
Boyken hat in seinem Leitfaden seine Erfahrungen aus 35 Dienstjahren gesammelt und diese mit vielen Materialien und Ideen zur Intervention zusammen veröffentlicht. Die Zevener Katana-Stiftung mit ihrer Initiative „Pro Jugend“ lud den Vareler nun als Referenten zu einem Workshop für die Lehrkräfte der Schulen der Samtgemeinde ein. In „Jad‘s Piano“ hielt Boyken vor über 60 begeisterten aktiven Lehrern einen Vortrag zum Thema.
„Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch etwas für die Jugend tun“, erklärte Jürgen Naujoks die Grundlagen der Stiftung. Es habe ihn erschrocken, als er hörte, dass Lehrer teilweise krank werden, weil die Schüler sie zur Verzweiflung brächten. Heinz-Peter Boyken sei ein viel gefragter Mann, der einen immensen Erfahrungsschatz mitbringe. Daher freue sich die Stiftung besonders darüber, dass es gelungen sei, den 65-Jährigen für einem Kurzvortrag zu gewinnen.
Diesen Jungen habe er von einer anderen Schule „geerbt“, wie Boyken erläutert, weil die dortigen Lehrkräfte gegen sein Verhalten keine Mittel mehr gefunden hätten. Der Grundschullehrer habe sich daraufhin intensiv mit Tobias beschäftigt, verschiedene Richtlinien erarbeitet und sei so gut mit ihm zurecht gekommen. Seine gesammelten Methoden haben in 35 Dienstjahren seinen Unterrichtsalltag erleichtert, so Boyken, der immer dankbar für neue Ideen gewesen sei.
Das Loben seiner Schüler, auch für Kleinigkeiten, sei eine wichtige Grundlage seines Unterrichts gewesen, erläutert Boyken: „Besonders schwierige Schüler, die aus einem komplizierten Umfeld kommen, sind auf Bestätigungen angewiesen“. Daher habe er sich bemüht, immer etwas Positives an seinen Schülern und deren Arbeiten zu sehen und das diesen auch mitzuteilen.
In der zweiten Stufe seines Modells – Selbstbeobachtung – lernen die Schüler zu erkennen, dass sie permanent in einer Beziehung zu ihren Mitschülern stehen. Störende Schüler erführen so, welche Bedeutung ihr Verhalten für sie selbst und für die menschen ihrer Umgebung habe.
Der dritte Teil seines Modelles, die Konsequenzen, benötigen nur wenig Erklärung. Wenn keine Maßnahme greife und der Schüler sein Verhalten nicht ändere, müsse er auch lernen, die Konsequenzen für sein Verhalten zu tragen – von der Straf-Abschreibarbeit über Arbeitsverbot bis hin zum Schulverweis seien da – je nach Art und Häufigkeit der Verstöße – viele Möglichkeiten denkbar. „In jeder Gesellschaft gibt es Regeln, an die sich alle halten müssen. Auch Schüler müssen ein Regelbewusstsein entwickeln und lernen, dass ihr Handeln Einfluss auf die Gesellschaft hat“, so Boyken, der als Referent sehr gefragt ist. Er könne theoretisch jeden Tag irgendwo eine Veranstaltung betreuen. Damit das Privatleben nicht zu kurz komme, böte er seine Dienste nut zwischen Herbst und Ostern an und nehme so ungefähr 50 Termine wahr: „Diese zweite Karriere nach meiner Zeit als Lehrer hätte ich nicht für möglich gehalten.“
Die Anwesenden quittierten den Vortrag, der in einer lockeren Fragerunde endete, mit viel Applaus und die Organisatoren von der Katana-Stiftung können sich auf die Fahnen schreiben, einen gelungenen Workshop angeboten zu haben, der – so die Meinung vieler Teilnehmer – eine Wiederholung verlange.
