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Zehn Jahre stand er „immer irgendwo dazwischen“

TARMSTEDT. In Peru lebt der Großteil der Einwohner auf sehr niedrigem Niveau. Viele Menschen fristen ihr Dasein in Elendsvierteln, wo Gewalt und Kriminalität vorherrschen und der Bildungsstand extrem niedrig ist. Einen Einblick in die Problematik, die diese Umstände mit sich bringt, gewährte jetzt Marcus Garras. Der Wilstedter Pastor hielt einen Vortrag über seine zehnjährige Tätigkeit in dem Andenstaat.

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Rund 40 Interessierte hörten den Vortrag von Marcus Garras , den der Pastor musikalisch würzte. Foto: maw

Die Bewohner Perus gehören zu mehr als 80 Prozent dem katholischen Glauben an. Während in Deutschland unterschiedliche Glaubensgemeinschaften in der Regel gut miteinander auskommen, sieht das in Peru ganz anders aus. Marcus Garras kann ein Lied davon singen. Immer wieder erlebte er dort schwierige Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken. „Unseren Protestantismus darf man nicht mit dem Protestantismus in Peru gleichsetzen.“ Jeder, der nicht katholisch ist, werde dort als Protestant angesehen – so etwa auch die Zeugen Jehovas. Auch nennen die Katholiken sich dort nicht Christen. „Als evangelisch-lutherische Kirche standen wir immer irgendwo dazwischen.“ Problematisch sei oft gewesen, den Menschen zu vermitteln, dass man mit dem Glauben an Jesus Christus leben und trotzdem Freiheiten haben könne.

Ursprünglich wollten Garras und seine Frau die kleine Gemeinde San Andrés aufbauen. Anfangs sei alles gut gelaufen, der Gemeinde gehörten schnell 20 Menschen an, doch dann habe es Ärger mit der Kassenmeisterin gegeben, die einen großen Teil der Gemeinde auf ihre Seite zog. „Lügen und Wahrheit sind ein heikles Thema in Peru“, erklärte Garras. Auf der Suche nach „neuen Türen, die sich auftun“, wurde er eingeladen in die Gemeinde „Cristo Vive“. Sie liegt in einem Armenviertel, in dem etwa 2000 Menschen leben. Wieder machte sich der deutsche Pastor an die mühselige Arbeit und die Gemeinde wuchs von vier auf zehn Familien.

Der Kontakt zu einer dritten Gemeinde sei aufgrund der kommunikativen Art der Peruaner zustande gekommen. Beim Kauf eines Sacks Reis sei er angesprochen worden. „Ein weißer Ausländer mit Akzent ist reich“, heiße es in Peru. So wusste Marcus Garras zunächst nicht, ob eine Begleitung aus finanzieller Not heraus angestrebt wurde. Bald jedoch zeigte sich, dass dort auch großes geistliches Interesse bestand. So wurde 2003 die Gemeinde Chocofán gegründet. Ebenfalls durch den Kontakt eines Kirchenvorstehers kam 2004 als vierte Gemeinde Magdalena de Cao hinzu.

Egal an welchem Standort, Bildung sei während seiner Tätigkeit in Südamerika immer ein großes Thema gewesen. In Peru müsse man viel Geld für Privatschulen zahlen oder die Kinder zur kaum qualifizierten staatlichen Schule schicken. Die Bildung als Herausforderung sehend, wurden in den Gemeinden Kindergärten gegründet. Entsprechend glücklich schaue er der Entwicklung in Trujillo entgegen, so Garras. Dort ist ein diakonisch-soziales Bildungswerk geplant, wo Kinder auf die Universität vorbereitet werden sollen. (maw)

Artikel vom 03.02.12 - 12:00 Uhr
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