Niedersachsen & Bremen

Ministerpräsident will WM schauen: Bovenschulte unsicher

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar startet am Sonntag - und ist hochumstritten. Viele Politikerinnen und Politiker in Bremen und Niedersachsen wollen dennoch zuschauen - andere wollen sie boykottieren.

Von dpa
15. November 2022
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Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, gibt ein Pressestatement ab.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, gibt ein Pressestatement ab.

Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Fernsehen verfolgen. „Ich bin bekennender Fußballfan und werde auch Spiele dieser WM im Fernsehen anschauen, allen voran diejenigen der deutschen Mannschaft“, teilte der SPD-Politiker auf dpa-Anfrage mit.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hingegen ist noch unsicher: „Anders als sonst hat mich bisher noch kein WM-Fieber gepackt. Aber ich kann nicht ausschließen, dass ich mir doch noch das ein oder andere Spiel ansehe.“ Gerade Spiele der DFB-Elf würden ihn interessieren, „insbesondere, wenn dann auch noch der für Bremen spielende Niclas Füllkrug auf dem Platz stehen sollte“, sagte der Bürgermeister.

Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion in Niedersachsen, Anne Kura, hat keine Lust auf die WM - sie halte die Vergabe nach Katar für einen „krassen Fehler“. Ihr Parteikollege Detlev Schulz-Hendel, ebenfalls Fraktionsvorsitzender verurteilt die „Missachtung von Menschenrechten, Frauenrechten sowie schlechte Arbeitsbedingungen und die Bestrafung von homosexuellen Handlungen“ in Katar. „Auch ich werde mir möglicherweise das eine oder andere Spiel anschauen - ein bitterer Beigeschmack wird den Spaß trüben“, sagte Schulz-Hendel.

Ähnlich sieht es auch Sebastian Lechner, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass insbesondere autoritäre Regime die Weltmeisterschaften zur Imagepolitik missbraucht haben.“ Er hoffe, dass das Turnier einen Wandel in Katar auslöse. Spiele der DFB-Elf wolle er sich anschauen, sofern er Zeit habe. Auch der Fraktionsvorsitzende der AfD, Stefan Marzischewski, sieht die WM kritisch und will sich lediglich die Spiele der deutschen Mannschaft ansehen.

Die WM-Vergabe der FIFA nach Katar steht seit Jahren unter anderem aufgrund von Menschenrechtsverletzungen sowie dem autokratischen System in Katar in der Kritik. Medienberichten zufolge sind tausende Arbeiter beim Bau der Stadien ums Leben gekommen. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird am Sonntag mit dem Spiel Katar gegen Ecuador eröffnet. Deutschland bestreitet sein erstes Gruppenspiel kommende Woche Mittwoch gegen Japan.

Innen- und Sportminister Boris Pistorius (SPD) hat angekündigt, auf keinen Fall zum WM-Turnier nach Katar reisen zu wollen. Ausgewählte Spiele werde er sich ansehen, dennoch sei die Vergabe der WM an Katar angesichts der Menschenrechtslage ein „Sündenfall“.

Grant Hendrik Tonne, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, will sich die WM-Spiele nicht anschauen, obwohl er großer Fußballfan sei. Gründe seien „der Verdacht von Schmiergeldzahlungen, zigtausende Tote beim Bau von Infrastruktur für diese WM und nicht zuletzt ein völlig inakzeptables Menschenbild des Gastgeberlandes“, teilte Tonne mit. Auch Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte will sich die WM nicht anschauen: „Für die Sportler, die sich intensiv vorbereitet haben, tut es mir leid, aber ich kann mir die WM nicht mit gutem Gewissen ansehen. Die Stadien wurden unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen erbaut und es gab viele Todesopfer unter den Arbeitern“, sagte die Grünen-Politikerin. Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen.

Die SPD-Ministerinnen Daniela Behrens (Gesundheit), Kathrin Wahlmann (Justiz) sowie Finanzminister Gerald Heere (Grüne) und Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) sehen die WM ebenfalls kritisch. Wiebke Osigus (SPD), Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung, verfolgt die WM nicht. Für sie habe gerade die erste Halbzeit der neuen Legislaturperiode begonnen und anderes habe Priorität.

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