Luttmann: „Bei uns sieht es nicht gut aus, aber in anderen Gegenden Deutschlands, ich denke dabei an den Bereich Harz oder auch insgesamt an die neuen Bundesländer, sieht es wesentlich schlechter aus. Wir haben gute Chancen, die anstehenden Probleme zu bewältigen.“
Ende 2007 hatte der Kreis Rotenburg was die Zahl der Einwohner betrifft seinen bisherigen Höchststand mit 165 074 Personen erreicht. Im Jahr 2008 nahm die Einwohnerzahl um 475 ab.
Im Jahre 2009 gab es im Kreis 1329 Geburten gegenüber 1577 Gestorbenen. Das bedeutet ein Geburtendefizit von 248 und eine Bevölkerungsabnahme von 543 Einwohnern. Mit einer Abnahme von 132 Personen auf 12 384 Einwohner ist die Gemeinde Scheeßel am stärksten betroffen.
Die Bürgermeisterin: „In den vergangenen Jahren gehörte Scheeßel zu den Gewinnern bei den Einwohnerzahlen. Da waren wir neben Zeven und Sittensen eine von drei Kommunen mit Plus. Diesmal gehören wir zu den übrigen zehn Städten und Gemeinden, die Verluste hinnehmen mussten gegenüber dem vorangegangenen Jahr.“
Zu den Gründen zählen die überall registrierten gesunkenen Geburtenzahlen, die im vergangnen Jahr besonders hohe Zahl an Schulabgänger und die verstärkte Bereitschaft junger Menschen, zum Studium oder zur Berufsausbildung den Heimatort zu verlassen. „Auf diese drastisch gesunkenen Kinderzahlen müssen wir kommunalpolitisch reagieren. Der demografische Wandel ist keine vorübergehende Delle und Verschuldung keine Lösung“, kommentiert Dittmer-Scheele.
Nach den Worten der Bürgermeisterin gab es bis 2003 pro Kindergartenjahrgang 140 Kinder. Seitdem habe sich diese Zahl dauerhaft auf knapp 100 eingependelt. Scheeßel sei seit 2001 führend in der Entwicklung der Betreuungsangebote. Es müsse weiter etwas getan werden, so die Verwaltungschefin, zum Beispiel bei den Krippen, während bei Kindertagesstättenplätzen für die nächsten Jahre ein Überhang zu erwarten sei.
Unumgänglichen Veränderungen wird in Scheeßel mit Ideen begegnet. Eine davon lautet: Vorhandene Räume in der Beeke-Schule sollten bei Bedarf umgenutzt werden – für eine Krippengruppe. Das könne auch ein Anreiz sein, um weitere gute Lehrkräfte an die Beeke-Schule und Eichenschule zu holen.
Der Landrat meint: „Ich habe den Eindruck, dass die Kommunalpolitik im Landkreis erkannt hat, dass wir uns in den nächsten Jahren intensiv mit den Auswirkungen des demografischen Wandels beschäftigen müssen.“ Ein Beispiel: Bezogen auf 2006 wird es bis 2025 einen Rückgang der Schüler um 25 Prozent geben. Entsprechend weniger Schulen werden benötigt. In Bremervörde hat man bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Dort, wo es zur Zeit noch sechs Grundschulen gibt, wird ihre Zahl auf Beschluss des Stadtrates auf zwei reduziert.
„Der demografische Wandel“, so der Landrat, „bedeutet für den Landkreis weniger, dass die Bevölkerung abnimmt. Aber auch wir müssen damit leben, dass die Bevölkerung insgesamt älter wird. Das sollten wir nicht negativ sehen, denn hieraus erwachsen für uns auch Menge Chancen, wenn wir es schaffen, dass die ältere Generation weiter am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.“
Die älteren Menschen, betonte Luttmann, seien im Vergleich zu früher wesentlich länger fit. Sie könnten deshalb länger arbeiten, und die jüngere Rentnergeneration gehörte nicht „zum alten Eisen“. Ihre Erfahrungen könnten vielmehr hervorragend genutzt werden, unter anderem im Bereich ehrenamtlicher Tätigkeit. Die älteren Menschen, betonte der Landrat, sollten mehr als bisher eingebunden werden in das gesellschaftliche Leben. Mit der Institution „Wirtschaftssenioren“ habe man im Kreis sehr gute Erfahrungen gemacht. (bn)
