Bremerhaven

Nachgehakt: Geht man so mit Bürgern um?

Vor jeder politischen Ausschusssitzung dürfen Bremerhavener Einwohner fragen stellen. Doch das ist gar nicht so leicht wie es klingt.

Porträt

Foto: Arnd Hartmann

Vor jeder Ausschusssitzung in Bremerhaven dürfen Bürger eine Stunde lang Fragen stellen - wenn sie sich denn trauen. Die Kulisse - so sagen viele, die es ausprobiert haben, gleiche einem Tribunal.

Dabei hat Einwohner Gero Lang am Dienstag eine interessante Frage gestellt. Er wollte wissen, welche Stadtverordneten sich, angelehnt an die Empfehlungen der Enquete-Kommission der Bürgerschaft Bremen, um die energetische Zukunft der Stadt kümmern und in welchem Fachausschuss darüber diskutiert wird, wie für Bremerhaven ein zukunftssicherer Weg erarbeitet werden kann.

In meiner Vorstellung einer bürgerfreundlichen Stadt bedankt man sich für die Frage und formuliert in eigenen Worten eine Antwort.

Doch Bremerhaven ist anders. Ob Stadtrat oder Stadtverordneter - man liest monoton vom Blatt ab. Lässt einen mit Paragrafen gespickten Satz auf den Frager regnen. Hängengeblieben ist bei mir: „Die Stadtverordneten können da nichts machen.“ Aha. Auf Nachfragen erfolgt erst eisiges Schweigen, dann knappe Antworten. Am Ende sind irgendwie alle froh, dass es vorbei ist.

Es ist das eine, auf komplexe Fragen keine Antwort geben zu können oder zu wollen.

Aber muss sich ein Bürger oder eine Bürgerin als Bittsteller fühlen, nur weil er oder sie eine Frage hat? Und vielleicht - ach, du meine Güte - eine andere politische Auffassung?

„Wir in der Stadtverordnetenversammlung leben die Demokratie in dieser Stadt und haben uns zur Aufgabe gemacht, immer im besten Sinne für die Interessen der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger zu handeln“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Torsten von Haaren anlässlich des Jubiläums der Stadtverfassung.

Ich finde, mehr Bremerhavener Bürger sollten die „gelebte Demokratie“ herausfordern. Sie haben noch nie eine Bürgerfrage gestellt? Dann sollten Sie heute damit anfangen. Jeder Bürger kann seine Frage bis einem Tag vor Sitzungsbeginn (12 Uhr) beim Ausschussvorsitzenden auch per E-Mail einreichen oder zur Sitzung kommen und mündlich Fragen stellen.

Maike Wessolowski

Reporterin

Maike Wessolowski wurde in Remscheid geboren. Die ausgebildete Reiseverkehrskauffrau und Reporterin lebte und arbeitete in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen bis sie 2018 in Bremerhaven festmachte. An der Region schätzt sie: Menschen, Maritimes, Möglichkeiten.

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