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Sonntagsjournal

Tätern droht Anzeige

Uhr Von Frauke Hellwig
Stefan Schulz (links) und Claus Vollmer ärgern sich über den immer wiederkehrenden Frevel am Efeu. Foto: Hellwig

ZEVEN. Unsere einheimische, immergrüne Kletterpflanze, das Efeu (Hedera helix) ist bei vielen Menschen nicht gerade beliebt. Dem Efeu werden viele böse Dinge nachgesagt, die auch immer wieder dazu führen, dass sich „Naturschützer“ gezwungen fühlen, einzuschreiten. Und das sieht so aus: Sie kappen zum großen Ärger von Förster Stefan Schulz kurzerhand die Lianen des Efeus und bringen ihn damit zum Absterben. Und das passiert besonders häufig in Zeven.

Am Efeu scheiden sich tatsächlich die Geister. Für die einen ist er ein kraftvoller Klettermaxe, der bis in schwindelerregende Höhen wachsen kann, für die anderen ein todbringender Baumkiller. Auch Claus Vollmer, Umweltbeauftragter der Samtgemeinde Zeven bekommt immer wieder besorgte Anrufe von Bürgern, die verlangen, dass das Efeu von den Bäumen entfernt werde. „Das wäre aber eher kontraproduktiv. Efeu schadet einem Baum nicht. Vielmehr bildet das Gewächs einen ganz eigenen Lebensraum für viele Arten, die davon und darin leben.“ Und das hat auch die BUND-Kreisgruppe Region Hannover anhand von diversen Untersuchungen herausgefunden. (Einen Artikel dazu gibt es unter dem Link http://region-hannover.bund.net/uploads/media/Efeu_und_Baeume.pdf zu lesen). Zum einen würgt der Efeu keinen Baum zu Tode, denn der Klimmer bildet Nähr- und Haftwurzeln aus, letztere dienen ausschließlich als Kletterhilfe und können keine anderen Pflanzen anzapfen. Ein Bewuchs mit Efeu vermindert weder das Höhen- noch das Dickenwachstum, hat keinen Einfluss auf die Vitalität des Baumes und führt auch nicht zu einem erhöhten Absterberisiko, führen die Naturschutzfachleute aus. Vielmehr fördere er das Wachstum des Baumes sogar noch. Das sich am Waldboden schnell zersetzende Efeulaub hat einen günstigen Einfluss auf die Stoffumsätze im Laubstreu, auch weil der Efeu durch den Laubabwurf im Frühsommer das Bodenleben zu einem Zeitpunkt fördert, in dem anderes frisches Falllaub noch nicht verfügbar ist. Der Efeu begünstigt somit sogar die Ernährung des Baumes.

Revierförster Stefan Schulz von den Niedersächsischen Landesforsten ist daher sauer, wenn er immer wieder auf abgetrennte Lianen trifft. „Die Leute, die so etwas tun, meinen es vielleicht gut, aber dieser Schuss geht in Wahrheit nach hinten los.“ Aus seiner langjährigen Laufbahn als Förster weiß er, dass alte Eichen die von ebenfalls uralten Efeusträngen bewachsen sind, keinerlei Schäden davon tragen. „Darüber hinaus bietet das Efeu vielen Tierarten einen Lebensraum.“ Allein seine Blüten locken knapp 70 Insektenarten an und das in einer Jahreszeit, in denen ein Großteil der Pflanzen bereits verblüht ist oder kurz davor steht. Der Efeu bietet also in einer kargen Zeit eine willkommene Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln, Wespen, Fliegen, Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge. Und sie wiederum sind die Lebensgrundlage für andere Insekten, Vögel und Fledermäuse. Und Efeu bietet zudem auch Wohnraum: In seinem dichten Geflecht aus Lianen, Zweigen und Blättern, bietet er geschützte Nistmöglichkeiten für freibrütende Vögel wie Amsel, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Zilpzalp, Sommergoldhähnchen, Schwanzmeise, Waldbaumläufer, Ringeltaube und Eichelhäher. Andere Vogelarten nutzen das immergrüne Gewirr im Winter als schützenden Schlafplatz. Vögel profitieren aber auch noch in anderer Hinsicht von dem Klettermaxe – seine Früchte sind eine wichtige Nahrungsressource und bieten im späten Winter und im Vorfrühling, wenn Beeren rar sind, einen reich gedeckten Tisch.

Um aber tatsächlich diesen wichtigen Platz in der Natur einnehmen zu können, müssen insbesondere alte, blühende und fruchtende Efeupflanzen unbedingt erhalten bleiben. Denn Efeu kommt frühestens nach acht bis zehn Jahren zur Blüte, benötigt an großen Bäumen, vor allem im Wald, noch deutlich länger, meist gleich mehrere Jahrzehnte bis zur Blühreife. Efeupflanzen, die dieses Stadium erreicht haben, verdienen daher einen besonderen Schutz. Alte und starke Efeustämme sollten aus Naturschutzsicht ebenso wie Uraltbäume unbedingt erhalten bleiben. „Wir müssen endlich mal aufhören, die Natur immer in Gut und Böse einzuteilen“, betont Claus Vollmer weiter. Und auch Stefan Schulz setzt alles daran, das Efeu an seinen Bäumen zu erhalten. „Wenn wir jemanden erwischen, dann gibt es eine Anzeige.“ Niemand habe im Wald auf eigene Faust „herum zu werkeln“, unterstreicht der Förster.

„Es passiert einfach zu viel dummes Zeug durch Unwissenheit“, ärgert sich der Waldexperte. Auffällig ist, dass gerade in der Ahe, auch entlang der Bäckerstraße, im Herrenbruch und sogar im Stadtpark mittlerweile vertrocknete Lianen an den Bäumen hängen. Ein trauriger Anblick – gerade im Hinblick auf den geschilderten, extrem reichhaltigen Nutzen für die ohnehin durch menschliche Aktivitäten stark beeinträchtigte Natur.

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