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Zwei „Kuhmenschen“ starten mit Stipendium durch

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) hat in diesem Jahr 30 junge Frauen und Männer, die eine Ausbildung in einem grünen Beruf abgeschlossen haben, zur Aufnahme in das Weiterbildungsstipendium begrüßt. Hannes Tramm und Thees Winkelmann aus dem Raum Zeven sind zwei davon. Die beiden brennen für ihren Beruf und leben für ihre Kühe. Sie sind so richtige „Kuhmenschen“.

Thees Winkelmann aus Haaßel ist einer von 30 Stipendiaten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Thees Winkelmann aus Haaßel ist einer von 30 Stipendiaten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Foto: Weigl

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Es läuft selten wie geplant

Hannes Tramm ist 22 Jahre alt und lebt auf dem Hof seines Onkels in Ippensen. Er ist in der Schweiz aufgewachsen und machte dort nach der Schule eine Ausbildung zum Gartenlandwirtschaftsbauer. „Das war ein interessanter Beruf und mir lag das auch, aber das ist nicht das gewesen, was ich mein Leben lang machen möchte“, sagt der 22-Jährige. 18 Jahre hat er in der Schweiz gelebt und ist dann für ein halbes Jahr zu seinem Onkel auf den Hof zum Arbeiten gegangen. Da ist er dann „so hängen geblieben“. So kam er dazu, noch eine Ausbildung zum Landwirt zu machen. „Jetzt bin ich da gelandet, was mir liegt und was mir Spaß macht“, sagt Tramm. Die Landwirtschaft biete eine „unheimliche Vielseitigkeit“. Es laufe selten etwas genau so, wie man es plant. „Erst recht nicht mit Tieren.“ Aber genau das ist es, was er liebt: „Kein Tag ist wie der andere.“

Landwirtschaft ist sein Hobby

Das Hauptstandbein des Hofes ist die Milchproduktion. Da gehört es vor allem zu den täglichen Aufgaben, die Kühe zu melken. Auch die Aufzucht der Jungtiere ist eine Aufgabe, die der 22-Jährige gerne übernimmt. „Ich lebe für die Kühe.“ Trecker fahren mache zwar auch Spaß, aber seine Lieblingsbeschäftigung sei das nicht.

Ich lebe für die Kühe.

Sein Beruf hat auch seine Freizeitgestaltung sehr geprägt. Die Landwirtschaft ist heute ein großer Teil davon und ist mit allem, was dazu gehört, zu einem Hobby geworden. Wenn er mal nicht auf dem Hof unterwegs ist, ist er im Sportverein tätig. Er spielt Fußball und ist generell sehr sportinteressiert. „Olympia war immer ein Riesending für mich“, sagt der 22-jährige Landwirt.

„Trecker- und Kuhmenschen“

So wie Hannes Tramm hat auch der 20-jährige Thees Winkelmann aus Haaßel seine Ausbildung zum Landwirt im Sommer 2021 mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen. Er lebt schon von klein auf auf dem Hof seiner Eltern. Und auch er hat die Landwirtschaft zu seinem Hobby gemacht. Ansonsten schraubt er gerne an Autos herum.

In den Beruf Landwirt ist der 20-Jährige aber eher „so reingerutscht“. Nach der Schule war er auf der Suche nach einem Gymnasium. In Bremervörde ist er fündig geworden. Auf dem Landwirtschaftsgymnasium ging es für ihn dann weiter. Auch wenn er auf einem Hof groß geworden ist, so richtig Lust auf Landwirtschaft hatte er nie. Die Begeisterung für die Landwirtschaft kam mit der Zeit. Auch der Haaßeler ist eher der „Kuhmensch“. Es gebe die „Treckermenschen“ und die, wie er einer ist, „Kuhmenschen“.

Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschafter

Zurzeit gehen Hannes Tramm und Thees Winkelmann wieder zur Schule. In Celle lassen sie sich innerhalb einer einjährigen Fachschule zum staatlich geprüften Wirtschafter ausbilden. „Hier wird man vorbereitet, auch einen Hof zu leiten“, sagt Tramm. Am Wochenende helfen die zwei dann auf den Höfen in der Heimat aus. „Das Ziel ist es, dass ich nach der Schule hier auf dem Hof angestellt werde“, sagt der Ippenser.

Der Weg zum Stipendium

Die gute Leistung in der Prüfung berechtigte die beiden Landwirte zum Stipendium der LWK. Darüber haben sich beide gefreut. Beiden steht nun eine Summe von 8100 Euro zur Verfügung, um sich beruflich weiterzubilden. „Das Geld kann ich für die Sachen nutzen, die mir Spaß machen“, sagt Tramm. „Ich habe den Beruf ja gelernt, weil ich da Spaß dran habe.“ Einen Teil des Geldes möchte er für eine eigene Wohnung nutzen. Den anderen, wesentlich größeren Teil, würde er gerne für seinen Meisterlehrgang verwenden. Denn sein Ziel ist es, irgendwann einen Betrieb zu leiten. „Ich liebe die Herausforderung“, sagt der 22-Jährige. Des Weiteren möchte er sich die Option offen halten, auch selbst ausbilden zu können.

