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Eine Abstimmung mit den Füßen


Zeven/Sittensen. Derzeit besuchen nach Informationen unserer Zeitung bereits über 100 Kinder aus der Samtgemeinde Zeven, viele davon aus Elsdorf und Heeslingen, die Kooperative Gesamtschule (KGS) in Sittensen. Eine mehr als deutliche Abstimmung mit den Füßen, die zur Gefahr für die gerade ins Leben gerufene Oberschule in Zeven zu werden droht. Von Joachim Schnepel


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Im Unterricht an der KGS Sittensen werden moderne Medien wie Whiteboards statt Tafeln eingesetzt.

Doch warum ist die KGS Sittensen bei Schülern und Eltern so ungeheuer beliebt? Wir haben versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, die allerdings, soviel sei vorweg verraten, sehr vielschichtig ausfällt, und luden darum Mütter mit ihren Kindern aus der Samtgemeinde Zeven, die in Sittensen zur Schule gehen, zum Gespräch ein. Zu den Gründen später mehr, zunächst ein kurzes Stichwort zur KGS Sittensen. Diese wurde im Februar 2010 genehmigt und nahm im August desselben Jahres ihren Betrieb auf. Zur Zeit besuchen rund 314 Schülerinnen und Schüler des 5. und 6. Jahrgangs die KGS, die neben der auslaufenden Haupt- und Realschule im gleichen Gebäude am Sittenser Sportplatz untergebracht ist. Sie werden in jeweils zwei Hauptschulklassen, drei Realschulklassen und zwei Gymnasialklassen pro Jahrgang, insgesamt also in 14 Klassen unterrichtet. Die Schülerzahlen pro Klasse sind unterschiedlich groß, je nachdem, wie viele Schüler für die Schulform angemeldet wurden. Die durchschnittliche Schülerzahl beträgt laut KGS 22 pro Klasse.

Die Kinder kommen überwiegend aus der Samtgemeinde Sittensen, da die KGS aber eine Angebotsschule ist, werden auch Kinder aus anderen Gemeinden wie Heeslingen, Elsdorf und Zeven hier beschult, wie es auf der Homepage der Schule heißt.

Die KGS-Sittensen ist, wie bereits erwähnt, zusammen mit der Haupt- und Realschule (HRS) in einem Gebäude untergebracht, neben neu eingestellten Lehrkräften (zum Beispiel für den Gymnasialbereich) unterrichten auch Lehrer der HRS an der KGS.

Besonderheiten der KGS Sittensen sind nach Aussage der Schulleitung: Der Unterricht findet in den Fächern Kunstwerkstatt, Musik, Sport und Religion in integrierten, also schulformübergreifenden Gruppen statt, in allen anderen Fächern werden die Schüler in ihren schulformabhängigen Haupt-, Real- und Gymnasialklassen unterrichtet, können aber in Englisch und Mathematik auch Kurse der höheren Schulformen belegen..

„Wir legen großen Wert auf eine Förderung der Schüler. Daher steht am Anfang der Schulzeit ein eingehender Diagnosetest, um Schüler in speziellen Kursen individuell zu fördern. Starke Schüler nehmen an Zusatzangeboten in Fremdsprachen, Deutsch, Naturwissenschaften und anderen Fächern teil“, heißt es auf der Website.

Musischer Schwerpunkt

Und weiter: „Wir bieten einen musischen Schwerpunkt, indem wir ein Bläserklassenkonzept umsetzen. Dabei lernen interessierte Schüler aus allen Schulstufen ein Instrument und spielen im Orchester. Als offene Ganztagsschule bieten wir ein Nachmittagsprogramm mit Angeboten vor allem aus den Bereichen Sport und Kreativität. Wir bieten außerdem eine professionelle Hausaufgabenbetreuung und bei Bedarf auch ein warmes Mittagessen.“

Seit dem neuen Schuljahr hat die KGS ein Doppelstunden-Modell mit 80-Minuten-Stunden eingeführt. Die eingesparten 30 Minuten werden als Studienzeit einmal pro Tag erteilt. Hier sollen die Schüler verstärkt eigenverantwortlich lernen.

All die im Vorhinein gemachten Aussagen wurden von den Müttern im Gespräch mit der ZZ vollumfänglich bestätigt und sogar noch erweitert. An dem Gespräch nahm Peggy Peper aus Wense mit ihrer Tochter Femke (10) teil, die die KGS seit dem vergangenen Schuljahr besucht und der es dort nach eigener Aussage super gefällt.

Weiterhin Susanne Bredehöft, Schulelternratsvorsitzende an der KGS Sittensen und SPD-Ratsmitglied im Zevener Stadtrat, Gitte Rathjen aus Frankenbostel und Anja Förster aus Heeslingen, die seit Beginn der Wahlperiode für die CDU im Rat ihrer Heimatgemeinde sitzt. Alle Genannten haben Söhne bzw. Töchter im fünften oder sechsten Jahrgang auf der KGS.

Zunächst und damit es ihr unter lauter Erwachsenen nicht zu langweilig wurde, kam die Jüngste aus der Runde zu Wort. Auf die Frage, warum es ihr in Sittensen so gut gefalle, berichtete die 10-jährige Femke, dass zwei ihrer Freundinnen auch auf die KGS gehen. Aber auch alle anderen Mitschüler seien sehr nett, so das junge Mädchen. Was ihre Mutter Peggy nur bestätigen kann: Als sie vor der Frage stand, ob sie ihr Kind in Zeven oder Sittensen anmelden sollte, entschied sie sich unter anderem deshalb für Sittensen, weil noch nicht klar war, wie das mit der Oberschule laufen würde, während der positive Ruf der KGS schon bis nach Wense gehallt war. Zudem kannte sie deren Leiter Sven Evers persönlich, da dieser in ihrem Heimatort Heeslingen wohnt.

