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Sonntagsjournal

Von Zeven nach Remscheid

Uhr Von Frauke Hellwig
Carl-Heinrich „Bobby“ Offermann (Mitte), der seine Großeltern Louise und Carl häufig in Lennep/Remscheid besuchte.

ZEVEN. Viele Familien in Zeven dürften auf eine ähnliche Geschichte zurückblicken wie die von Carl-Heinrich „Bobby“ Offermann. Der Bäcker und Konditormeister hat ebenfalls viele Auswanderer in seiner Familie, die zum Teil schon vor 100 Jahren in die USA ausgewandert und seitdem mit süßen Leckereien verbandelt sind – mit einem Candystore in New York. Bobby Offermann erzählt, wie es dazu kam.

In den Fotoalben der Familie Offermann befinden sich Bilder von einem großen Ozeandampfer, auf dem Vater Arnold an der Reling steht und ein weiteres, das zeigt, wie er im Candystore in New York, den die älteste Schwester seiner Mutter Louise Offermann, geborene Buck aus Zeven, im Big Apple eröffnete, Eis verkauft. Doch beginnen wir von vorn: Louise Buck wurde 1880 in Zeven geboren, damals noch ein beschauliches Nest mit rund 3000 Einwohnern. Die Zeiten waren nicht gerade rosig, so zog es viele Deutsche nach Übersee, um dort ein besseres Leben zu suchen und zu finden. Auch zwei Geschwister von Louise wagten den Sprung über den großen Teich. „Eine von ihnen eröffnete einen Candystore, also einen Bonschen-Laden in New York“, erzählt Bobby Offermann. Auch Louise Buck hat es gewagt, eines der großen Schiffe zu besteigen und ihrer Schwester zu folgen, um ihr dort den Haushalt zu führen. „Amerika war aber nicht ihre Welt und so kam sie nach einem Jahr wieder zurück.“ Damals benötigten die Dampfer gut vier Wochen für eine Überfahrt über den Atlantik. Eine lange Zeit, die auch nicht wie heute durch allerlei angenehme und kurzweilige Unterhaltungsangebote verkürzt wurde. Dafür aber hatte man ausreichend Gelegenheit, sich unter den Passagieren an Deck umzusehen. Und das tat nicht nur Louise, sondern auch Carl Offermann aus Remscheid/Lennep. Der junge Mann hatte ein Jahr lang in einer amerikanischen Feilenfabrik gearbeitet und war auf dem Rückweg in seine nordrhein-westfälische Heimat, wo seine Eltern selbst eine Feilenfabrik besaßen. Genauer die Germania Präzisionsfeilen, gegründet 1865. Sie stellten mit 150 Mitarbeitern rotierende Werkzeuge, Fräser, Feilen und Schleifkörper der Marken Adler Feilen und Falken Raspeln her. Sohn Carl war quasi unterwegs in Sachen Industriespionage. „Die Amerikaner hatten damals bessere Maschinen, um Feilen zu produzieren, also wurde Carl natürlich inkognito dorthin geschickt, um diese auszuspionieren und sie in Deutschland nachzubauen. Und das hat er wohl auch geschafft“, sagt Enkel Bobby Offermann weiter. Er habe gehört, dass sein Großvater die Maschinen mit Garn ausgemessen habe und später tatsächlich einige Exemplare nachgebaut hätte.

Doch zunächst stand die weite Reise über den Atlantik zurück zu seiner Familie an. An Bord lernte er Louise Buck kennen und beide scheinen sich schnell näher gekommen zu sein, denn Carl sagte sich schon kurz nach der Rückkehr bei der Familie seiner Louise in Zeven an. Eine umständliche Reise mit der Eisenbahn nach Rotenburg und von dort aus mit dem eigens für ihn geschickten Kutschwagen weiter nach Zeven. Keine einfache Anreise, aber sie hat sich gelohnt, denn die Beziehung der beiden entwickelte sich prächtig. 1902 war es dann so weit, Louise Buck verließ das heiß und innig geliebte Zeven für ihren Carl und heiratete ihn, bekam drei Kinder, Carl, Dora und Arnold. Genauso prächtig entwickelte sich auch die Feilenfabrik, trotz des privaten Glücks hatte Louise aber sehr viel Heimweh nach Zeven. „Alles, was aus Zeven kam war in ihren Augen spitze, das hat man gemerkt, wenn wir bei unseren Besuchen etwas von hier mitgebracht haben“, erinnert sich Bobby Offermann. „Und ich habe sie häufig besucht.“

Sein Vater Arnold wollte eigentlich den familieneigenen landwirtschaftlichen Betrieb im Meyerhöfen übernehmen, begann auch eine Lehre in der Landwirtschaft. „Aber nach sechs Monaten hat er in den Sack gehauen und ist nach Amerika gegangen, um im Laden seiner Tante in New York Eis zu verkaufen.“ Das hat er sechs Jahre lang getan. Danach zog es ihn wieder zurück nach Zeven und er hat tatsächlich den Hof übernommen, auch mit Hilfe seiner späteren Frau, Grete Spreckels von der gleichnamigen Gaststätte in Zeven. Vier Kinder bekam das Ehepaar, einer davon war Carl-Heinrich. Der aber wollte Bäcker werden und hat diesen Beruf auch gelernt, da es aber bei Oma Louise auch noch Tante „Dickchen“ gab, die süßen Leckereien nicht abgeneigt war, bot sich ihm durch ihr Engagement die Gelegenheit, in Remscheid noch Konditor zu lernen. „Das war damals gar nicht so einfach als gelernter Bäcker noch Konditor zu werden“, erinnert sich der Zevener.

Aber Tante „Dickchen“ hat sich für ihn eingesetzt und es am Ende doch möglich gemacht. Und so kam es, dass er sich im Laufe seines Arbeitslebens in seiner Backstube in der Poststraße auf Berliner spezialisierte, von denen alteingesessene Zevener bis heute schwärmen. „Ohne Tante Annemarie und die Verbindung nach Amerika wäre das vielleicht nicht so gekommen“, vermutet Offermann. Danke, Tante „Dickchen“.

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