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Regional gibt es zu viel Wild

zeven. Jahr für Jahr steigt im Landkreis Rotenburg die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Wild beteiligt ist, weiter an. Die Region zwischen Wümme und Oste gehört zu den wildreichsten Gegenden in ganz Niedersachsen. Insbesondere beim Damwild hat Rotenburg eine führende Position, wurde hier doch die niedersächsische Rekordstrecke des vergangenen Jagdjahres erzielt. Die Gründe für den Bestandsanstieg beim Schalenwild und die damit zunehmende Zahl der Unfälle sind offenbar schwer zu greifen.

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Eine Ricke mit ihren zwei Kitzen. Während die Gehörne der Böcke bei der so genannten „Hegeschau“ präsentiert werden, wird der tatsächliche Abschuss beim weiblichen Wild nicht kontrolliert. Eine Bestandsregulierung erfolgt also nur bei gutem Willen der jeweiligen Revierpächter.

Im Jahr 2000 gab es im Landkreis 947 bei der Polizei gemeldete Unfälle, an denen Wildtiere beteiligt waren. Die Dunkelziffer der aus unterschiedlichen Gründen nicht gemeldeten Unfälle ist unbekannt. Bis 2009 stieg die Zahl kontinuierlich auf 1520 an, im vergangenen Jahr wurde mit 1589 gemeldeten Unfällen abermals eine neue Rekordmarke erreicht.

„Die jüngst gestiegenen Zahlen sind zum Teil durch die Bemühungen der Jägerschaften erklärbar. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Revierinhaber alle Wildunfälle gemeldet haben, auch wenn die Polizei von den Geschädigten nicht eingeschaltet wurde. So sollten die Zahlen abgeglichen werden“, sagte dazu Kreisjägermeister Dr. Hermann Gerken aus Zeven.

Bei der Damwildstrecke hat es vor drei Jahren einen Sprung von knapp über 2100 geschossenen Tieren auf über 2400 gegeben. Im Jagdjahr 2009/2010 wurden 2432 Hirsche und weibliche Tiere erlegt. Zum Vergleich: Im Landkreis Soltau-Fallingbostel, der die zweithöchste Strecke aufweist, waren es „nur“ 1569.

„Beim Damwild ist der Bestand und damit auch die Strecke kontinuierlich nach oben gegangen. Vor allem regional hat es enorme Veränderungen gegeben. Die Bestände waren lange stabil, aber das Damwild ist schwer zu zählen. Insgesamt gibt es vier Brennpunkte: Der Hintzel, die Region um Steinfeld, der Ummel bei Tarmstedt und der Bereich Lüdingen/Haberloh. Der Jagdbeirat hat darauf gedrängt, die Abschusszahlen immer weiter hoch zu setzen, was dann auch erfolgt ist. Nach unserer Auffassung muss das jetzt noch drei bis vier Jahre durchgezogen werden, dann werden wir wieder normale Bestände haben. Regional gewünschte höhere Abschusszahlen werden von der unteren Jagdbehörde unbürokratisch genehmigt“, sagte Gerken.

Eine mögliche Erklärung sieht der Kreisjägermeister in dem gestiegenen Maisanbau und dem damit einhergehenden Grünlandumbruch. Dadurch habe sich das Damwild regional enorm konzentriert, mit den dazu gehörenden Problemen im Straßenverkehr. Der aktuell starke Eingriff in die regional überhöhten Bestände werde jedoch zu einer Absenkung führen.

Aber auch beim Schwarzwild müssten die Jäger am Ball bleiben. Die neuen Bewegungsjagden hätten sich bewährt, so Gerken weiter. Konstant sei dagegen die Strecke beim Rehwild, dort gebe es einen gleichbleibend hohen Bestand. Allerdings sei das Rehwild früher besser verteilt gewesen, durch das Abnehmen des Gründland-Anteils gebe es eine regional deutlich höhere Konzentration. Weitere Veränderungen in der Landwirtschaft, neue Wehsel und veränderte Gewohnheiten des Wildes hätten zudem zu regional steigenden Unfallzahlen geführt.

Er sei jedoch durchaus zuversichtlich, so der Kreisjägermeister, dass man das Problem mit den Wildunfällen in den Griff bekommen werde. Vor allem die jüngeren Jäger würden sich den neuen Gegebenheiten anpassen und seien offen für die notwendigen Veränderungen. (ak)


Artikel vom 02.03.11 - 12:00 Uhr
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