Schulbeginn in Sittensen ist um 7.30 Uhr. Da der Schulbus in Zeven bereits um 6.40 Uhr startet, bringen Peggy Peper und andere Eltern ihre Kinder entweder morgens zur Haltestelle in Wiersdorf, wo der Schulbus etwa eine halbe Stunde später hält, oder organisieren – wie im Falle Wense – selbst ein Sammeltaxi für die Kinder aus Wense, Sassenholz und Steddorf, dessen Bezahlung sie sich teilen. Die Schulbuslinien werden laut Susanne Bredehöft vom Landkreis festgelegt, die Buslinie nach Sittensen solle jedoch noch optimiert werden.

Die gleichen Startschwierigkeiten habe es in Tarmstedt schon vor mehr als 30 Jahren gegeben, als die dortige KGS eingerichtet wurde (1975), und heute sei dieses Problem gelöst. Es spricht laut Bredehöft auch für das Engagement der Eltern, dass sie sich derartig kreative Lösungen einfallen lassen wie die Wenser oder ihr Kind zu einer alternativen Haltestelle bringen. Deutlich machte die Elternratsvorsitzende, dass die Schule mit derzeit sieben Klassen pro Jahrgang ausgelastet sei. Die Nachfrage sei im vergangenen Jahr so groß gewesen, dass man knapp vor einem Losverfahren gestanden habe.

Stimmiges Konzept

Auf die Frage nach dem Grund des großen Interesses sagte Bredehöft: „Weil sie so gut ist. Das Konzept ist stimmig: Langes gemeinsames Lernen unter einem Dach sowie Durchlässigkeit nach oben und unten. Ein Auf- beziehungsweise Abstieg ist ohne Schulwechsel möglich.“

Anja Förster betonte, dass sie sich gegen den Willen ihrer Tochter entschieden habe, die eigentlich aufs St.-Viti-Gymnasium wollte, diese auf die KGS zu schicken. Mittlerweile fühle sie sich dort sehr wohl. Susanne Bredehöft entgegnete, dass ihr Sohn sich gegen die Realschule entschieden habe. Sie erwähnte die kleinen Klassengrößen von durchschnittlich 19 Schülern als Vorteil. Das dreigliedrige Schulsystem bezeichnete sie als überholt. Sie hob das ausgefeilte Förder- und Forderkonzept in den Kernfächern Deutsch und Mathe hervor, ferner die Schreibwerkstatt und Mathe-Olympiade, aber auch Zusatzangebote wie beispielsweise Darstellendes Spiel in Englisch, was es sonst in dieser Form nirgendwo gebe.

Zudem lobte Susanne Bredehöft das nach ihren Worten „ambitionierte Ganztagsprogramm“. Eingeteilt in kleine Lerngruppen von fünf oder sechs Schülern werde intensiv gelernt. Und es werde genau dort angesetzt, wo Stärken und Schwächen vorhanden seien. Hervorgehoben wurde während des Gesprächs auch die Kunstwerkstatt, die kein klassisches Fach im eigentlichen Sinne sei. Hier werde Kunst, Werken und textiles Gestalten zusammen unterrichtet.

Die moderne Ausstattung der KGS wurde von den Müttern ebenfalls erwähnt. So werde in fast jeder zweiten Klasse inzwischen mit Whiteboards statt der herkömmlichen Tafeln gearbeitet. „Die Kinder wachsen so automatisch in den Umgang mit modernen Techniken hinein, indem sie beispielsweise eine Powerpoint-Präsentation vorbereiten“, so Bredehöft.

Am Beispiel der so genannten A- und B-Bänder, eine komplizierte Angelegenheit und nur für Insider verständlich, betonte Susanne Bredehöft, dass eine probeweise Teilnahme an höheren Schulformen möglich sei. Die Gesamtschule lasse den Kindern viel mehr Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung, so die Elternratsvorsitzende. Auch die Eltern würden gut mit eingebunden, wofür Bredehöft diverse Beispiele wie beispielsweise die gemeinsame Gestaltung eines neuen Pausenhofes zusammen mit einem Landschaftsarchitekten anführte.

Auch die vorwiegend jungen, motivierten Lehrkräfte an der KGS und das gemeinsame Miteinander beispielsweise auf Klassenfahrten fanden lobende Erwähnung. Gar keine Nachteile? Doch, auf dem Wunschzettel der Eltern steht eine neue Mensa, die noch in diesem Jahr gebaut werden und das bisherige Provisorium in der Cafeteria ablösen soll, ferner neue Fach- und Klassenräume. Die entsprechenden Beschlüsse sind bereits gefasst, die Pläne abgesegnet, allein es fehlt das Geld. Die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien in Sittensen bezeichnet Bredehöft als gut, es gebe kein „Parteibuch-Geplänkel“.

Kein Interessenkonflikt

Einen Interessenkonflikt mit ihren Ratsmandaten in Heeslingen oder Zeven sehen weder Förster noch Bredehöft: Entscheidend sei allein das Wohl ihrer Kinder. Susanne Bredehöft brachte es abschließend auf den Punkt: „Die KGS ist einfach eine coole Schule“, von der sie hoffe, dass sich deren Qualität durchsetze.


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Im Unterricht an der KGS Sittensen werden moderne Medien wie Whiteboards statt Tafeln eingesetzt.
Artikel vom 22.02.12 - 12:00 Uhr
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