
In diesem Jahr erwartete die Zuschauer bei der 15. Landesschau der Fleischrinder mit rund 150 Tieren ein großes Rassespektrum. Erstmals war eine größere Kollektion Fleckviehkühe und -bullen zu sehen. Die meisten Tiere aber stellen die Rassen Galloway, Charolais und Limousin. Doch auch Blonde d'Aquitaine, Angus, Hereford, Shorthorn, Highland Cattle, Welsh Black und Zwergzebus aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und sogar Sachsen traten in einem spannenden Wettkampf an, um eine der schwarz-rot-goldenen Schleifen zu erlangen. Obwohl es große Unterschiede zwischen den Rassen gibt, haben sie doch eines gemeinsam, nämlich dass sie recht genügsam sind und sich in Form von Mutterkuhhaltung auch noch zur Landschaftspflege eignen. Selbst an weniger guten Standorten kommen die Tiere meist gut zurecht und tragen gleichzeitig zur Offenhaltung der Kulturlandschaft bei, was auch bei Naturschutzverbänden zum Schutze bestimmter Standorte und der dort vorkommenden Artenvielfalt sehr geschätzt wird. Eine Mischform von Landbewirtschaftung und Naturschutz, bei der beide Seiten gleichermaßen gewinnen können.
Jede Rasse hat dabei ganz eigene Zuchtziele, die von den Richtern bewertet werden. Beim Charolais, einer weißen bis cremegelben Rasse, wird dabei vor allem auf einen großen, breiten, tiefen und langen Körper selektiert. Selbstverständlich sollen die Tiere zu dem eine ausgeprägte Muskulatur im Bereich der Schulter, Rücken, der Lende, dem Becken und vor allem an der Keule aufweisen. All diese Kriterien erfüllte der viereinhalb Jahre alte Bulle „Beethoven“ von Züchter Rainer Moormann, so dass die Richter ihn mit der Bestnote, einem 1A, belohnten. Und obwohl „Beethoven“ gute 1300 Kilo auf die Waage bringt, benimmt er sich im Ring sanft wie ein Lämmchen – auch das ist eine Rasseeigenschaft der Charolais. In der gleichen Gewichtsklasse spielen auch die Bullen der Rasse Blonde d'Aquitaine, Deutsches Fleckvieh und Shorthorn. Es sind imposante Tiere, die nur mit einem Ring durch die Nase sicher geführt werden können. Doch während es bei den Bullen relativ ruhig bleibt, sind die weiblichen Tiere deutlich nervöser. Sie muhen, reißen an den Halftern und gehen auch schon mal durch, bei gut 32 Grad im Schatten ist das durchaus eine schweißtreibende Aufgabe für die Halter. Doch die Züchter bekommen die Kühe meist schnell wieder unter Kontrolle und so kann die Bewertung ohne größere Probleme durchgeführt werden. Die Entscheidung, welches Tier nun am überzeugendsten den Rassestandard erfüllt, fiel den Richtern Christian Sölzer, Johannes Röttger und Friedrich Averbeck nicht immer ganz leicht, denn unter den vorgestellten Tieren waren viele Rinder und Bullen der Top-Klasse. Und so wurden viele 1A-Benotungen verteilt und auch wer eine schlechtere Bewertung „kassierte“, muss noch lange nicht fürchten, dass sein Tier keine Chancen auf dem Markt haben könnte. „Die Nachfrage nach diesen Rassen ist in den vergangenen Jahren vor allem aus Osteuropa und der Schweiz deutlich gewachsen“, erläutert Richter Johannes Röttger. „Die Haltung und Züchtung hat sich in den vergangenen Jahren in Niedersachsen etabliert und auch der Verkauf der Tiere ist stetig gewachsen.“ Und wenn sich die Bullen oder Kühe dann auch noch mit einer guten Bewertung der Landesschau der Fleischrinder schmücken können, dann schnellt nicht nur die Nachfrage, sondern auch der Verkaufspreis in die Höhe – und das freut die Züchter natürlich besonders.