Thees Winkelmann möchte sich die Zukunft noch etwas offener halten. Einen Teil des Geldes möchte er für das Förderprogramm der Fachschule nutzen. Auch weitere Fortbildungsmaßnahmen sind für ihn eine Option. Einen Antrag hat er bereits gestellt. Er würde gerne in eine Tierarztpraxis gehen, die Seminare rund um das Herdenmanagement anbietet. „Ohne das Stipendium würde ich das nicht machen“, sagt Winkelmann. Er findet es gut, dass es solche Möglichkeiten gibt. „Ich bin ein Mensch, der sich gerne weiterbildet.“

Zukunft der Landwirtschaft

Auf die Zukunft der Landwirtschaft haben beide eine andere Sicht. Thees Winkelmann fasst seine darauf kurz zusammen: „Landwirtschaft wird sich weiterentwickeln und wird es immer geben.“

Hannes Tramm beschreibt das Thema als sehr komplex. „Es ist nicht einfach und es gibt nicht die Lösung, wie sie im Buche steht.“ Seiner Meinung nach sollten besonders die vielen kleinen Betriebe aufrechterhalten werden. Ein Überleben mit beispielsweise nur 120 Kühen sollte möglich sein und insgesamt nicht darauf hinauslaufen, dass es immer mehr und immer größer wird. Auch die Umwelt ist für ihn ein wichtiges Thema der Zukunft. „Wir sind abhängig von der Umwelt, da müssen wir Acht drauf geben. Auf der anderen Seite müssen wir von der Landwirtschaft auch leben können. Die Landwirtschaft ist nicht nur ein Hobby, es ist unser Beruf.“ Sein Traum ist es, einen Betrieb zu führen, der ohne staatliche Förderung auskommt. Dafür müssten die Lebensmittel aber deutlich teurer werden. Günstige und perfekt produzierte Lebensmittel, das passe nicht zusammen.

Landwirtschaft wird sich weiterentwickeln und wird es immer geben.

Offen sein für Neues

„Früher war es so, dass das ausgebaut wurde, in dem man gut war“, sagt der 22-Jährige. Auf dem Hof in Ippensen war es das Milchvieh. „Meiner Meinung nach müsste der Trend aber auch wieder davon weggehen, um nicht so abhängig zu sein“, sagt Tramm. Sie seien enorm auf den Milchpreis angewiesen, und das sollte sich ändern. „Ein Betrieb muss sich breit aufstellen, einen guten Betriebsleiter haben und offen sein für Neues“, so Tramm, „und dafür brauchen wir top Leute, die mit dem Stipendium gefördert werden.“

Mann im Kuhstall mit Stroh und Kalb. Hannes Tramm kümmert sich um ein Kalb.

Hannes Tramm kümmert sich um ein Kalb.

Foto: Weigl


Das sind „Grüne Berufe“:

„Grüne Berufe“ sind vielseitige, technisch anspruchsvolle und naturverbundene Ausbildungsberufe im Agrar- und Ernährungsbereich. Dazu zählt die Arbeit mit Menschen, Tieren und Pflanzen, die Herstellung von Nahrungsmitteln wie Milch, Wein, Honig oder Fleisch, die Bedienung modernster digitalunterstützter Technik, labortechnisches Know-how, um die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte zu sichern, oder der Schutz der Wälder. Dazu zählen: Gärtner, Landwirt, Hauswirtschafter, Tierwirt, Pferdewirt, Fachkraft für Agrarservice sowie Agrarspezialberufe und Berufe im milchwirtschaftlichen Bereich.


So geht’s zum Stipendium:

  • Voraussetzung für die Aufnahme in das Weiterbildungsstipendium sind eine Eins vor dem Komma bei der Abschlussprüfung oder in der Hauswirtschaft oder ein Sieg in einem Berufswettbewerb.
  • Der Antrag zur Anmeldung wird dem Zeugnis beigelegt. Dieser muss dann ausgefüllt und mit dem Prüfungszeugnis und einem Lebenslauf im Anhang nach Oldenburg zur Landwirtschaftskammer geschickt werden. Ein Motivationsschreiben wird nicht benötigt.
  • Für die 30 Stipendiaten gibt es einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin, die angerufen werden können, sobald Fragen auftauchen.
  • Für einen Zeitraum von drei Jahren stehen den Stipendiaten jeweils 8100 Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Gefördert werden unter anderem fachliche Weiterbildungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Entwicklung fachübergreifender, beruflicher und sozialer Kompetenzen, wie Sprach- und Rhetorik-Kurse.
Maria Weigl

Maria Weigl wurde 1997 in Bremervörde geboren und ist in Selsingen aufgewachsen. In Magdeburg studierte sie Journalismus. Nun ist sie zurück in ihre Heimat und damit zur Zevener Zeitung gelangt. Seit Dezember 2021 ist sie Volontärin in Zeven.

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