Beverstedt

Geflügelzüchter kämpfen gegen drohende Stallpflicht

Die Vogelgrippe treibt Geflügelhaltern die Sorgenfalten auf die Stirn. Groß ist die Angst davor, im Falle eines Ausbruchs die Tiere über längere Zeit im Stall einsperren zu müssen. Der Chef eines Zuchtvereins will dies nicht tatenlos hinnehmen.

Andreas Wicknig ist Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Hagen und Umgebung von 1968.

Geflügelzüchter Andreas Wicknig appelliert an alle Hobbyhalter, im Kampf gegen die Vogelgrippe auf die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen zu achten.

Foto: Mark Schröder

Die Bilder vom vergangenen Sommer haben Andreas Wicknig und viele andere Geflügelzüchter nicht vergessen. Vor rund fünf Monaten brach die Vogelgrippe auch in der Gemeinde Beverstedt aus, Tausende Tiere mussten bei Gluthitze über Wochen in den Stall. Während die Züchter von Tierquälerei sprachen, verteidigte der Landkreis die Schutzmaßnahmen unter anderem mit Verweis auf die besonders aggressiven Virusvarianten und eine dramatische Lage, die während der Sommermonate so noch nie aufgetreten sei.

Zwar nicht die Hitze, aber die drohende Aufstallung bereitet Geflügelhaltern allerorten derzeit wieder schlaflose Nächte. Auch Andreas Wicknig schaut zunehmend besorgt auf die Nachrichten aus Norddeutschland, in denen die Vogelgrippe nun wieder häufiger Thema ist. Erst vor zwei Wochen war das Virus bei einem Hobby-Geflügelzüchter in der Gemeinde Reeßum im Landkreis Rotenburg nachgewiesen worden. „Die Einschläge kommen näher, das muss man leider so sagen“, meint der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Hagen und Umgebung von 1968.

„Sicherheitsmaßnahmen helfen besser als die Aufstallpflicht“

Der 38-Jährige will unbedingt vermeiden, dass erneut Sperrzonen eingerichtet werden, in denen alle Tiere dauerhaft in den Ställen untergebracht werden müssten. Denn die Folgen dieser Maßnahme seien ebenfalls dramatisch. „Die Aufstallpflicht ist ein sehr großer Stressfaktor für unser normalerweise artgerecht gehaltenes Geflügel“, sagt Wicknig. Würden die Tiere über längere Zeit im Stall eingesperrt, neigten sie schnell zu Kannibalismus.

Zudem sei das Geflügel durch den dauerhaften Stress empfänglicher gegenüber allen Krankheitserregern, das Immunsystem werde stark beeinträchtigt, so Wicknig. „Im Freien nehmen die Hühner ein Sandbad, um Ungeziefer und Milben loszuwerden“, nennt der Vereinsvorsitzende ein praktisches Beispiel. „Drinnen im Stall können viele Halter ihren Tieren so etwas doch gar nicht anbieten.“

Mit sieben Tipps ließe sich das Risiko klein halten

Wicknig ist überzeugt: „Es gibt wesentlich bessere Lösungen im Kampf gegen die Vogelgrippe als die Aufstallpflicht.“ Vor allem die sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen seien für Geflügelhalter leicht umsetzbar und zugleich sehr effektiv im Kampf gegen die Verbreitung des Virus. „Wenn jeder diese Vorsichtsmaßnahmen befolgt, können die größten Risiken der Übertragung verhindert werden“, sagt der Stubbener.

Um folgende Punkte geht es Wicknig: 1. Keine Tiere tauschen oder hinzukaufen; 2. Fremden keinen Zutritt zu den Tieren oder Stallungen gewähren; 3. Futter und Wasser nur im Stall bereitstellen, um keine Wildvögel oder Nager anzulocken, die Viren und Krankheitserreger auf das Geflügel übertragen können; 4. Wasser nur aus der Leitung abzapfen, da Regen- oder Oberflächenwasser verunreinigt sein könnte; 5. Schuhe vor Betreten des Stalles wechseln; 6. Keine kranken oder toten Wildvögel anfassen oder mitnehmen; 7. Keine unerklärlich erkrankten Tiere transportieren, sondern den Tierarzt um Rat fragen.

Sein Appell richte sich vor allem an private Hobbyhalter und Selbstversorger, die nicht in Vereinen organisiert und dadurch über die Hygienemaßnahmen im Detail informiert seien, so Wicknig. „Wenn möglichst viele die Maßnahmen beherzigen, bin ich zuversichtlich, dass wir von der Aufstallung verschont bleiben.“

Mark Schröder

Reporter

Mark Schröder wurde 1973 im nordhessischen Bad Wildungen geboren und hat seit seinem Start bei der NORDSEE-ZEITUNG im Jahr 2002 bereits mehrere Ressorts durchlaufen. Aktuell schreibt der Vater zweier Töchter für den Landkreis-Teil der Lokalredaktion.

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