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Unauffälliges Haus mit langer Geschichte


Zeven. Das Haus in der Zevener Lindenstraße 7 wirkt auf den ersten Blick eher unauffällig.Und auch wenn es mit seinem hellen Klinker und den schmalen Fenstern nicht so aussieht: Es hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Der Arzt Dr. Stellmann erwarb es vor 175 Jahren. Seither besaßen die Immobilie, die einst die Hausnummer 5 hatte, viele Besitzer. Von Ewald Albers


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Das Haus Lindenstraße Nr. 7 , heute Sitz einer Fahrschule, hat eine wechselvolle Geschichte. Foto: al

Die herausragendsten waren seit 1816 Johann Hinrich Albert Riemann, der mehrere Jahre „Gevollmächtigter des Fleckens Zeven“ war, und seit 1835 der Chirurg Dr. Wilhelm Stellmann, der bis ins hohe Alter als Arzt in Zeven praktizierte. Obwohl die ehemalige Kötnerstelle zu den so genannten „alten Katen“ in Zeven gehörte (diese Hofstellen waren vor der Auflösung des Klosters 1650 gegründet worden), ließ sich in der Zevener Mannschaftsrolle von 1690 als erster Besitzer der schon verstorbene Jacob Schölermann ermitteln. Er war der Besitzer einer „freyen“ alten Brink-Kathe. Das Wort „frey“ bedeutete an dieser Stelle, dass die Besitzer dieses Hofes nicht zur großen Zahl der Leibeigenen des Klosters gehörten. Offenbar hatte Jacob Schölermann keine leiblichen Erben; denn im Zevener Jörde-Book von 1699 steht: Clauß Schnoor olim (vorher) Jacob Schölermann.

Clawes/Clauß Schnoor (1668 - 1708) war das sechste Kind des Schmieds Lambert und Hedewig Schnoor in Zeven (bekannt geblieben als Gasthof Ehlen/Elmers/Norden, Lange Straße 2) und heiratete 1697 Margareta Stavenhitter (1673-1712) von der Zevener Wassermühle. Nach dem frühen Tod von Clauß Schnoor schloss seine Witwe Margareta geb. Stavenhitter ihre zweite Ehe 1709 mit dem Schneider Hinrich Meyer (1681-1748), der bis zu seinem Tod Interimswirt (Übergangs-Kötner) auf der Stelle war. Hinrich Meyer schloss noch zwei weitere Ehen, die dritte mit Anna Marie geb. Stawitzen (1674- 1763), der inzwischen verwitweten vierten Frau des Wundarztes Justus Wiggers (1663-1731).

Hinrich Wilhelm Schnoor aus Hamburg, der 1698 in Zeven geborene Sohn von Clauß Schnoor und Margareta geb. Stavenhitter, machte 1749 beim Amt Zeven seinen Erbanspruch auf die „Kothstelle“ seines verstorbenen Stiefvaters Hinrich Meyer geltend. Er bezahlte 2 rthl (Taler) für den fälligen Weinkauf (eine Art Erbschaftssteuer), so dass die Stelle auf ihn übertragen werden konnte. Sein in Hamburg geborener Sohn Hinrich Wilhelm Schnoor (1731-1776) heiratete 1758 Ann Margret Gercken (1733-1801) und übernahm die Hofstelle in Zeven. Von den sieben Kindern dieses Ehepaars wurden zwei Töchter und ein Sohn erwachsen.

Ein paar Jahre nach dem Tod des Vaters wurde der 1759 geborene Sohn Hinrich Christian Wilhelm Schnoor zweimal aufgefordert, sein Erbe in Zeven anzutreten. Doch er blieb in Le Havre in Frankreich. Die Mutter gab den Hof daraufhin an ihre älteste Tochter Anna Catharina Elisabeth Schnoor (1766-1805), die 1785 den aus Ottersberg stammenden Gerichtsdiener Johann Hinrich Tramm (1753- 1802) heiratete.

Zum Jahr 1794 übernahm Tramm die Stelle des Grefen (das war damals die Bezeichnung für den dortigen Verwaltungsbeamten) in Heeslingen, wohnte aber weiter auf der Hofstelle in Zeven, die inzwischen den Rang eines Halbhofes einnahm. Nach dem Tod des Ehepaars Tramm wird Georg Lange auf dem Halbhof geführt. Er war in dieser Zeit aber wohl nur Pächter. Denn 1816 begann durch die Heirat einer Tramm-Tochter mit dem verwitweten Gastwirt und Bäcker Albert Riemann eine neue Ära für den Hof.

