
Manchmal gibt es so Zufälle im Leben. Schon in der Kindheit hatte er durch Erzählungen seiner Großmutter von seinem Verwandten gehört, aber erst mit 23 Jahren begann sich der junge Zevener Jewgenij Tiwon für seine Familiengeschichte und den entfernten Verwandten in der Ukraine zu interessieren. „Er hatte in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag und ich schrieb ihm einfach einen Glückwunsch.“ Mit Folgen: Der Metropolit Lazar, einer der höchsten Würdenträger der ukrainisch-orthodoxen Kirche, lud ihn in die Ukraine ein.
Vier Tage verbrachte Jewgenij Tiwon an der Seite seines Großonkels auf der Krim – dieser großen, schon in der Antike bekannten Halbinsel im schwarzen Meer, auf der im 19. Jahrhundert die Sommerresidenz der russischen Zarenfamilie stand und die von so bekannten russischen Literaten wie Anton Tschechow, Puschkin oder Tolstoi beschrieben wurde.
„In diesen Tagen waren wir ständig auf Reisen“, erzählt der junge Zevener, „haben Kirchen und Gemeinden auf der ganzen Krim besucht.“
In besonderer Erinnerung blieb ihm dabei ein hohes Kirchenfest auf einem über 1200 Meter hohen Berg unweit der Stadt Jalta – vor mehr als 10 000 Gläubigen, die dicht gedrängt an der einzigen Zufahrtsstraße standen oder eine kleine Anhöhe erklommen hatten, um einen Blick auf die Zeremonie zu erhalten.
Religiösität und Religion spielen überhaupt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Ukraine, wieder, kann man sagen. Dies zeigen Besuche des Moskauer Patriarchen Kyrill oder der Staatspräsidenten Putin (Russland) und Juschchenko (Ukraine) beim Metropoliten auf der Krim, aber auch der Aufbau vieler Kirchen in der Ukraine. „Nach 70 Jahren Kommunismus müssen viele Gotteshäuser wie beispielsweise die große Alexander-Newski-Kathedrale restauriert oder ganz neu wiederaufgebaut werden“, erzählt Tiwon. „Der Grund: Kirchen wurden in den Jahren des Kommunismus zerstört oder zu Kornkammern, Gefängnissen und Kinos gemacht.“
Vor allem die Krim galt lange Zeit als „Zankapfel“ zwischen Russland und der Ukraine (Streit um die Schwarzmeerflotte), aber auch das Verhältnis zwischen Christen und muslimischen Krim-Tartaren auf der großen Halbinsel gilt als „problematisch“.
„Ich habe in diesen Tage mit meinem Großonkel und anderen Leuten viele interessante Gespräche darüber geführt“, erzählt Tiwon, der aber während seines Aufenthaltes auch mehrere Male den norddeutschen Zungenschlag vernahm.
„Ich traf zum Beispiel einen Niederländer, der jahrelang in Seedorf stationiert war“, sagt Tiwon. Und eine Touristin aus Bremen, mit der er sprach, verfiel gegenüber ihrem Ehemann sogar in das plattdeutsche Idiom, obschon sie Zeven regional nicht ganz korrekt zuordnen konnte: „Hermann, de Jung’ könnt ut’n Düvelsmoor“.
