
Eigentlich ist der Weltgästeführertag ja erst am Dienstag. Da dann aber kaum jemand Zeit hat, hat Ulrike Öhler ihre Führung auf den gestrigen Sonntag verlegt. In diesem Jahr steht der Weltgästeführertag unter dem Motto „Durch Tür und Tor“ – ein Motto, das auf Tarmstedt bestens passt. Denn: Noch um 1848 war der Ort komplett von einem Zaun umgeben, der durch sieben Tore unterbrochen war. Auch wenn von Zaun und Toren heute nichts mehr zu sehen ist, gibt es noch Zeugen aus alten Zeiten, die stumm am Wegesrand stehen: alte Eichen – Bäume des Donnergottes Thor – die man sich nicht nur wegen des begehrten Holzes auf den Hof pflanzte, sondern auch damit sie im Ernstfall Blitze abfangen, so dass das Haus verschont blieb.
Die erste Station des Spaziergangs war der Rothensteiner Damm, wo eines der Tore gestanden hatte. Zaun und Tore hatten vielerlei Nutzen, erklärte Gästeführerin Ulrike Öhler. So wurde morgens das Vieh hinaus getrieben zum Weiden und abends wieder hereingeholt in die sichere Umzäunung, denn von Osten her kamen Wölfe. „Und man hatte auch gleich die Kontrolle, wer hinausging und wer hereinkam.“
Tarmstedt hatte jedoch bald unter den Moorsiedlungen Findorffs zu leiden. Zwar gab es ab 1700 wilde Behausungen ausgesiedelter Tarmstedter im Moor, aber die systematischen Planungen Findorffs, die Fremde in das Moor brachten, bereiteten den Tarmstedtern Sorge. Und so brachen sie gerne mal eine neu gebaute Brücke wieder ab – Streitereien, die später vor dem Amtsgericht zu Ottersberg auf den Tisch kamen. In Neu St. Jürgen etwa klagte man: „Neid und Missgunst der Tarmstedter kennen keine Grenzen ...“
Viele weitere Geschichten bekamen die Spaziergänger zu hören auf dem Weg zu den ehemaligen Toren im Richtweg, an der Poststraße, der Hauptstraße und der kleinen Trift, wo die Tiere damals ausgetrieben wurden. Ein Spaziergang, der sich selbst bei widrigem Wetter lohnte. Bei Interesse an einer Führung findet man Ulrike Öhler im Internet. (rsk) www.ulrike-öhler.de