Johann Hinrich Albert Riemann (1764-1820) war zunächst Trompeter bei einem Kurhannoverschen Kavallerie-Regiment, hatte auch an einigen Schlachten (vor allem in den Niederlanden) teilgenommen, ehe er 1797 Anna Sophia Dorothea geb. Titjen (1750-1813), die Witwe des Gastwirts Hinrich Müller (1739-1794) in der späteren Klosterschänke (heute: Labesstraße 2), heiratete und die Stelle für 16 Jahre als Interimswirt übernahm.

Da Johann Hinrich Albert Riemann das Ende seiner Wirtschaftszeit kommen sah, ersteigerte er 1810 im Konkurs-Verfahren den Halbhof des Johann Hinrich Ehlen (alte Hausnummer 90, später: Labesstraße 15). Diesen musste Riemann 1817 wieder verkaufen, nachdem er auf den Halbhof Tramm geheiratet war. 1815 schloss er seine zweite Ehe mit Johanne Charlotte Elisabeth Tramm (1794-1816), 1816 seine dritte mit deren Schwester Dorothea Maria Christina Tramm (1791-1865).

Antrag auf Schanklizens

Anfang 1815 beantragte Riemann die Schank-Konzession für den von ihm gekauften Ehlen-Hof und hatte zwei wichtige Begründungen: Er sei mit der Arbeit in der Landwirtschaft nicht groß geworden und habe dort keine besonders guten Aussichten zur Sicherung des Broterwerbs; als Interims-Gastwirt sei er auf Hinrich Müllers Stelle sehr gut zurecht gekommen, so dass er auch auf dem von ihm gekauften Hof des Johann Hinrich Ehlen Erfolg haben werde. Als er 1816 seinen Antrag auf den Hof Tramm änderte, begründete er weiter: Nach dem großen Zevener Brand von 1810 seien sehr viel neue Stellen gegründet worden. Die Bevölkerungszahl sei dadurch stark angewachsen; Konzessionen für neue Krugwirtschaften seien aber nicht erteilt worden. So werde er sicher sein Auskommen finden, ohne die Existenz anderer Gasthöfe zu gefährden.

Für die ausgestellte Konzession war sicher vorteilhaft, dass Riemann nach dem Ende der französischen Herrschaft „Gevollmächtigter des Fleckens Zeven“ wurde. Dieses Amt darf wohl mit dem eines heutigen Bürgermeisters verglichen werden. Doch gerade dieser Umstand veranlasste den Interimswirt Jost Meyer vom benachbarten Lohmannschen Gasthof zum Widerspruch. Wer in Gemeindesachen etwas zu erledigen habe, werde künftig auch im Krug Riemanns zum Verzehr bleiben, so dass er viel Kundschaft verlieren werde. Jost Meyer wusste, wie sich das auswirken würde; denn in der Zeit der Eroberung unserer Gegend durch die französischen Truppen war er als „Commune Maire“ direkter Vorgänger von Riemann gewesen.

Doch bis zum Tod Riemanns musste Jost Meyer sich mit der neuen Konzession abfinden. Riemanns Witwe hat die Gastwirtschaft offenbar nach dem Tod ihres Mannes weiter betrieben. Doch sehr bald kamen finanzielle Nöte, so dass sie den Halbhof 1829 aufgeben musste. Im folgenden Konkursverfahren erwarb ihn Johann Friedrich Lohmann, Sohn des verstorbenen Gastwirts und ¾-Höfners Johann Peter Lohmann vom Nachbarhof (alte Hausnummer 4, heute Lindenstraße 5). Die Witwe Riemann sollte ein Wohnrecht in einem kleinen Nebenhaus behalten. Das wurde später in eine kleine jährliche Rente umgewandelt.

Nachdem Johann Friedrich Lohmann 1833 geheiratet hatte, übernahm er vom Interimswirt Jost Meyer das väterliche Erbe. Da er nicht zugleich mit zwei Höfen bemeiert sein konnte, verkaufte er 1835 die Hofstelle Riemann an den seit 1827 in Zeven tätigen Arzt Dr. Wilhelm Stellmann (1802-1884). Lohmann behielt allerdings die Hälfte der zu diesem Hof gehörenden Flächen, so dass sein Hof zum Vollhof hochgestuft wurde, während sich die jetzige Stellmann-Stelle die Abstufung zum Viertelhof gefallen lassen musste.

Lohmann ließ in den Kaufvertrag Klauseln dazu aufnehmen, dass auf dem Viertelhof Stellmann künftig nie wieder eine Krugwirtschaft oder damit zusammen hängende Gewerbe betrieben werden dürften. Er habe die Stelle nur deshalb gekauft, damit die Konkurrenz im Nachbarhaus ausgeschaltet werde, schrieb er an das Amt Zeven.

Wir setzen die Geschichte in der nächsten ZZ-Ausgabe fort.

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Das Haus Stellmann um 1900.
Artikel vom 30.07.10 - 06:00 Uhr
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