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Neue Windparks im Landkreis?

ROTENBURG. Nach dem Beschluss der Bundesregierung, aus der Atomenergie auszusteigen, wächst die Bedeutung erneuerbarer Energien. Eine davon hat aufgrund ihrer Wirkung auf das Landschaftsbild auch im Landkreis Rotenburg in den vergangenen Jahren immer wieder für zum Teil heftige Diskussionen gesorgt: die Windenergie. Über die augenblickliche Situation und die Entwicklung sprachen wir mit Landrat Hermann Luttmann.

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Regenerative Energien sind ein wichtiger Faktor im Landkreis, sagt Hermann Luttmann . Foto: bn

Herr Luttmann, wie groß ist zur Zeit die Zahl der Windkrafträder im Landkreis Rotenburg?

Gegenwärtig gibt es im Landkreis 150 Anlagen aller Größenklassen mit einer Nennleistung von etwa. 200 Megawatt (MW). Zum Vergleich: Das im letzten Jahr abgeschaltete Kernkraftwerk Unterweser hatte eine Leistung von zirka 1400 MW.

Auf wie viel Anlagen müssen sich die Bürger noch einstellen?

Kurzfristig dürften in den bereits ausgewiesenen Standorten Sandbostel und Weertzen zirka 10 bis 15 neue Anlagen entstehen. Bei der Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms wird der Kreistag die Energiewende sicherlich berücksichtigen und weitere Gebiete für Windparks ausweisen. Die konkreten Planungen werden wir im nächsten Jahr mit einer Überarbeitung des Kriterienkatalogs für Vorrangstandorte für Windenergie beginnen. Eine Prognose, wie viele zusätzliche Anlagen wir letztlich bekommen werden, wage ich nicht.

Gibt es Schwerpunkte, sind Windparks geplant?

Im Hinblick auf die Windverhältnisse könnte der Nordteil des Landkreises einen Schwerpunkt für die neue Planung darstellen. Ich werde mich dafür einsetzen, Belange des Naturschutzes und der Naherholung sowie Anliegerinteressen umfassend zu berücksichtigen. Der kürzlich wieder ins Spiel gebrachte Standort in Eversen dürfte zum Beispiel im Hinblick auf das in der Nähe befindliche Naturschutzgebiet „Wolfsgrund“ sowie die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wenig Chancen haben, berücksichtigt zu werden.

Jedes Windrad mehr muss Ihrem ästhetischen Empfinden einen Tritt versetzen, oder hat sich Ihre bisher negative Meinung zu den „drehenden Spargelstangen“ inzwischen gewandelt?

Wenn die Energiewende in Deutschland tatsächlich gelingen soll, wird es nicht ohne zusätzliche Windenergieanlagen gehen. Es bleibt der Nachteil, dass die Windenergie nicht immer dann zur Verfügung gestellt werden kann, wenn sie benötigt wird. Allerdings: Erhebliche Fortschritte bei der Steuerungs- und Speichertechnik minimieren diesen Nachteil. Sicherlich wird es hier in den nächsten Jahren noch weitere deutliche Verbesserungen geben.

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie groß die Zahl der Windkraftanlagen im Landkreis Rotenburg höchstens sein darf?

Wie gesagt, ich wage keine Prognose. Zum einen, weil ich nicht weiß, ob der Gesetzgeber uns neue Vorgaben macht und es zum Beispiel zukünftig zulässt, Windenergieanlagen auch in Wäldern zu errichten. Zum anderen stellt sich die Frage, ob der neue Kreistag die Prioritäten ganz anders setzt als bei der Aufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms 2005.

Sehen Sie eine Alternative zu den Windkrafträdern?

Wenn wir in Deutschland auf Kernenergie und fossile Energieträger verzichten wollen, dürfte es mittelfristig ohne Windenergie nicht gehen. Erneuerbare Energien werden den Bedarf jedoch nur dann decken können, wenn wir uns noch weit stärker als bisher um Energieeinsparungen bemühen. (bn)

Artikel vom 31.01.12 - 12:00 Uhr
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