Beverstedt

Kirche sucht Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge

Sie sind da, wenn für andere die Welt zusammenbricht. Das Team von Notfallseelsorgern im Kirchenkreis Wesermünde besteht aus den Pastoren der Region - bald sollen auch Ehrenamtliche aktiv werden, wie der Beverstedter Pastor Eckhard Bock berichtet.

Notfallseelsorger helfen Angehörigen von Unfallopfern oder auch Einsatzkräften beim Verarbeiten der oft traumatischen Erlebnisse.

In der Regel sind es Pastoren, die als Notfallseelsorger im Einsatz sind. Manche Kirchenkreise setzen bereits auf Ehrenamtliche zur Unterstützung ihrer Teams. Auch der Kirchenkreis Wesermünde geht nun diesen Weg und sucht Freiwillige.

Foto: Imago

Herr Bock, was müssen Ehrenamtliche in der Notfallseelsorge mitbringen: Nerven aus Stahl oder ein Herz aus Gold?

Im Grund genommen beides. Sie müssen zuhören können und Einfühlungsvermögen besitzen. Es ist auch von Vorteil, wenn man sich selbst ganz gut kennt. Es gehört aber auch Belastungsfähigkeit dazu. Man wird konfrontiert mit Bildern, Gefühlen und Geschichten, die an die Nieren gehen. Das muss man aushalten können.

Ist das für Ehrenamtliche nicht eine zu große Herausforderung?

Nicht unbedingt. Wie erleben ja auch Ehrenamtliche in der Telefonseelsorge oder in der Hospizarbeit, wo es mitunter ähnlich belastend zugeht. Aber es ist nicht für jeden etwas, das muss man auch klar sagen. Deshalb werden wir Auswahlgespräche führen und an der einen oder anderen Stelle auch sagen müssen: Schön, dass Sie sich engagieren wollen, aber das ist es leider nicht. Auf der anderen Seite werden die Ehrenamtlichen aber auch nicht allein gelassen, sondern bekommen Ansprechpersonen an die Seite gestellt.

Warum suchen Sie überhaupt Menschen, die sich in der Notfallseelsorge engagieren? Reicht der Einsatz der Pastoren im Kirchenkreis nicht mehr aus, um die Arbeit zu bewältigen?

Einerseits werden wir in den kommenden Jahren allein im Kirchenkreis sechs Pfarrstellen verlieren, das entspricht etwa einem Viertel. Es werden also weniger Pastorinnen und Pastoren sein, auf die sich diese Aufgabe verteilt. Der andere Grund für unsere Suche ist aber, dass es in unseren Gemeinden Menschen gibt, die etwa durch ihren Beruf oder andere Tätigkeiten schon Erfahrungen im Umgang mit Krisensituationen haben. Das sind Ressourcen, die wir unbedingt nutzen wollen. Die Ehrenamtlichen sind also keineswegs nur Lückenfüller.

Der Beverstedter Pastor Eckhard Bock (60)

Pastor Eckhard Bock (60) aus Beverstedt ist seit rund 20 Jahren in der Notfallseelsorge aktiv.

Foto: Mark Schröder

Wie viele Einsätze haben Sie in der Notfallseelsorge, und wie sehen diese in der Regel aus?

Pro Jahr zählen wir etwa 30 Einsätze, dieser Wert ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Der häufigste Grund ist dabei der plötzliche Todesfall zu Hause, etwa durch einen Herzinfarkt. Aber auch Suizide kommen leider immer wieder vor. Das Überbringen einer Todesnachricht gemeinsam mit der Polizei gehört natürlich auch zu unseren Aufgaben, ebenso wie die Betreuung von Zeugen oder Beteiligten bei einem Verkehrsunfall. Auf der anderen Seite spielt aber auch die Seelsorge für Einsatzkräfte eine Rolle, um die zum Teil grausamen Bilder und Erlebnisse zu verarbeiten.

Sie sind seit etwa 20 Jahren in der Notfallseelsorge aktiv. Was ist wichtiger: Einfach nur da zu sein und zuzuhören oder aktiv Trost zu spenden?

Notfallseelsorge heißt in erster Linie schon da zu sein, zuzuhören, zu begleiten und zu stärken. Trösten kann man in einer solchen Situation eigentlich nicht, wir können ja nichts ungeschehen machen. Und noch weniger sollte man missionieren. Ob die Hinterbliebenen einer Kirche angehören oder religiös sind, ist in solchen Momenten überhaupt nicht entscheidend. Manchmal hilft es auch, ganz praktische Dinge zu erklären und einzuordnen, etwa: Was macht der Bestatter, wenn er gleich kommen wird? Warum muss nach einem Suizid die Polizei kommen, und was tut sie dann hier im Haus? Denn das ist für die Hinterbliebenen häufig eine zusätzliche Belastung.

Notfallseelsorger Eckhard Bock hat immer eine Einsatztasche dabei. Darin findet sich ein Teddybär für Kinder ebenso wie die Warnweste oder eine Bibel.

In seiner Einsatztasche hat Pastor und Notfallseelsorger Eckhard Bock alles dabei, was er braucht: vom Teddybären über eine Kerze bis hin zur obligatorischen Bibel.

Foto: Mark Schröder

Info-Abend in Beers

Zu einem Info-Abend über die Arbeit der Notfallseelsorge laden die Pastoren Eckhard Bock, Dirk Glanert und Dirk Meine-Behr alle Interessierten ein. Dabei geht es auch um Voraussetzungen für die Arbeit und Fortbildungsmöglichkeiten. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 22. November, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus in Bederkesa (Beerster Mühlenweg 1) statt. Für die Mitarbeit in der Notfallseelsorge gilt eine Altersgrenze von 25 bis 70 Jahren. Zudem ist die Mitgliedschaft in einer Kirche der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) notwendig. Weitere Informationen erteilt Pastor Eckhard Bock unter 04747/872814.

Wie komplex ist die Ausbildung zum Notfallseelsorger?

Das lässt sich schlecht verallgemeinern, da es darauf ankommt, welche Vorerfahrung der Einzelne mitbringt. Bei Menschen, die wenig Erfahrung haben, wird es erst einmal etwas allgemeiner um Seelsorge gehen, bevor sie speziell auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Andere, die bereits im Bereich Seelsorge gearbeitet haben, kann man sicherlich schneller zur Notfallseelsorge hinführen.

Lässt sich trotz aller Belastung auch ein Gewinn aus der Tätigkeit als Notfallseelsorger ziehen?

Durchaus. Es ist schon ein Gewinn, zu merken, ich konnte helfen, und es war gut, dass ich da war. Dieses Gefühl kann erfüllend sein. Fatal wäre es nur, wenn jemand diese Aufgabe übernehmen möchte, weil er seine eigenen Probleme durch diese Tätigkeit lösen möchte. Das wird nicht funktionieren.

Mark Schröder

Reporter

Mark Schröder wurde 1973 im nordhessischen Bad Wildungen geboren und hat seit seinem Start bei der NORDSEE-ZEITUNG im Jahr 2002 bereits mehrere Ressorts durchlaufen. Aktuell schreibt der Vater zweier Töchter für den Landkreis-Teil der Lokalredaktion.

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