und „Hear my train a coming“ von Jimi Hendrix. Und solche Songs klingen manchmal auf einer Steelgitarre am besten, wie Arndt bewies. Zum Einsatz kam auch immer wieder die „Bottleneck“-Technik. Dazu nutzte der Gast ein Stück Flaschenhals am kleinen Finger, „von einem selbst getrunkenen Chateau Migraine...“ Die Geschichte dazu gehörte nicht zu seinem Repertoire. Dafür las er andere aus einer Zettelmappe vor, um für seine Hörbuch/Musik-CD-Kombination namens „Train Stories“ zu werben.

So „enthüllte“ Richie Arndt fern der Heimat so manchen peinlichen Moment der eigenen Jugendzeit, der Zeit des Reisens per Interrail. Der Traum vom Trip im „Marrakesch Express“ wurde in Frankreich wegen zweier blonder Schwedinnen nach Italien umgeleitet und führte im zweiten Anlauf wegen Diebstahls des Geldbeutels von Paris nach London, wo er jäh endete – die jungen Weltenbummler hatten sich den Magen verdorben. Auch so etwas gehört zu einem Abend voller Gefühle, Musikalität und Humor.

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Wer Richie Arndt einmal als Teil eines Bluesrock-Trios erleben möchte, ohne dafür bis nach Westfalen oder noch weiter nach Süden zu reisen, dem bietet sich heute und morgen die Gelegenheit. Mit Timo Gross und Alex Conti (Ex-Lake) spielt er in Cuxhaven und tags darauf in Brake.

www.richiearndt.de

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Mit dem abgesägten Hals einer Flasche „Kopfschmerz-Wein“ entlockte Richie Arndt seiner Gitarre hörenswerte Klänge . Zudem las er dem Publikum in der Tarmstedter Bücherei seine eigenen „Train Stories“ vor, die auch manche Jugendsünde zum Inhalt haben. Fotos: rsk
Artikel vom 03.02.12 - 12:00 Uhr
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