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Der stille, schöne, unbekannte Fluss

Zeven (fh). „Am Otterberg steigt sie, sie quillt und entspringt, sie läuft und sie wandert, sie prallt und mäandert, sie tanzt und sie singt“, mit diesen Worten beginnt das Gedicht „Die Oste“ von Elke Loewe. Und tatsächlich darf sie bis Bremervörde fast ungehindert in ihrem selbst gewählten Bett fließen und bietet zahlreichen Tierarten einen besonderen Lebensraum.

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Der nördlichste Nebenfluss der Elbe entspringt inmitten von feuchten Wiesen in Schillingsbostel bei Tostedt am Rande der Nordheide, nur wenige Kilometer von den Toren Hamburgs entfernt. Sie mäandert als stilles Flüsschen in weiten Schleifen zwischen ausgedehnten Wiesen und Äckern hindurch, fließt an malerischen kleinen Orten vorbei um sich als breiter Strom, eingefasst von Deichen, in waghalsigen Kurven schließlich zwischen Kehdingen und Hadeln in die Unterelbe zu ergießen.

Der Fluss ist in der letzten Eiszeit entstanden, hat sich beim Abschmelzen der Gletscher tief in den sandigen Boden eingegraben. Er ist einer der saubersten Flüsse Norddeutschlands und ein geradezu traumhaftes Revier für Wassersportler. Einen Teil ihrer 154 Kilometer fließt die Oste auch durch die Samtgemeinde Zeven, mäandert wie ein silbernes Band in weiten Schlenkern durch Ufergehölze, Hochstaudendämme, Röhrichte, Feuchtwiesen und vereinzelte Auwälder. Sie bieten zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen, weil selten gewordenen, Lebensraum. Mit etwas Glück wartet ein bunt-schillernder Eisvogel auf seinem Ansitz auf Beute, planscht ein Fischotter in Jagdlaune aufgeregt durch das Wasser oder tanzen Prachtlibellen lautlos über Deutschlands Lachsfluss Nummer eins. Dass selbst die Edelfische auf ihrer Wanderung zu den Laichgründen wieder durch die Oste ziehen, ist vor allem dem Engagement von Ernst Peters und ihm gleichgesinnten Petrijüngern zu verdanken. Ihnen ist es gelungen, Lachse und Meerforellen wieder einzubürgern. Sie ließen sich Laichgut kommen, bebrüteten die Eier und setzen sie in Nebenbächen der Oste aus. Und das Projekt hatte Erfolg: Einige Jahre später tauchten die ersten Lachse auf und bis heute hat sich deren Zahl noch vervielfacht.

Doch wie wohl überall gibt es auch entlang der Oste Licht und Schatten. An vielen Stellen reicht die landwirtschaftliche Bewirtschaftung bis dicht an das Ufer heran und zerstört den natürlichen Uferbewuchs. Dünger wird in das Gewässer geschwemmt und der Fluss immer wieder penibel von umgestürzten Bäumen, hineinwachsenden Sträuchern und anderen Hindernissen befreit, die den Gewässerquerschnitt verändern und damit den Wasserabfluss beeinträchtigen könnten.

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Dennoch ist die Oste noch vielfach von einer herrlichen Naturlandschaft umgeben, die man am besten zu Wasser genießt: sprich im Kanu oder Kajak. „Im Kanu liegen und träumend mit der Strömung den Fluss hinunter treiben, dem Kuckuck lauschen, der aus seinem Versteck im Maigrün ruft und die Flügel schlägt, um zur nächsten Baumkrone zu huschen, den Specht musizieren hören, die kleinen Zaunkönige wahrnehmen, die piepsend durch die Luft hüpfen, während das Boot in den weißen Prallhang stößt und sich einmal um sich selber dreht...“, so beschreibt Wolf-Dietmar Stock in dem Buch „Die Oste – von der Quelle bis zur Mündung“ eine Reise auf der Oste.

Und wer von all diesem prächtigen Naturerleben Kaffeedurst bekommen hat, der legt am besten im Mühlencafé in Eitzmühlen eine Pause ein. Die Selsinger Landfrauen haben die alte, halbverfallene Wassermühle von 1870 vor einigen Jahren in ein malerisches Café verwandelt und verwöhnen ihre Gäste am Wochenende mit selbstgebackenen Torten – und das mit einem herrlichen Blick auf die Osteniederung und die umgebende Natur. Frisch gestärkt kann die Entdeckungstour durch den Amazonas des Elbe-Weser-Dreiecks dann munter weitergehen.

Artikel vom 23.07.09 - 06:00 Uhr
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