Niedersachsen

IG Metall: Software-Zeitpläne auf realistische Basis stellen

Mit der Vertretung von Software-Experten fremdelten Gewerkschaften zunächst etwas. Mittlerweile bietet die IG Metall ihre Dienste auch IT-Fachleuten an. Der für Volkswagen zuständige Bezirkschef sagt: Die Autobranche sollte beim Thema entschlossen, aber umsichtig vorgehen.

Von dpa
30. Dezember 2022
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Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.

Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.

Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Auf dem schwierigen Weg zu eigener Software und Steuerelektronik sollten die deutschen Autohersteller aus Sicht der IG Metall nichts überstürzen. „Die hohe Bedeutung des Themas liegt auf der Hand. Man muss aber aufpassen, dass man nicht zu oft mehr ankündigt, als man hinterher wirklich schon machen kann“, sagte der niedersächsische Bezirksleiter der Gewerkschaft, Thorsten Gröger, der Deutschen Presse-Agentur. Er hatte im Herbst den neuen Haustarifvertrag bei Volkswagen verhandelt. Inzwischen gibt es auch Angebote für IT-Experten beim größten europäischen Autokonzern.

In der Entwicklung von Programmen für digitalisierte Fahrzeuge hatte die VW-Sparte Cariad zuletzt noch erhebliche Anlaufprobleme. Weitere Beschäftigte werden gesucht. Gröger schlägt vor, etwas Tempo aus den ehrgeizigen Vorgaben zu nehmen: „Die Zeitpläne auf eine realistische Basis zu stellen, stärkt auch das Vertrauen der Beschäftigten.“

Der neue VW-Konzernchef Oliver Blume hatte jüngst schon beschlossen, die Entwicklungsschritte bei Software, der künftigen digitalen Plattform SSP und dem zunächst ab 2026 geplanten Kernmodell Trinity zu entzerren. Anstelle eines separaten, neu gebauten Werks für den bis zum Ende des Jahrzehnts verschobenen Wagen - seine technische Basis soll für bis zu 40 Millionen Autos gelten - könnte der Trinity womöglich doch im bestehenden Stammwerk in Wolfsburg unterkommen.

„Wichtig ist, dass man bei Verzögerungen für bisherige Pläne die Alternative skizziert“, meinte Gröger mit Blick auf die Diskussion der Frage Neubau oder Integration. Am Ende sei es entscheidend, dass sich der VW-Stammsitz an der Transformation in der Autobranche aktiv beteilige - ob mit zusätzlicher Fabrik oder dem Umbau heutiger Linien. „Das kann gestaltet werden, das muss gestaltet werden - das macht auch der Betriebsrat von Volkswagen sehr klar.“ Unter Blumes Vorgänger Herbert Diess hatte es Streit über das Timing strategischer Ziele und weitere Sparideen bei der Kernmarke Volkswagen gegeben.

Den im November erzielten Tarifabschluss für die rund 125.000 Beschäftigten in Westdeutschland sowie bei einigen VW-Konzerntöchtern bewertete Gröger als gelungen. Im Vergleich zum Flächenabschluss für die Metall- und Elektroindustrie biete das Volkswagen-Paket wieder einige Extra-Punkte: „Wir finden schon, dass es nicht nur „einen Schnaps mehr“ enthält, sondern gleich „einige Schnäpse mehr“.“

Die tabellenwirksamen Lohnerhöhungen bei VW begännen zum selben Zeitpunkt wie in der Fläche, obwohl der Vertrag um zwei Monate versetzt sei. „Bei einem Entgelt von zum Beispiel 4000 Euro bedeutet die 5,2-Prozent-Steigerung der ersten Stufe dann schon ein paar hundert Euro mehr. Der „zweite Schnaps obendrauf“ ist, dass wir für die Azubis eine Inflationsausgleichsprämie von 1500 Euro beschließen konnten - in der Fläche sind es 1100 Euro. Der „dritte Schnaps“ ist die Verlängerung der Möglichkeit zur Altersteilzeit um fünf Jahre.“

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