
„Inklusion ist die Verantwortung aller. Und das bedeutet, Berührungsängste abzulegen und Vielfältigkeit willkommen zu heißen“, betonte Referent Ulrich Dettling. Der Vertreter der Landesschulbehörde erklärte, was auf die Einrichtungen im Zuge der Inklusion zukommen wird. Grundsätzlich, erläuterte er, bedeute Teilhabe nicht, den Menschen mit Behinderung einen Raum in bestehenden Strukturen einzuräumen, sondern die Strukturen barrierefrei umzugestalten. Ihnen müsse ein uneingeschränkter Zugang zu Inhalten, Methoden und Medien des Unterrichts an allen Schulen gewährleistet werden.
Die Leistungsanforderungen im inklusiven Unterricht entsprechen laut Dettling den unterschiedlichen Lern- und Leistungsvoraussetzungen der Schüler. Die Schulverwaltungen arbeiten darauf hin, dass alle Lehrkräfte eine umfassende Qualifizierung erhalten, um sich am individuellen Förderbedarf der Schüler zu orientieren. „Dieser Prozess gelingt durch Beratung, Unterstützung, Hilfe, Fortbildung und der entsprechenden offenen Haltung“, erläuterte der Referent.
Mehrere Besucher des Forums äußerten gleichwohl die Befürchtung, dass die Schulen die Inklusion nicht bewältigen können – auch mit Blick auf die personelle Ausstattung. „Die Förderschulkräfte werden an den verschiedenen Regelschulen untergebracht und arbeiten Hand in Hand mit den Lehrkräften zusammen“, hielt Dettling solchen Bedenken entgegen. Er machte deutlich: Die Einbindung, Fachberatung und sonderpädagogische Förderung sowie die Weiterentwicklung von Konzepten inklusiver Beschulung in der Region sei unumgänglich. In enger Zusammenarbeit müssten die verschiedenen Einrichtungen bei diesem Prozess Standards setzen, um inklusive Beschulung gelingen zu lassen. Der Landkreis Rotenburg gehe mit gutem Beispiel voran und zeige anderen Bundesländern, dass es funktioniere.
Nach einer Pause bei Kaffee und Kuchen und regem Austausch unter den Gästen ergriff Georg Schweppe das Wort. Als ehemaliger Rektor einer Förderschule ist er seit langem Begleiter des Prozesses zur Inklusion in Bremen. „Wir dürfen nicht auf einzelne Gruppen in der Gesellschaft verzichten, sondern müssen Menschen mit Behinderung stärken, damit sie ihre eigenen Interessen vertreten können“, betonte er. Eine gemeinsame Bildung unterstreiche die Relevanz, Würde und Anerkennung aller Menschen. Ohne die aktive Zusammenarbeit aller politischer, gesellschaftlicher, kirchlicher und sozialer Einrichtungen könne man dieses Ziel nicht verwirklichen. Vor diesem Hintergrund freute sich Schweppe, dass Vertreter aus verschiedenen Einrichtungen das Brilliter Forum aufmerksam verfolgten.
Er wies aber auch darauf hin, dass trotz der Vorteile inklusiver Schulbildung für die Schulträger noch nicht absehbar sei, welche Kosten auf sie zukämen, um die entsprechenden Voraussetzungen in ihren Schulen zu schaffen. „Wir sprechen hier nicht von einem Sparmodell“, sagte Schweppe.
Der Landkreis Rotenburg hat in seinen Augen jedoch einen Startvorteil gegenüber anderen Kommunen. Er werde von einer längeren „Aufwärmphase“ auf dem Weg zur inklusiven Bildung profitieren. Man fange hier nicht bei Null an. Nach dem Vortrag des ehemaligen Rektors startete eine offene Diskussionsrunde, in der das Publikum Fragen an die Referenten richten konnte. (bz/as)
