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Zu Gast bei freundlichen Zevenern


ZEVEN. Hier einen Kaffee trinken, da im Supermarkt etwas einkaufen, vielleicht noch kurz beim Friseur vorbei schauen oder ein Kleidungsstück in die Reinigung bringen: Wenn Horst Schween gemeinsam mit seiner Frau Heike in der Stadt am Walde unterwegs war, dann trafen sie stets auf freundliche Menschen. Das ist für die beiden ein Grund, am Sonntagvormittag ein privates Fest zu geben – für 25 bis 30 geladene Gäste. Von Alexander Schmidt


Die Feier findet in der Gaststätte auf dem Campingplatz in Brauel statt. Beim Brunch soll die Geselligkeit im Mittelpunkt stehen. Eine Ziehharmonikagruppe aus Ahlerstedt begleitet das kleine Fest mit musikalischen Einlagen, zum Auftakt erklingt das Lied „Tulpen aus Amsterdam“. Die Tische werden mit niederländischen und deutschen Fahnen dekoriert sein. Zudem soll es orangefarbene Luftballons geben. Es gehe auch darum, die in Zeven vorhandene deutsch-niederländische Freundschaft zu betonen. Am Sonnabend startet Horst Schween mit den Vorbereitungen für das Fest.

Egal, wohin der 70-Jährige mit seiner an Multiple Sklerose erkrankten Frau (65) in Zeven gegangen ist oder geht: Fast überall, „bis auf wenige Ausnahmen“, seien die beiden gebürtigen Hamburger freundlich begrüßt oder bedient worden. So sei der Gedanke gereift, für die Angestellten (meistens Frauen) und deren besseren Hälften ein kleines Fest auszurichten. Um sich auf diese Art für „Freundlichkeit und Nettigkeit“ zu bedanken. Kurzum: „Wir haben die Niedersachsen lieben gelernt“, sagt Horst Schween, der 2009 mit seiner Frau von Ottensen nach Zeven in eine „Traumwohnung“ gezogen ist – eine behindertengerechte, ein „Juwel“: Horst Schween pflegt seine schwerkranke Frau, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist und einen Katheter hat, Vollzeit.

Drehen wir die Uhr ein wenig zurück. Es ist das Jahr 1964: Im Hamburger Tanzlokal „TopTen“ auf der Reeperbahn lernen sich die beiden kennen und lieben. Sie arbeitet als Schneiderin, er bei der Müllabfuhr. Eine Hochzeit, zwei (mittlerweile erwachsene) Kinder und ein Enkelkind folgen. Sie leben zwischenzeitlich in Schweden, kehren zurück nach Deutschland: Vor Zeven und Ottensen lauten Ohrensen und natürlich Hamburg die Stationen.

Anfang der 80er Jahre ändert sich alles: Heike Schween hat plötzlich einen epileptischen Anfall. Die erschütternde Diagnose: Multiple Sklerose. Doch den Lebensmut lassen sich die beiden nicht nehmen. Das liegt unter anderem auch daran, dass sie sich bei den Ärzten gut aufgehoben fühlen. Und ob nun gute oder schlechte Nachrichten: Horst und Heike Schween nehmen es, wie es kommt. „Gott ist für mich entscheidend“, betont der 70-Jährige, zu dessen Interessensgebieten neben Insekten auch die Reederei Hamburg Süd gehört. Über Schiffe wird Horst Schween den Gästen am Sonntag ein wenig

erzählen. Ein Vortrag wird

es aber nicht werden, beantwortet er die Frage seines Gegenübers mit einem „Oh, Gott, nein“ und lacht. Dann fügt Horst Schween hinzu: „Ich bin ein Sabbelheini. Ja, schreiben Sie das ruhig auf: Ich bin einer, der viel sabbelt. Manche

wechseln die Straßenseite,

wenn sie mich sehen. Aber die, die mich kennen, die denken anders von mir“, sagt er, lächelt und greift zu einer mit Kaffee gefüllten Tasse. Was gefällt den Schweens eigentlich neben der allgemeinen Freundlichkeit der Menschen an der Stadt Zeven? Zum einen lade der Wald zum Spazierengehen ein, zum anderen seien alle Geschäfte sehr gut zu erreichen. Ein weiterer Umzug ist denn auch nicht geplant. Horst Schween: „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Zeven ist eine süße, kleine Stadt.“


Artikel vom 03.02.12 - 12:00 Uhr
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