Politik

Erneut Proteste gegen Atomgeschäfte mit Russland im Emsland

Atomkraftgegner fürchten eine Lieferung russischen Urans in die Brennelementefabrik im Emsland. Aus Protest haben sie eine Mahnwache veranstaltet. Unterdessen genehmigte der Bund den Transport von Brennelementen aus Lingen nach Kasachstan.

Von dpa
10. November 2022
Email senden zur Merkliste
Umweltschützer demonstrieren gegen eine mutmaßliche Lieferung von Uran aus Russland in Lingen.

Umweltschützer demonstrieren gegen eine mutmaßliche Lieferung von Uran aus Russland in Lingen.

Foto: Lars Klemmer/dpa

Atomkraftgegner haben erneut vor einer Brennelementefabrik in Lingen im Emsland gegen Lieferungen russischen Urans protestiert. Es hätten 20 bis 25 Menschen an der Mahnwache teilgenommen, sagte ein Veranstalter am Donnerstag. Der Protest in Lingen richte sich gegen erfolgte und zu erwartende Uranimporte aus Russland sowie generell gegen den Betrieb der Brennelementefabrik in Lingen, für die es bisher keinerlei Laufzeitbegrenzung gebe, teilte der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) mit.

Erst Ende September hatte ein Uran-Transport aus Russland die Fabrik erreicht, wie aus später veröffentlichten Daten des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hervorging. Für Kernbrennstoffe gibt es ebenso wie für Gas auf EU-Ebene kein Einfuhrverbot aus Russland.

Am 7. November wurde erneut für das deutsche Hoheitsgebiet eine Genehmigung für den Transport von unbestrahlten Brennelementen aus der Fabrik in Lingen nach Kasachstan genehmigt, wie das BASE auf seiner Internet-Seite mitteilte. Wann konkret ein genehmigter Transport stattfinde, liege in der Verantwortung des jeweiligen Transportunternehmens in Abstimmung mit den zuständigen Aufsichts- und Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, hieß es. Informationen über Transportzeitpunkte könnten aus Sicherungsgründen nicht vorab veröffentlicht werden.

Nach Informationen der Umweltschützer ist das russische Frachtschiff „Mikhail Dudin“ auf dem Weg von St. Petersburg und hat als möglichen Zielhafen Rotterdam. Umweltorganisationen aus den Niederlanden, Deutschland und Russland befürchten, dass sich an Bord erneut angereichertes Uran aus Russland für die Brennelementefabrik Lingen befindet.

Die Geschäfte mit dem Kreml-Konzern Rosatom seien zynisch und ein Schlag ins Gesicht der leidenden Bevölkerung in der Ukraine, teilte der BBU weiter mit. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und die stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Hamburg (Grüne) müssten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) umgehend zum Handeln bewegen. „Wir drängen darauf, Uranimporte aus Russland zur Brennelementefabrik in Lingen zu stoppen“, heißt es im Koalitionsvertrag der neuen rot-grünen Regierung in Hannover.

In Lingen werden seit mehr als 40 Jahren Brennelemente für die nukleare Stromerzeugung in Europa hergestellt. Die Brennelementefabrik gehört dem französischen Unternehmen Framatome. Sie beliefert unter anderem Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.

Die Mahnwache sei ordnungsgemäß von den Umweltaktivisten angemeldet worden, sagte eine Sprecherin der Polizei. Zu möglichen Lieferungen oder Transporten von Kernbrennstoffen wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

0 Kommentare
PASSEND ZUM ARTIKEL
zur Merkliste

Politik

Sachsen-Anhalts Ex-Finanzminister Bullerjahn gestorben
zur Merkliste

Politik

Fast überall in Kiew wieder Strom
nach Oben