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Viel Lob für die blühenden Streifen

Rotenburg. Sonnenblumen, Alexandrinerklee, Kalifornischer Mohn: An manchen Straßen- und Wegesrändern blühte es in den vergangenen Monaten kräftig. Erst auf den zweiten Blick fiel der Mais auf, der sich hinter diesen Streifen auftat. Für die von der Landvolkinitiative „Bunte Felder“ gestartete Aktion gab es viel Lob, freute sich Heinz Korte, Vorsitzender des Landvolkverbands Bremervörde. Das Projekt soll daher ausgeweitet werden, wobei allerdings auch einiges verbessert werden könnte, so eine erste Bilanz.

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Findet sich hier irgendwo Phacelia? Dr. Hartmut Schröder (links) und Uwe Baumert auf Artensuche .

Auf einem Feld des Landwirts Frank Heilemann in Rotenburg-Hohenesch stehen „Bunte Felder“-Geschäftsführer Dr. Hartmut Schröder und NABU-Kreisvorsitzender Uwe Baumert mitten in einem zwölf Meter breiten Blühstreifen und bestimmen Pflanzenarten. Saatgutmischungen mit Namen wie „Blütenzauber“ und „Bienenweide“ haben die teilnehmenden Landwirte im Frühjahr am Rande ihrer Maisfelder ausgesät – jede davon bestehend aus gut 20 Sorten. Es war eine Reaktion auf die anhaltende Kritik an der „Vermaisung“ der Landschaft.

In diesem Sinne hat die im Februar gegründete Initiative nach Einschätzung Kortes bereits einiges erreicht. „Der Maisanbau steht nicht mehr ganz so unter Beschuss wie in den Vorjahren. Das ist schon mal ein positives Zwischenfazit“, resümierte er in der Runde der Beiratsmitglieder, zu denen Landwirte, Jäger, Naturschützer und Imker zählen. Die Bauern verzichteten zwar auf einem Streifen ihres Ackers auf den Anbau von Mais, gewännen aber gesellschaftliche Akzeptanz. Und das, so Korte, ist auch ein Gewinn. Die Landwirtschaft stehe zum Mais, es gehe aber darum, dem Vorwurf der schwindenden Artenvielfalt entgegenzutreten, fügte sein Rotenburger Kollege Gerhard Eimer hinzu.

Die Initiative dient indes nicht nur dazu, den Maisanbau in ein positives öffentliches Licht zu rücken. Auch die Natur profitiert davon, verdeutlichte Uwe Baumert. Er war einer der ersten, der gerade auch im Landkreis Rotenburg Kritik an der „Vermaisung“ äußerte und vor einem drohenden Artenschwund warnte. Vor diesem Hintergrund begrüßt der NABU-Vorsitzende die Blühstreifen. Sie böten Platz für Insekten, außerdem fänden in dem üppigen Grün zum Beispiel Säugetiere wie Reh und Fuchs Schutz. Das Projekt sei mehr als bloße Kosmetik. Wichtig wäre allerdings, wenn möglichst viele der bunten Felder miteinander vernetzt werden, so dass sich größere Naturräume böten.

Möglich wäre dies, wenn sich mehr Landwirte an der Initiative beteiligen. Genau das will diese jetzt forcieren. Geplant ist, das Projekt nicht mehr nur für Betreiber von Biogasanlagen, sondern für alle zu öffnen, die Mais anbauen – also insbesondere auch für Milchviehbauern und Schweinehalter. In all diesen Bereichen spiele Maisveredelung eine wichtige Rolle, unterstrich Frank Heilemann.

Einiges kann besser werden

Unter dem Strich halten die Beiratsmitglieder das zusammen mit Interessierten aus dem Landkreis Verden betriebene und bundesweit einmalige Projekt zum Ende der ersten Saison für gelungen. Die blühenden Felder und die erläuternden Hinweisschilder seien bei vielen gut angekommen. Der bisherige Projektverlauf zeige aber auch, dass manches noch verbessert werden kann. So sind die Saatgutmischungen nach Einschätzung Kortes zum Teil zu dicht ausgesät worden, weshalb sich manche Pflanzen nicht gut entwickeln konnten oder mehr lagen als gen Himmel ragten.

Auch könnten die Mischungen selbst ein wenig verändert werden, damit sie noch bunter blühen. „Das war mir zu gelb“, bemängelte der Landvolkvorsitzende. Einige Arten würde er zudem gerne durch einheimische Gewächse ersetzen. Und: An einigen Stellen kam mehr Kraut durch als erwartet.

Nicht bewährt hätten sich drei Meter breite Blühstreifen. Sechs Meter sollten es mindestens sein, so die einhellige Meinung im Beirat. Sind die Streifen zu schmal, böten sie kleineren Tieren kaum Schutz. „Da braucht der Fuchs dann nur einmal durchlaufen“, schilderte Jäger Jürgen Luttmann. Damit das Wild auch im Winter Schutz findet, empfiehlt die Initiative ihren Mitgliedern, die ausgeblühten Grünstreifen über die kalte Jahreszeit stehen zu lassen – außer an viel befahrenen Straßen, um Wildunfälle zu vermeiden. Befürchtungen, dass die „bunten Felder“ generell ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen, konnten die Beiratsmitglieder nicht bestätigen. Man werde das aber im Auge behalten, versprachen sie.

Frank Heilemann sprach während der Felderbesichtigung von insgesamt positiven Erfahrungen. Ob die anderen an dem Projekt beteiligten Landwirte diese Einschätzung teilen, lässt sich derzeit allerdings noch nicht sagen. Entsprechende Rückmeldungen stünden noch aus. (oer)


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Artikel vom 05.10.11 - 12:00 Uhr
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