Cuxland

Loxstedt bekommt eine Fahrradstraße

Bremen hat etliche, Städte wie Groningen oder Kopenhagen sowieso. Im nächsten Jahr soll nun auch Loxstedt seine erste Fahrradstraße bekommen. Und die Autofahrer müssen in der Loxstedter Ortsdurchfahrt, der Bahnhofstraße, kräftig zurückstecken.

Bald bekommt Loxstedt seine erste Fahrradstraße. Und auf der Bahnhofstraße soll künftig Tempo 30 gelten.

Bald bekommt Loxstedt seine erste Fahrradstraße. Und auf der Bahnhofstraße soll künftig Tempo 30 gelten.

Foto: dpa

Es dürfte die erste Fahrradstraße im Kreis Cuxhaven sein, die da in Loxstedt entsteht. Zumindest auf dem flachen Land. Dort gilt das Auto ja gemeinhin als unverzichtbar. Doch in der Bahnhofstraße, der Loxstedter Ortsdurchfahrt, müssen Autofahrer künftig mit Beschränkungen rechnen. Der Rat hat jetzt beschlossen, auf den gut drei Kilometern zwischen der Landesstraße L 135 in Nesse und dem Bahnhof in Loxstedt eine Fahrradstraße einzurichten. Fahrradstraßen sind Straßen, in der die Radler Vorfahrt haben und nebeneinander radeln dürfen. Außerdem soll in Loxstedts Ortsmitte, auf der Bahnhofstraße, ab der Hauptkreuzung/Volksbank bis zum Bahnhof Tempo 30 gelten.

„Wir betreten damit Neuland“, gibt Loxstedts Bürgermeister Detlef Wellbrock zu. „Aber das wollen wir auch. Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt der parteilose Verwaltungschef, dessen Stadtrandgemeinde sich dem Klimaschutz verschrieben hat. Auch auf dem Land könne man schließlich andere Verkehrsmittel nutzen als das Auto. Loxstedts erste Fahrradstraße soll in Nesse beginnen und von der Landesstraße 135/Einmündung Gewürzmühle über die Straße Im Tweyad und den Wirtschaftsweg Richtung Loxstedt führen, dort in die Hackenburg- und die Gorch-Fock-Straße übergehen und in Höhe der KfZ-Werkstatt Sulik in die Bahnhofstraße münden.

Ein Tipp vom Radverkehrsplaner

Auf die Idee gekommen sind die Loxstedter durchs „Stadtradeln“. An der Aktion, bei der es darum geht, drei Wochen lang mit möglichst vielen Menschen möglichst viele Kilometer per Fahrrad zurückzulegen, beteiligt sich die Gemeinde seit zwei Jahren. Im vergangenen Jahr hat sie dabei was gewonnen: eine Beratung mit dem Radverkehrsplaner Philipp Böhme vom Büro „team red Deutschland“ in Berlin. Im Frühjahr ist Loxstedts Verwaltungsspitze zusammen mit Böhme durch die Gemeinde geradelt und hat sie in punkto Fahrradfreundlichkeit unter die Lupe genommen. Im Sommer haben sich Verwaltung und Politik dann zusammen mit dem obersten Verkehrsplaner in Bremen die Fahrradstraßen der Hansestadt angeschaut - und waren angetan.

Fahrradstraße

Laut der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Städte und Gemeinden auf ihren Straßen Fahrradstraßen einrichten. Autos sind nur erlaubt, wenn dort ein entsprechendes Schild steht. In einer Fahrradstraße gilt immer Tempo 30. Das Besondere: Die Radler haben dort immer die Vorfahrt vor den Autos. Das heißt, Fahrradfahrer dürfen auch nebeneinander fahren, und die Autofahrer müssen gegebenfalls hinterherfahren.
Der Ehrgeiz der Stadtrandgemeinde, die sich im nächsten Jahr zum dritten Mal für den „European Energy Award“ (EEA), einer Art Energie-Oscar, zertifizieren lassen will, war durch den Besuch in Bremen geweckt. Als Route erkoren sie eine Strecke aus, die auch von Schülern genutzt wird, die Strecke zwischen Nesse und Loxstedt. Politik und Verwaltung ließen sich bei ihrer Planung durch Hürden nicht abschrecken.

So war nach einem Gespräch mit dem Landkreis als Verkehrsbehörde, der Straßenmeisterei und der Polizei im November klar, dass das letzte Stück der Strecke, die Bahnhofstraße, nicht Fahrradstraße werden darf. „Das ist eine Landesstraße, da ist so etwas nicht möglich“, erläutert Wellbrock. Auch die Idee, dort - wie jetzt in der Bremerhavener Hafenstraße - einen markierten Schutzstreifen zu schaffen, musste verworfen werden. Denn die Bahnhofstraße, die täglich von mehr als 5600 Autos und Lastwagen befahren wird und zudem an beiden Seiten Parkplätze bietet, ist zu schmal dafür.

Bleibt nur die Möglichkeit, auf der Bahnhofstraße mit Piktogrammen auf die Radfahrer aufmerksam zu machen, so der Bürgermeister. Ab der Einmündung Gorch-Fock-Straße bis zum Bahnhof werden künftig weiße Fahrrad-Symbole auf dem Asphalt die Autofahrer zur Vorsicht mahnen.

Tempo 30 auf der Bahnhofstraße

Da das auf der viel befahrenen Ortsdurchfahrt nicht genügen wird, um Unfälle zu vermeiden, soll ab der Volksbank-Kreuzung künftig ein Tempo-Limit von 30 Stundenkilometern gelten. Auch das Parken in der Ortsdurchfahrt, das bislang frei ist, wird beschränkt. In Zukunft wird es Parkzonen geben, in denen man sein Auto bis zu zwei Stunden lang stehen lassen kann. Das sei im Vorfeld mit den Geschäftsleuten der Gewerbegemeinschaft Gewelo abgesprochen worden, so Wellbrock.

Die Politiker im Rat begrüßten die Pläne einhellig. Norbert Eich (Grüne) nannte die Fahrradstraße „einen echten Fortschritt“, durch die die Stadtrandgemeinde noch attraktiver wird. Lars Behrje, Vorsitzender der Gruppe CDU/Bürgerfraktion, betonte: „Wir unterstützen das.“ Und für die SPD freute sich die Ortsvorsteherin von Nesse, Susanna Köster: „Im Tweyad ist die richtige dafür. Obwohl dort Tempo 30 herrscht ist, fahren viele schneller.“

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Loxstedts erste Fahrradstraße wird von Nesse nach Loxstedt führen - von der Landesstraße 135/Einmündung Gewürzmühle über „Im Tweyad“ zur Hackenburg- und der Gorch-Fock-Straße und dann in die Bahnhofstraße münden.

Loxstedts erste Fahrradstraße wird von Nesse nach Loxstedt führen - von der Landesstraße 135/Einmündung Gewürzmühle über „Im Tweyad“ zur Hackenburg- und der Gorch-Fock-Straße und dann in die Bahnhofstraße münden.

Grafik:

Fahrradstraße

Karte: Mapcreator.io | OSM.org

Inga Hansen

Reporterin

Inga Hansen, Jahrgang 1962, arbeitet seit 1993 als Redakteurin in der Landkreis-Redaktion der NZ. Zuvor hat die gebürtige Ratzeburgerin in Hamburg Politikwissenschaft und Öffentliches Recht studiert. Ihr Interesse gilt neben der Politik Pop-Musik, Literatur und Filmen.

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