Bremerhaven

Fynn Kliemann: "Ich persönlich hab gar kein Geld"

Wer versucht, Fynn Kliemann zu beschreiben, kann nur scheitern. Zu umfangreich sind seine Aktivitäten, zu oft häutet sich das Multi-Talent aus Zeven. Jetzt hat Kliemann sein Wirbeln selbst beschrieben. In einem langen Podcast. Die wichtigsten Einblicke aus dem Talk in seine Kliemannswelt gibt es hier - zum Nachlesen.

Fynn Kliemann ist ein außergewöhnlicher Mensch. Und auch sein Verhältnis zu Geld ist ungewöhnlich.

Fynn Kliemann ist ein außergewöhnlicher Mensch. Und auch sein Verhältnis zu Geld ist ungewöhnlich.

Foto: Screenshot

Fynn Kliemann ist ein Phänomen. Kaum jemand überblickt noch, was er alles macht. Youtuber, Musiker und Modemacher, Kliemannsland-Schöpfer, Krypto-Visionär und Netflix-Doku-Star, Jugend-Idol, Internet-Versteher und Multi-Unternehmer, – alles stimmt, aber nichts davon alleine und noch nicht einmal die Summe wird dem Wirken des Wirbelwinds komplett gerecht. Auch deshalb, weil der 33-Jährige aus Zeven (Kreis Rotenburg/Wümme) immer wieder neue Wege geht – in der Regel faszinierend erfolgreich.

Etwas Durchblick in der verwirrend vielfältigen Kliemannswelt ermöglicht ein langes Gespräch im XXL-Format, das Fynn Kliemann im Mai mit dem Hamburger Philipp Westermeyer für dessen OMR Podcast geführt hat. 85 Minuten lang gibt der populäre Norddeutsche darin tiefe Einblicke in sein Wirbeln, Denken und Wesen.

Anhören ist nicht einfach

Der OMR-Talk mit Kliemann ist hoch interessant. Er strapaziert seine Zuhörer aber auch: Kliemann redet extrem schnell, viele seiner Sätze mäandern, immer wieder blitzen neue Gedanken auf, Genialisches wird dahingenuschelt, oft mischen sich die Themenwelten, nicht immer wird sein Slang jedem verständlich sein.

NORD|ERLESEN hat den ungewöhnlichen Podcast mit Fynn Kliemann deshalb für Euch mehrfach durchgehört und aufgearbeitet. Wir machen Euch hier transparent, wie Kliemann seinen Kosmos erklärt.

85 Minuten Gespräch

Das macht sein 85-Minuten-Gespräch mit Philipp Westermeyer im OMR Podcast an vielen Stellen deutlich.

Ja, Fynn Kliemann bewegt mittlerweile große Summen, und das mit einer beneidenswerten Lässigkeit.

So hat er 2020 in Mecklenburg-Vorpommern in der Feldberger Seenlandschaft ein früheres Feriendorf der Stasi spontan erworben, ohne es live gesehen zu haben. Etwas Facetime reichte ihm, um das Areal mit „14 Buden“ für 250.000 Euro am Telefon zu kaufen. Da dachte er noch: „Das ist ja irgendwie ein supergeiler Preis. Mittlerweile weiß er: Auf dem Gelände „ist alles im Arsch. Jetzt muss ich da eine Million reinstecken.“

Den Saal umgebaut

Auch sein Kliemannsland, dieses Kreativzentrum ohnegleichen im 248-Einwohner-Dorf Rüspel bei Zeven, ist nichts für Kleingeld: „Wir haben allein irgendwie für eine halbe Million unseren Saal umgebaut, damit die Leute da wieder drin feiern können“, erzählt Kliemann im OMR-Podcast. Wichtiger als diese Summe aber ist ihm: „Alles autark, alles grün.“

Geld für solche Projekte auftreiben, fällt Kliemann wegen seiner offensiven Art und seiner enormen Popularität offenbar nicht schwer. O-Ton Fynn: Im Kliemannsland „steckt viel mehr Potenzial drin. Und dann hab ich gedacht: Also um das jetzt mal so richtig auf die richtigen Beinchen zu stellen, dann brauch ich bestimmt eine halbe Million oder so. Dann hab ich gedacht, warum splitte ich das nicht einfach und mach aus der halben Million sozusagen 20 Anteile.“ Jetzt hat er eine „Investoren-Elitetruppe für den Umbau den Hofes“ hinter sich, und „das ganze Ding wird jetzt ein bisschen umgemodelt“.

Spaß statt Bezahlung

Andere Multi-Unternehmer mit dem hohen Wirkungsgrad eines Fynn Kliemann würden sich ein geregeltes üppiges Einkommen gönnen, etwa in Form mehrerer hoher Geschäftsführer-Gehälter. Kliemann geht auch da einen anderen Weg: „Ich bin der Einzige im Kliemannsland, der nicht bezahlt wird.“

Seine Mutter hat er jüngst dort eingestellt, als Feelgood-Managerin. Für ihn hingegen ist das Arbeiten im Kliemannsland, wie er in dem Talk heraussprudelt, „einfach nur Spaß“. Und in seiner Agentur Herrlich Media, 2011 die erste seiner mittlerweile mindestens zehn Firmengründungen im Raum Zeven, hat er „einen Halbtagsjob. Da krieg ich 1300 Euro im Monat“.

