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Termine, Termine, Termine: Keine Zeit zum Leben?

SITTENSEN. „Termine, Termine, Termine: Keine Zeit zum Leben?“ Beim jüngsten Punkt-Sieben-Gottesdienst fühlten die Veranstalter dem Zeitdruck der Moderne auf den Zahn. Ob im Beruf oder im Privaten, Hobby oder Ehrenamt, überall seien Fristen, Zeitpunkte und Daten einzuhalten, beginnt Heinz-Dieter Kaiser seine Begrüßung.

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Die Szene stellt Wartende an einem Bahngleis dar, die die Verspätung ganz unterschiedlich nutzen. Ein ausgeglichenes Rentnerpaar, ein verliebtes Pärchen und ein gestresster Manager.

Der Moderator vergleicht die EDV-unterstützten Kalender mit denen aus Papier und bewundert die Gedächtnisleistung derer, die ohne auskommen. Bei allem, was wir tun, stelle sich eine Frage: „Wie gehe ich mit der von Gott geschenkten Zeit um?“ Kaiser nutzte die Gelegenheit und leitete die Frage an den Interviewpartner weiter. Uwe Schradick ist in der Börde gut bekannt. Beruflich bei der Zevener Volksbank tätig, füllt der Vater zweier Kinder „nebenher“ ein halbes Dutzend Ehrenämter aus. Diese reichen vom Sport- und Schützenverein hin zu Stiftungen und Fanclubs. Er selber nutze zwei Kalender, erzählt Schradick, einen elektronischen und einen aus Papier, in den er alle Termine überträgt. „So kann ich nichts vergessen.“ Priorität habe das, was als nächstes ansteht, erklärt er seine Terminplanung.

Um nicht zur Marionette der Verpflichtungen zu werden, sucht der vielbeschäftigte Mann Entspannung beim Lesen und Fußballschauen. „Eine Übertragung meines geliebten FC Bayern haben ich nur selten verpasst“, schmunzelt Schradick. Selbstverständlich müsse mal etwas verschoben oder verkürzt werden. Und so, passend zur Thematik, verlässt Schradick die St.-Dionysius-Kirche vor Ablauf der Agenda. Er wurde bereits bei seinem Sportverein, dem TuS Nartum, erwartet, wo er an einer Feierlichkeit teilnehmen sollte.

„Die Zeit ist relativ.“ Pastor Sven Kahrs zitierte den Physiker Albert Einstein und erklärte dessen Relativitätstheorie mit folgendem Beispiel: Zwei Stunden mit einem geliebten Menschen werde wie zwei Minuten empfunden, das Aushalten eines unangenehmen Momentes dagegen wie Stunden.

1835 fand die offizielle Eröffnungsfahrt des „Adlers“ statt. Der Zug bewältigte die Strecke von Nürnberg nach Fürth in neun Minuten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde. Ein ICE der aktuellen Generation kommt eine Spitzenleistung von 300 Kilometern in der Stunde und braucht für die gleiche Strecke etwa eine Minute, führt Kahrs aus. Nicht die Zeit habe sich im Laufe der Jahre verändert, sondern das Empfinden. Eine Minute verfüge weiterhin über 60 Sekunden. „Wir können keine Zeit sparen und keine verlieren“, so der Geistliche, „wir haben nur die Zeit auf Erden, die uns Gott schenkt. Es ist an uns, sie sinnvoll zu nutzen. Machen wir es wie die Bahnhofsuhren: Sobald der Minutenzeiger auf die Zwölf kommt, hält er einen Moment inne, um einen Impuls von der so genannten Mutteruhr zu empfangen. Vielleicht sollte auch jeder von uns einmal einen Moment aussetzen, um dann zur richtigen Zeit, wieder einzusetzen.“ (kv)

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Heinz-Dieter Kaiser (links) und Uwe Schradick (rechts) im Interview.
Artikel vom 10.01.12 - 12:00 Uhr
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