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Sonntagsjournal

Kapitän auf der Schiene

Uhr Von Wolfgang Millert
Ab dem hinteren Bahnhofsgelände in Ostereistedt ist für diese Handhebeldraisinen die Passage auf dem Schienenstrang in Richtung Zeven zu Ende.

TARMSTEDT. Einer, der die Draisinenstrecke Wilstedt-Ostereistedt-Zeven wie seine eigene Westentasche kennt, ist Eisenbahnfan Kurt Aschermann. Auch ihn betrübt es zutiefst, dass der Abschnitt von Ostereistedt bis Zeven durch ungezügelten Wildwuchs unpassierbar ist. Wir berichteten über den Zustand in unserer Ausgabe am vergangenen Sonntag. Aber Aschermann weiß ebenso um die Vorzüge der übrigen Schienenkilometer, die er mit großem Engagement in Ordnung hält.

Kurt-Dieter Aschermann zog es 1970 aus der Großstadt Bremen ins beschauliche Tarmstedt. Damals hat er noch als Kapitän bei der christlichen Seefahrt das Kommando geführt. Erst vor acht Jahren, als er Seezeichen und Bojen ade sagte, habe er seine Liebe zu Eisenbahnsignalen und Andreaskreuzen entdeckt, bekennt der 78-jährige kernige Pensionär. Am Bahnhof in Tarmstedt zeigt er auf ein Unikum, das auf der Straße und auf der Schiene fahren kann. Ein alter Suzuki SJ 410, der auch schon auf großen Schiffen bei Aschermanns Törns auf den Weltmeeren dabei war, hat er in vielen Arbeitsstunden zur Motordraisine umgebaut. Wenn er mit dem Vehikel nicht gerade zwischen Wilstedt und Ostereistedt auf den Schienen der ehemaligen WZTE unterwegs ist, steht sie zu Hause in seiner Garage in der Weißenberger Straße. Dafür parkt sein VW-Passat draußen. Die Räder der „Lena-Henriette“, so nennt er seine Draisine liebevoll, hat er von einer alten Moorbahn bekommen, die Spur verbreitert und mit viel Liebe zum Detail zum Unikat umgebaut. Dabei hat ihm der neben dem ehemaligen Tarmstedter Bahnhofsgebäude ansässige Landmaschinenbetrieb Grabau immer mit speziellem Arbeitsgerät und Material hilfreich zur Seite gestanden.

Von der Wilstedter Straße bis zum Bahnhof präsentiert sich das Gelände links und rechts der Schiene in einem Top-Zustand. „Um das so in Ordnung zu halten, machen die Anlieger auch prima mit“, freut sich Aschermann. Er hat sogar das kurze Stück Nebengleis mit ein paar Helfern freigebuddelt, die Schienen wieder zurecht gebogen und am Ende einen kleinen Lokschuppen gebaut, auf dessen Stirnseite der Schriftzug „Draisinenbahnen BB“ prangt. BB steht für Berlin/Brandenburg, das Unternehmen hat seinen Sitz in Mittenwalde im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. In dem Tarmstedter Schuppen befindet sich neben allerlei Werkzeug ein Draisinenanhänger, der zehn Personen Platz bietet. Natürlich hat Kurt auch den selbst gebaut.

Von der Wilstedter Straße fahren wir ein paar Kilometer mit der „Lena-Henriette“ vorbei an Bahnhof und rückwärtigen Grundstücken der anliegenden Häuser in Richtung Kartoffelscheune am Ortsausgang Tarmstedt. Alles picobello sauber, kein überhängendes Geäst, keine Brombeersträucher an der Strecke. Kurt hat das alles freigeschnitten. „Ich bin glücklich, wenn ich auf meiner Draisine sitze und vor mir Rehe und Hasen über die Schienen springen“, strahlt er und fügt grinsend hinzu, „ich weiß, dass ich eisenbahnverrückt bin.“

Ab der Kartoffelscheune sind die Büsche und Dornen dann ein wenig mehr geworden, weshalb es ratsam ist, dass die Fahrgäste auf der Strecke bis nach Ostereistedt besser lange Hosen auf ihrer Tour mit Handhebel- und Fahrraddraisine anziehen. Aber diesen Abschnitt will Kurt Aschermann demnächst auch noch freischneiden.

Weil es schneller geht, entscheiden wir uns für eine Fahrt mit dem Pkw auf der Straße zum Ostereistedter Bahnhof. Hier ist momentan Endstation, die Werkstatt der Draisinenbahn angesiedelt. Das ehemalige Feldhaus der Eisenbahnfreunde Zeven und aufgeräumtes Gelände laden zur Muße. Im früheren Werkstattgebäude der EVB zeigt Kurt Aschermann die urige Feldbahn, die einst ebenfalls den Zevener Eisenbahnfreunden gehörte und an die Draisinengesellschaft verkauft wurde. „Zwei Jahre hat die in Wilstedt im Freien gestanden, jetzt habe ich sie wieder am Laufen“, sagt er. Mit einem Druck auf den Startknopf springt die „Dimag“ sofort an und seine Augen leuchten voller Stolz.

Hinter dem Gebäude stehen ein paar ausgemusterte Bundesbahnwaggons, die von den Draisinenbahnen BB für Übernachtungen der Draisinentouristen angeboten werden. Hier beginnt aber auch schon die Walachei in Richtung Zeven. Die Strecke ist total dichtgewuchert und völlig unpassierbar. Es sei sein großer Traum, auch dieses letzte Stück wunderbarer Natur zwischen Wilstedt und Zeven eines Tages wieder herzurichten. Dazu brauche er jedoch etliche tatkräftige Helfer, zuckt „Käpt’n“ Aschermann ein wenig ratlos die Schultern. Aber die Hoffnung zur Umsetzung seines Traumes wird er wohl niemals aufgeben.

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