"Wovon lebst Du?" "Pfffft"

„Wovon lebst Du? Was ist Dein Haupteinkommen?“, fragt Philipp Westermeyer angesichts solcher erstaunlichen Zahlen. Kliemann antwortet erst mal mit einem ausgedehnten „Pfffft“. Dann gewährt er diffuse Einblicke: „Das ist immer mal unterschiedlich. Wenn ich mal eine Platte mach, das. Mode ist schon richtig viel.“

„Mode“ – damit meint Kliemann unter anderen die Modemarke Oderso, die er geschaffen hat und über die man über seinen Web-Shop bestellen kann: Hoodies, Hemden, Caps & Co. im lässigen Kliemann-Style. Mehr noch aber dürfte er dabei an die global tactics Textilmanufaktur in Rheurdt-Schaephuysen (Kreis Kleve) denken.

Das Unternehmen, an dem er sich früh beteiligt hat, produziert in Portugal in mittlerweile großem Stil „Klamotten“, wie Kliemann es nennt – für Oderso, mehr aber noch für immer mehr Musiker und andere Auftraggeber, die „bei Kliemann“ fertigen lassen.

Mode und Mucke tragen

Der untypische Unternehmer deutet an, dass sein Mode-Business „natürlich in irgendeiner Form irgendwie viele Sachen finanziell trägt“, und die „Mucke“, also sein erfolgreiches Musikmachen.

Mode und Mucke – laut Kliemann finanzieren diese Aktivitäten seine anderen Projekte: „Diese Immobilienkiste, das ist ein total bekloppter Spaß. Auch so ein Hausboot mit 'ner Netflix-Dokumentation rechnet sich ja nicht. Da kommt ja nichts bei rum.“

"Immer rein, raus"

Kreativräume will Kliemann bauen, keine Geldspeicher. Projekte interessieren ihn, keine Geldanlagen. Geld hortet er nach seinen Worten nie: „Alles, was reingeht, ist nächsten Tag wieder irgendwo weg.“ Sein „Herzensprojekt“ Musik etwa bringt, wie er bei seinen zwei Gold-Alben gemerkt hat, „viel Geld“. Selbst diese hohen Summen aber sind im Kliemann-Kosmos flüchtig: „Das ist sowieso während der Phase schon wieder komplett verplant. Das ist immer Pulver für den nächsten Schuss. Die Sachen sind immer rein, raus.“

Kliemanns wachsender Erfolg auf so vielen Gebieten hat unweigerlich mit sich gebracht, dass sein Wirbeln auch kritisch gesehen wird – etwa in Twitter, wo Kliemann teils als Krypto-Millionär angefeindet wird.

"Ich hab nie Kohle"

Im Podcast mit seinem Kumpel Philipp Westermeyer (dessen Podcast-Unternehmen OMR ist am Kliemannsland beteiligt) aber versichert Kliemann: „Ich hab nie Kohle. Ich persönlich hab sowieso gar kein Geld, das gehört ja Unternehmen, in denen ich arbeite, für die ich arbeite. Ich zahl mir nie irgendwas aus, ich mach gar nix, außer damit irgendwas Neues. Es ist Fakt: Ich hab ein kleines Haus, wir haben irgendwie so ein Auto, ich hab sonst nix. Das was ich brauche, das bauen wir uns halt.“

Gier ist, wie aus vielen seiner Wasserfall-Sätze herauszuhören ist, generell nicht sein Ding: „Ich bin Interesse-getrieben. Ich will wissen, wie die Welt funktioniert. Und das ist cool.“, beschreibt Kliemann sich selbst.

"Nie kommerziell"

Und egal, ob er ein kostenloses Projektmanagement-Tool entwickelte, Mode oder Mucke macht, ob er wie neuerdings Immobilien kauft oder in seiner Garage großformatige Bilder malt, die viele Galeristen gerne ausstellen und hochpreisig verkaufen würden: „Ich hab nie kommerzielle Hintergedanken dabei“, beteuert Kliemann.

„Tatsächlich nie. Und vielleicht ist das der Schlüssel. Keine Ahnung.“

85 Minuten sprach Fynn Kliemann (rechts) mit Philipp Westermeyer für dessen OMR-Podcast - einem Podcastkanal "zu digitalem Marketing und allen anderen Themen, die uns Spaß machen" (OMR).

85 Minuten sprach Fynn Kliemann (rechts) mit Philipp Westermeyer für dessen OMR-Podcast - einem Podcastkanal "zu digitalem Marketing und allen anderen Themen, die uns Spaß machen" (OMR).

Foto: Screenshot

Christian Lindner

Chefreporter Digital

Christian Lindner stammt aus Schleswig-Holstein. Den Beruf des Redakteurs gelernt hat er im Rheinland. Er hat viel im Lokalen gearbeitet, und für alles Digitale hat er ein Faible. Journalismus bedeutet für ihn: Daran mitwirken, dass Gutes gut bleibt und Schlechtes besser wird.

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