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Keine Experimente: „Get Rollin‘“ von Nickelback

Fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich Nickelback mit „Get Rollin‘“ zurück. Auf ihrem zehnten Album setzen die Kanadier auf den bewährten radiotauglichen Rocksound - Powerballade inklusive.

Von Philip Dethlefs, dpa
18. November 2022
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Nickelback bleiben sich auf zehntem Album treu.

Nickelback bleiben sich auf zehntem Album treu.

Foto: Richard Beland/Sailor Entertainment/dpa

Sie sehen aus wie die netten Jungs von nebenan, aber wenn die Mitglieder von Nickelback losmusizieren, dann setzt es die volle Packung Testosteron-Rock. Vielleicht sorgt dieser Gegensatz dafür, dass die Kanadier trotz geschätzt 50 Millionen verkaufter Alben und gefüllter Konzertarenen von vielen Musikkritikern und auch von einigen Rockfans immer ein bisschen unfair belächelt werden.

Das wird sich mit ihrem zehnten Studioalbum vermutlich nicht mehr ändern. Auf „Get Rollin‘“ machen Frontmann Chad Kroeger und Co. das, wofür man sie spätestens seit ihrem Megahit „How You Remind Me“ kennt: wuchtigen, melodischen und vielleicht etwas zu polierten Hardrock mit fetten Gitarrenriffs und kräftigem Gesang von Kroeger.

„Im Kern sind wir eine Rockband“

Wenn er in „San Quentin“ singt, dass jemand ihn doch bitte unbedingt davor bewahren möge, in dem berüchtigten Gefängnis zu landen, muss man schon ein bisschen schmunzeln. Aber der krachende Song, der das Album eröffnet, rockt. „Im Kern sind wir eine Rockband“, betont Kroeger. Zugegeben, der Text von „Skinny Little Missy“, die „keinen Freund möchte“ und „nie dein Schlafzimmer zieren wird“, ist nah an der Grenze zum Fremdschämen. Doch es ist ein Ohrwurm.

Mit Track drei und vier widmen sich Nickelback wieder voll ihrem radiotauglichen Softrock-Sound, der sie weltweit bekannt gemacht hat. „Those Days“ erinnert sowohl inhaltlich als auch melodisch stark an den Hit „Photograph“ von 2005. „High Time“ ist der Nachfolger im Geiste der Single „When We Stand Together“ von 2011.

Kroeger hat auf den richtigen Moement gewartet

„Tidal Wave“ ist ein eher sanft rockendes Liebeslied, das bis auf den albernen Wellen-Soundeffekt wirklich nett ist. Mit „Does Heaven Even Know You’re Missing“ packen Nickelback hingegen das ganz große Geschirr aus. Es ist die x-te Neuauflage der bandtypischen, kitschigen Powerballade. Kroeger hatte es nach eigenen Angaben schon vor 14 Jahren geschrieben und auf den richtigen Moment gewartet.

Das letzte Drittel von „Get Rollin‘“ plätschert etwas vor sich hin - auch weil die Band ihre musikalische Formel permanent wiederholt. Nickelback im Jahr 2022 klingen im Grunde wie Nickelback im Jahr 2002. „Es fällt mir schwer, von Weiterentwicklung zu sprechen“, bestätigt Kroeger selbst. Doch Albumverkäufe und volle Konzerthallen sprechen für sich. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann ist „Get Rollin‘“ insgesamt ein recht solides Rockalbum.

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